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Hohnstein: Erst Klavierbauer, heute Zahnarzt

Von wegen, es zieht keine jungen Ärzte aufs Land. In Hohnstein wurde jahrelang darauf hingearbeitet.

Emanuel Trobisch hat am 1. Oktober die Zahnarztpraxis in Hohnstein übernommen.
Emanuel Trobisch hat am 1. Oktober die Zahnarztpraxis in Hohnstein übernommen. © Steffen Unger

Emanuel Trobisch ist viel herumgekommen in der Welt. Als Klavierbauer hat er unter anderem auch die Instrumente auf den Bühnen für große Pianisten vorbereitet. Zuletzt war er in der Schweiz. Kann ein Leben schöner sein? 2011 sollte für Emanuel Trobisch ein Wendejahr werden. Und das kam so.

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Familie Trobisch ist keine Unbekannte in der Region. Dr. Heidemarie Trobisch ist die Zahnärztin in Hohnstein. Sie hat das Gesundheitshaus aufbauen lassen, ihre eigenen Praxisräume darin eingerichtet. Und die Patienten kommen bis aus Dresden zu ihr. Mit den Jahren hat sich die Familie Gedanken gemacht, wie es mit der Praxis weiter gehen soll, wenn Heidemarie Trobisch mal etwas kürzertreten will. Als Klavierbauer hätte Sohn Emanuel da nicht einsteigen können. Aber er war flexibel und entschied sich 2011, mit 28 Jahren ein Zahnarztstudium zu beginnen. 2019 hat er das erfolgreich abgeschlossen und in einer Praxis in Dresden gearbeitet.

"Wir haben lange darüber gesprochen und deshalb kam die Entscheidung für das Zahnarztstudium nicht über Nacht. Also langfristiger Plan war dann schon, dass ich die Praxis einmal übernehmen werde", sagt er. Schließlich ist es nicht irgendeine Praxis. Das gesamte Gesundheitshaus ist auch ein Stück Lebenswerk seiner Mutter. Dazu komme, dass er sich als Klavierbauer zum Schluss nicht mehr vollständig ausgefüllt fühlte. Der Reiz nach etwas Neuem wurde stärker. Und letztlich liegen beide Berufe gar nicht so weit auseinander. In beiden sind filigrane Arbeiten notwendig, die viel Fingerspitzengefühl benötigen.

Zurück in der Heimat Sächsische Schweiz

Obwohl Emanuel Trobisch viel herumgekommen ist, hat es ihn doch immer wieder in die Heimat gezogen. Er ist hier verwurzelt. Besuch der Grundschule Hohnstein, danach Goethe-Gymnasium Sebnitz. Schließlich hat er Klavierbauer gelernt. Sein Zahnarztstudium hat er dann schon in Dresden absolviert. Und das Heimatgefühl war auch mit ein ausschlaggebender Gedanke, die Praxis seiner Mutter in Hohnstein zu übernehmen. Das hat er am 1. Oktober ganz offiziell getan. Damit ist die zahnärztliche Versorgung für Hohnstein und Umgebung aber auch für die Stammkunden von weiter her gegeben.

Bereut hat er seinen Schritt keine Sekunde. "Die Zusammenarbeit mit den Patienten ist mir wichtig. Das hat mich schon immer gereizt. Der Job ist spannend und er hat Zukunftsperspektiven", sagt er. Die meisten Patienten hat er von seiner Mutter übernommen. Heidemarie Trobisch werden trotzdem viele vermissen. Da ist er sicher. Und so ganz hat sie sich ja auch noch nicht verabschiedet. Sie hilft gerne aus, wenn ihr Sohn sie braucht. Denn eines weiß auch sie: Hätte er die Praxis nicht übernommen, wäre die Räume im Gesundheitshaus sicherlich leer geblieben. Dass es nicht einfach ist, Ärzte aufs Land zu holen, weiß sie aus Erfahrung. Einige Zeit gab es im Gesundheitshaus auch eine allgemeine Arztpraxis. Die wurde aufgegeben. Die Suche nach einem Nachfolger war vergeblich.

Unter dem Dach des Gesundheitshauses befinden sich noch die Räume von Cornelia Ebel, einer Cranio-Sacral-Therapeutin (Schädel-Kreuzbein) sowie der Kosmetik- und Fußpflege-Salon von Grit Renner-Goldhahn.

Gesundheitshaus eng mit Hohnstein verbunden

Die Historie des Hauses ist eng mit Hohnstein verbunden. Das Gebäude wurde im 19. Jahrhundert als Brauerei errichtet. Anfang der Zwanzigerjahre entstand auf den Grundmauern der Brauerei das städtische Beamtenhaus. Das Anwesen wurde zu DDR-Zeiten und bis etwa 1999 als Wohnhaus genutzt. Der Zustand war schlecht.

Als die Bauherrengemeinschaft Dr. Heidemarie Trobisch und Dr. Christian Reuter im Jahr 2013 mit der Sanierung begonnen hatte, war man froh in Hohnstein. Denn damit verschwand ein Schandfleck. Die Bauherrengemeinschaft hatte jedoch nicht nur das Beamtenhaus umbauen lassen, sondern sich auch der danebenstehenden alten Dampfbäckerei in der Fleischergasse gewidmet. Das Haus stand ebenfalls seit vielen Jahren leer, verfiel und wurde zur Gefahr für Fußgänger. Die Investoren hatten damals auch dieses Haus gekauft, um es abreißen zu lassen. Heute befindet sich an dessen Stelle eine kleine Grünanlage direkt neben dem Gesundheitshaus.

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