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Burg Hohnstein bekommt ein neues Museum

Die wechselhafte Geschichte der Burg soll multimedial erlebbar werden. Dafür steht jetzt Geld bereit. Auch für die Sanierung gibt es gute Nachrichten.

Die Landtagsabgeordneten Thomas Löser und Ines Kummer, Landrat Micheal Geisler, Burgchef André Häntzschel und Bürgermeister Daniel Brade (v.l.n.r.).
Die Landtagsabgeordneten Thomas Löser und Ines Kummer, Landrat Micheal Geisler, Burgchef André Häntzschel und Bürgermeister Daniel Brade (v.l.n.r.). © Daniel Schäfer

Mittelalterliche Grenzfestung, Gefängnis, Deutschlands größte Jugendherberge, Konzentrationslager, Touristenziel im Nationalpark - die Burg Hohnstein blickt in ihrem über 700-jährigen Bestehen auf eine äußerst wechselhafte Geschichte zurück. Umfassend dargestellt ist dies für Besucher aktuell nicht. In einem Raum stehen ausgestopfte Vögel in den Vitrinen, im Kellergewölbe darunter sind der Hohnsteiner Kasper, ein Soldaten-Helm und eine Ernst-Thälmann-Büste zu sehen. Die vorhandene Ausstellung stammt aus den 1990er-Jahren - und das sieht man ihr an.

In absehbarer Zukunft soll sich das ändern. Die Burg Hohnstein bekommt ein zeitgemäßes Museum, in dem ihre Geschichte erlebbar wird. Für die Konzeption dieser neuen Ausstellung steht jetzt das Geld bereit: ganze 619.000 Euro. Die Summe stammt aus dem früheren SED-Vermögen. Dass die Burg bei der kommenden Verteilungsrunde dieser Gelder durch den Freistaat zum Zuge kommt, dafür haben sich die Grünen eingesetzt.

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619.000 Euro aus altem SED-Vermögen

Das Vermögen der früheren Parteien- und Massenorganisationen der DDR ist laut Bundesrichtlinie unter anderen für die Sanierung von Gedenkorten gedacht. "Burg Hohnstein ist so ein Ort", sagte die Landtagsabgeordnete Ines Kummer (Grüne) am Donnerstag bei der Bekanntgabe der Neuigkeit auf der Burg. Angesichts der Wahlergebnisse zur Bundestagswahl im Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge sei es besonders wichtig, die Orte des Geschehens der NS-Geschichte für alle zugänglich zu machen.

Ein Teil der aktuellen Ausstellung auf Burg Hohnstein: Hier ist seit den 1990er-Jahren nichts mehr passiert. Bald startet eine komplett neue Museumskonzeption.
Ein Teil der aktuellen Ausstellung auf Burg Hohnstein: Hier ist seit den 1990er-Jahren nichts mehr passiert. Bald startet eine komplett neue Museumskonzeption. © Daniel Schäfer

Die Burg Hohnstein diente 1933/34 als ein frühes Konzentrationslager, in dem die Nazis rund 5.600 ihnen missliebige Menschen internierten. "Es ist wichtig, dass wir diese Geschichte weitertragen", sagte der Grünen-Abgeordnete Thomas Löser, da es kaum noch Zeitzeugen gebe. Das soll in dem künftigen Gedenkort auf der Burg passieren.

Löser ist Sprecher für Denkmalschutz der bündnisgrünen Landtagsfraktion in Sachsen und hat einen ganz persönlichen Bezug zur Burg. Sein Urgroßonkel war 1933/34 hier inhaftiert. Lange habe die Familie nach Zeugnisse aus dieser Zeit gesucht und schließlich ein Foto gefunden, dass den Großonkel beim Straßenbau zeigt. Die Häftlinge mussten als Zwangsarbeiter unter anderem die Rennstrecke um Hohnstein mit bauen.

Geschichte der Burg erlebbar machen

Es soll jedoch nicht nur um die NS-Geschichte gehen. Während der Weimarer Republik war die Burg Hohnstein ab 1926 mit 1.000 Übernachtungsplätzen die größte Jugendherberge Deutschlands. Viele Jugendliche haben hier - damals ungewöhnlich - über Konfessionen hinweg prägende und fröhliche Zeiten erlebt. Daran erinnerte Gabriele Hahn, Enkelin von Konrad Hahnewald, dem ersten Herbergsleiters der Jugendburg Hohnstein.

"Es soll kein verstaubtes Museum sein", sagte Hohnsteins Bürgermeister Daniel Brade (SPD). Auf 250 Quadratmetern Ausstellungsfläche soll die Historie visuell erlebbar werden mit Bilder, Multimedia- und Mitmachangeboten, etwa zum mittelalterlichen Handwerk. Dazu ist ein ganzer Ausstellungspfad über das Gelände und die verschiedenen Gebäude geplant vom Verlies, über den Burgkeller, bis ins Turmgeschoss.

Eine Ecke des Burghofs soll zum Erlebnishof für Kinder und Jugendgruppen werden, auch der Nationalpark wird seinen Raum bekommen. Das Beste für Besucher: Der Eintritt auf die Burg Hohnstein bleibt frei. Damit habe man bereits gute Erfahrungen gemacht.

Landrat: Gute Chancen für Komplettsanierung

Das geplante Museum bleibt weiterhin nur eine von drei Säulen im Konzept für die Burg - neben der Beherbergung und der Gastronomie. Was die generelle Sanierung angeht, machte Landrat Michael Geisler (CDU) Andeutungen, die hoffen lassen. "Es sieht auf einmal überraschend freundlich aus", sagte Geisler. "So freundlich wie seit Jahrzehnten nicht."

Der Landrat bezieht sich auf Gespräche mit dem Bund in Berlin. Für eine Komplettsanierung der Burg steht die Summe von 30 Millionen Euro im Raum, die Bund und Freistaat gemeinsam über Fördermittel finanzieren müssten. Noch ist der Landkreis Eigentümer der Immobilie. Sobald die Finanzierung geklärt ist, soll und will die Stadt Hohnstein sie komplett übernehmen. Aktuell ist Hohnstein noch Pächter und bewirtschaftet die Burg mit einer städtischen Gesellschaft.

Die Museumskonzeption startet unabhängig davon, ob eine Voll- oder Teilsanierung klappt. Bereits Mitte November will Hohnstein ein Planungsbüro damit beauftragen. Bei der inhaltlichen Ausgestaltung sollen regionale Akteure mitwirken wie der Verein Akubiz aus Pirna, der schon viel zur Geschichte der Burg geforscht hat und Führungen anbietet. Auch Professoren der TU Dresden haben sich jüngst mit dem Thema beschäftigt.

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