merken
PLUS Sebnitz

Hohnstein: Erst Jugendburg und dann KZ

Vor 95 Jahren wurde die Burg eine der größten Jugend-Kulturstätten in Deutschland. Das lustige und bunte Treiben hielt aber nicht lange an.

Mit einem großen Fest wurde vor 95 Jahren die Jugendburg Hohnstein eingeweiht.
Mit einem großen Fest wurde vor 95 Jahren die Jugendburg Hohnstein eingeweiht. © Steffen Unger

Mit einem sächsischen Landesjugendfest wurde am 24. und 25. April 1926 die Jugendburg Hohnstein eingeweiht. Heute erinnern sich die Enkel von Herbergsleiter Konrad Hahnewald, Gabriele Hahn und ihr Bruder Michael Hahnewald, an die Geschichten von ihrem Großvater.

Die Einweihung der Jugendburg habe damals außerordentliche Beachtung gefunden und den Ruf der Stadt Hohnstein weit über die Grenzen Sachsens und Deutschlands hinaus getragen. In kurzer Zeit entstand eine der bedeutendsten Kulturstätten der Jugendbewegung Deutschlands. Aus dem gegebenen historischen Anlass haben die Enkel das Familienarchiv von Michael Hahnewald geöffnet. Fotos von Schulklassen und Jugendgruppen finden sich darin, die erlebnisreiche Tage auf der Jugendburg Hohnstein verbracht haben. Es gab Tanz- und Singewochen. Lehrgänge und Tagungen fanden statt. Und sie erinnern gerade in dieser Zeit auch daran, dass ihr Großvater als Herbergsleiter viele internationale Gäste auf die Burg Hohnstein geholt hat und schon vor dem Zweiten Weltkrieg die Stadt weltweit im Gespräch war. Die Gäste kamen nicht nur aus europäischen Ländern, sondern auch Gruppen aus Japan, Ägypten und den USA weilten auf der Jugendburg.

City-Apotheken Dresden
365 Tage für Patienten da
365 Tage für Patienten da

Die Dresdner City-Apotheken bieten mehr, als nur Medikamente zu verkaufen. Das hat auch mit besonderen Erfahrungen zu tun. Was, wenn Sonntagmorgen plötzlich der Kopf dröhnt oder die Jüngste Läuse mit nach Hause gebracht hat?

Internationale Gäste bevölkerten die Burg

Bereits am 16. September 1924 beschloss der Sächsische Landtag, die Burg dem Reichsverband für deutsche Jugendherbergen zu überlassen. Von den 70 Anwärtern für die Funktion des Burgwarts, also des Herbergsleiters, wurde Konrad Hahnewald berufen, der zugleich Sekretär der Sozialistischen Arbeiterjugend Ostsachsens war.

Er wurde beauftragt, einen Plan für den Umbau und die Nutzung als Jugendburg auszuarbeiten. In seinen persönlichen Aufzeichnungen berichtet er wie folgt davon: "An jedem Sonntag kamen die Jugendfreunde aus Dresden, Pirna, Heidenau und anderen anliegenden Orten. Die brachten Hobel, Sägen und Hämmer mit, um zu helfen. Die Mädchen kamen mit Besen, Scheuereimern und Bürsten zum Putzen." Bis zur Einweihung am 24. und 25. April 1926 vergingen noch einige Monate. An diesen beiden Tagen wurde dann aber auch ein ausgiebiges Fest in der ganzen Stadt gefeiert.

Der Festumzug von der Burg auf den Hohnsteiner Marktplatz.
Der Festumzug von der Burg auf den Hohnsteiner Marktplatz. © Familienarchiv Dr. Michael Hahnewald

In den Folgejahren kamen Jugendliche und Delegationen aus der ganzen Welt bis 1933 nach Hohnstein auf die Burg. In den historischen Aufzeichnungen ist nachzulesen, dass allein in den Jahren 1926 und 1927 schon 101 Ferienlager mit 2.357 Teilnehmern, 28 Kursen und Lehrgänge mit 1.258 Teilnehmern, 36 Tagungen mit 18.696 Teilnehmern und 24 Feiern mit 2.357 Teilnehmern durchgeführt wurden.

Insgesamt bot die Burg damals 800 Plätze zum Übernachten und war damals die größte Jugendherberge Deutschlands. Die Jugendburg war für alle offen, ob Arbeiterjugend, Christlicher Jungmännerverein, Pfadfinder oder Bibelkreisler, heißt es in den historischen Unterlagen. Auch Hohnsteins Handpuppenspieler um Max Jacob fanden eine Bleibe auf der Burg. Zu Gast war auch der Dresdner Maler Otto Giebel mit seinem Puppentheater.

Menschenmassen bei der Einweihungsfeier am 24. und 25. April 1926 im Burghof.
Menschenmassen bei der Einweihungsfeier am 24. und 25. April 1926 im Burghof. © Familienarchiv Dr. Michael Hahnewald

Nobelpreisträger warnte vor dem Krieg

Am 17. Juli 1930 besuchte der indische Dichter, Philosoph und Nobelpreisträger Rabindranath Tagore die Jugendburg. Er warnte in einer Ansprache an die Jugend vor den heraufziehenden Gefahren des Krieges. Wie Recht er doch leider behalten sollte. Aus der größten Jugendherberge wurde ab März 1933 eines der ersten Schutzhaftlager der Nationalsozialisten. Herbergsleiter Konrad Hahnewald hatte sich geweigert, die Hakenkreuzfahne auf der Burg zu hissen, er wurde daraufhin als erster Gefangener eingekerkert.

Für die ehemalige Jugendburg begann das traurigste Kapitel. Das Lagerbuch verzeichnete bei der Auflösung nach anderthalb Jahren 5.600 "Zugänge". Vermutlich bis zu 140 Gefangene kamen hier durch Misshandlungen oder Selbstmord zu Tode. Die Bewachung bestand aus bis zu 250 Personen, zunächst SA-Männern und Polizisten, später SS-Angehörigen.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die Burg wieder von den Jugendlichen genutzt. Ab 1949 wurde sie zur größten Jugendherberge der DDR ausgebaut und ihr 1951 der Ehrenname Ernst Thälmann verliehen.

Unter sozialistischer Herrschaft fanden hier zahlreiche Kundgebungen, politische Veranstaltungen und Ähnliches statt. Ein Besuch auf der Burg stand bei fast allen Achtklässlern zu DDR-Zeiten mit auf dem Lernplan. Allerdings sollte die Burg Hohnstein kurz vor der Wende noch einmal Gefängnis werden. Am Ende des SED-Regimes war hier ein Internierungslager für 890 politische Gegner geplant. Zum Glück hat die Wende das verhindert. Später gehörte die Jugendherberge dann zum Naturfreundehaus-Netzwerk.

Um die Burg für die gesamte Region zu retten, will Hohnstein die historische Anlage kaufen. Noch gehört sie dem Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge und wird von einer Tochtergesellschaft der Stadt betrieben. Zum Jahresende könnte dann schon eine Entscheidung fallen, ob Hohnstein die Burg kaufen kann oder nicht. Das Ganze ist unter anderem abhängig von der Finanzierung für Umbau und Sanierung sowie der künftigen Bewirtschaftung.

Mehr Nachrichten aus Hohnstein lesen Sie hier.

Mehr zum Thema Sebnitz