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Ein Radwegenetz ohne Radweg

Der Freistaat lässt die Routen neu ausschildern, auch die um Hohnstein. Bei den Radwegaktivisten stößt das auf Kritik. Das sind die Gründe.

Helmar Nestroy aus Stürza bei einer Protestveranstaltung für den Radwegbau an S 163 bei Hohnstein.
Helmar Nestroy aus Stürza bei einer Protestveranstaltung für den Radwegbau an S 163 bei Hohnstein. © Daniel Förster

Wer des Öfteren mit dem Rad in der Sächsischen Schweiz unterwegs ist, wird sie bereits gesehen haben. Die neue Radwegbeschilderung für die überregionalen Radwege "Das Sachsen Netz Rad". Die stoßen aber nicht bei jedem auf positive Resonanz. Dazu gehört auch die Bürgerinitiative "Pro Radwege an der ehemaligen Rennstrecke S 163/161".

Mitbegründer Helmut Nestroy aus Stürza hält die neue Beschilderung geradezu für gefährlich. Denn ausgerechnet auf dem zurückgebauten Teilstück der S 163 prangen Dutzende dieser Schilder. Wohlgemerkt, die Bürgerinitiative hatte sich dort für einen Radweg eingesetzt. Dieser wurde jedoch nicht mitgebaut, stattdessen wurde die einst breite Straße verschmälert, sodass es dort für Radler kreuzgefährlich ist, auch weil die Straße stark befahren ist.

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"Dieses aufwendige Schildermeer lockt den ortsunkundigen aber touristisch motivierten Radfahrer förmlich auf die Staatsstraße, ohne ihm ein Gefühl der Sicherheit zu bieten. Für Familien mit Kindern rate ich da dringend ab" sagt Helmar Nestroy. Der Sinn einer solchen Beschilderung erschließe sich ihm nicht. Schilder könnten keinen straßenbegleitenden Radweg ersetzen.

Auf der S 163 wurde ein Radweg ausgeschildert. Den gibt es hier nicht. Nun wird befürchtet, dass die Schilder Radler geradezu anlocken.
Auf der S 163 wurde ein Radweg ausgeschildert. Den gibt es hier nicht. Nun wird befürchtet, dass die Schilder Radler geradezu anlocken. © privat

Die Bürgerinitiative habe sich damals einen Radweg, aber kein Schildermeer erkämpfen wollen. Und deren Mitglieder fühlen sich nun auch irgendwie veralbert. Schließlich hatten sie sogar eine Petition zum Radwegbau ins Leben gerufen. Den Aufwand hätte man sich sparen können, meint er sarkastisch. Und um seinem Ärger Luft zu machen, hatte er unlängst auch einen Brief unter anderem an Verkehrsminister Martin Dulig und Landrat Michael Geisler (CDU) geschrieben.

Bürgerinitiative zweifelt an fachlicher Kompetenz

Die Bürgerinitiative geht nun davon aus, dass ihre Wünsche bei Politik und Wirtschaft völlig falsch verstanden wurden. Auch wenn der Straßenrückbau abgeschlossen ist, kämpfen die Radaktivisten ja immer noch für einen Radweg entlang der Trasse. Der Platz wäre noch immer vorhanden. "Wie viel Geld müsse noch verschwendet werden, wie viel kostbare Zeit verstreichen, ehe unsere so lukrative und sehenswerte Region der Sächsischen Schweiz endlich den Anschluss an andere Bundesländer mit intakter Fahrradwege-Kultur erreicht", heißt es unter anderem in dem Brief. Man solle dringend die Kompetenz in den Ämtern von Politik und Wirtschaft hinterfragen.

Als kritisch sieht man außerdem, dass in der Region der Fokus auf dem Elberadweg liegt. Der genüge 32 Jahre nach der Deutschen Einheit schon lange nicht mehr. Touristisch würde sich der Landkreis aber darauf ausruhen. Und er fordert, öffentlich Druck aufzubauen, damit der Freistaat seine Pläne auch im Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge umsetzt und weitere Radwege bauen lässt.

Geforderter Radweg im Ranking mit vorn dabei

In seiner Sitzung am 17. Mai dieses Jahres beschloss der Kreistag nun einstimmig die Radverkehrskonzeption für den Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge. Erarbeitet wurde sie vom ISUP Ingenieurbüro für Systemberatung und Planung GmbH.

„Es hat sich gezeigt, dass ein gut ausgebautes Radwegenetz ein ganz dringendes Erfordernis ist“, sagte Landrat Michael Geisler. „Immer mehr Menschen nutzen ihr Fahrrad – egal, ob sie zur Arbeit oder zum Einkaufen fahren oder einfach eine Tour durch die Sächsische Schweiz oder das Osterzgebirge unternehmen. Das ist insbesondere in den letzten Monaten noch einmal ganz deutlich geworden.“

Die Konzeption bildet nun die Grundlage für die Förderung baulicher Maßnahmen von Radverkehrsanlagen und ermöglicht damit Verbesserungen der Infrastruktur. Als nächster Schritt soll sich die Projektgruppe Radwege konstituieren. Einige Mitglieder der Steuerungsgruppe, die den Prozess der Konzeptentwicklung aktiv begleitet hat, haben bereits signalisiert, auch hier wieder mitzuarbeiten. Die Projektgruppe sollte einen Jahresplan aufstellen und eine regelmäßige Information zur Umsetzung der Radverkehrskonzeption im Fachausschuss Wirtschaft, Tourismus und Vergabe abgeben. Immerhin hat es der geforderte Radweg der Bürgerinitiative im Ranking auf einen vorderen Platz geschafft. Gebaut ist er damit aber noch nicht.

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