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Hilferuf für Burg Hohnstein

In der ersten Corona-Welle gab es noch Geld für die Bewirtschaftung. Jetzt ist das nicht mehr der Fall. Das bringt die Betreiber in Bedrängnis.

Schon mehrmals schwebten dunkle Wolken über Burg Hohnstein.
Schon mehrmals schwebten dunkle Wolken über Burg Hohnstein. © Steffen Unger

Dutzende Planer sind derzeit mit der Burg Hohnstein beschäftigt. Sie suchen nach dem Optimum zwischen Wünschen und Wirtschaftlichkeit. Und gerade Letztere bereitet der Betreibergesellschaft aktuell Kopfschmerzen. Nicht das erste Mal. Doch die Situation ist ziemlich ernst. Auch wenn es jetzt die Hoffnung auf den Re-Start gibt, bleibt die finanzielle Lage der historischen Sehenswürdigkeit samt Herberge angespannt.

Im vergangenen Jahr konnte man auf die Hilfen des Freistaates und des Bundes zurückgreifen. "Im Jahr 2021 ist bislang nichts dergleichen in Sicht, außer Kurzarbeitergeld für die Beschäftigten. Somit sind die immensen Betriebskosten jetzt ohne Hilfszuschuss aufgelaufen", sagt Hohnstein Bürgermeister Daniel Brade (SPD).

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Hohnsteins Burggesellschaft wäre Ende Juni pleite

Seit dem 1. Januar 2021 sind kommunale Gesellschaften von den Corona-Hilfsgeldern ausgenommen. Als kommunaler Eigentümer der gemeinnützigen Gesellschaft kann man nicht auf die Überbrückungshilfe III, das Sonderprogramm des Bundes für Jugendherbergen oder das Härtefallprogramm zurückgreifen. Auf diesen Hilfen ruhte aber die Hoffnung der Betreibergesellschaft. Der Haken: Die Burg Hohnstein ist im alleinigen Besitz der Stadt, also in öffentlicher Trägerschaft. Und die Burg ist keine Jugendbildungsstätte im Sinne des Sonderprogrammes.

Das Problem ist die Mischbelegung für Kinder und Jugendliche, Wandergruppen, Hochzeitsgesellschaften, Familien und noch einige andere mehr. Aus diesem Grund ist die Einrichtung nicht antragsberechtigt. Im Klartext heißt das, die Stadt Hohnstein müsste wiederum aus ihrem Etat der Betreibergesellschaft unter die Arme greifen. Inzwischen hat sich die Lage dramatisch zugespitzt. Nur noch bis Ende Juni 2021 wäre die Liquidität der Burggesellschaft gegeben. Also müsst die Stadt dringend Geld zuschießen. Bürgermeister Daniel Brade sagt aber: "Eine weitere Einzahlung einer Kapitalrücklage aus der Stadtkasse in die Gesellschaft wäre unrealistisch."

Trotz Re-Start keine schwarze Null am Ende

Die Hoffnungen ruhen jetzt auf der Öffnung, damit kann dann auch die Beherbergung wieder starten. Wenn es bei den niedrigen Inzidenzen im Landkreis bleibt, wäre es am Donnerstag soweit. Trotzdem rechnet man nicht damit, am Ende mit einer schwarzen Null aus dem Wirtschaftsjahr 2021 herauskommen. Daher wird auf ein Förderprogramm des Tourismusministeriums des Freistaates geschielt.

Selbst wenn es klappt: In Hohnstein weiß man, dass es ein stetiger Kampf um die Burg bleiben wird. "Dieses Leben von der Hand in den Mund beschäftigt uns schon sehr und lässt das eine oder andere graue Haar wachsen. Aber wir wissen, wofür wir es tun. Eine geschlossene und leerstehende Burg hätte gravierende Folgen für unsere Stadt", sagt der Bürgermeister.

Man müsse ganz einfach den Betrieb aufrecht halten, um endlich zu einer Sanierung zu kommen, um die Burg als Wirtschaftsmotor für die Stadt die nächsten Jahrzehnte zu erhalten. Und die Sanierung rückt tatsächlich in greifbare Nähe.

Burgrundgang soll ein Erlebnis werden

Der Kaufvorvertrag wurde von der Stadt unterzeichnet und vom Landratsamt genehmigt. Die Arbeit der Planer läuft auch Hochtouren. Außerdem wurde die Burg erstmals vermessen. Statiker arbeiten am Holzschutzgutachten. Und da gibt gute Nachrichten. Bis jetzt wurden keine Schäden durch Pilze oder Insekten beziehungsweise Schadstoffbelastungen festgestellt. Allerdings ist man mit der Arbeit noch nicht durch.

Aktuell sind die Planer im Dachgeschoss aktiv und untersuchen die Wirtschaftlichkeit eines Ausbaus. In den Außenanlagen wird ebenfalls geschaut, was sich da künftig machen lässt. Noch viel Arbeit gibt es bei der künftigen Gestaltung der Empfangsbereiche. Eventuell wird es auf der Bug kein festes Museum mehr geben, sondern einen Museumsweg durch die Burg, um sie erlebbar zu gestalten. Das soll aber professionell gestaltet werden. Die Arbeit der Hochschule Anhalt wird da mit einfließen. Außerdem sollen digitale Medien mit einbezogen werden, um den Burgbesuch zu einem Erlebnis für alle Generationen werden zu lassen, auch für Tagesgäste, wie es aus dem Rathaus heißt.

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