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Schwarzbachbahn rollt ein Stück weiter

Im Hohnsteiner Ortsteil Lohsdorf haben sich am Wochenende Hobbyeisenbahner getroffen. Und das hatte einen besonderen Grund.

200 Meter mehr Schienenstrang und Wegstrecke für die Schwarzbachbahn in Lohsdorf. Festlicher Empfang am neuen Haltepunkt Glasstraße in Lohsdorf.
200 Meter mehr Schienenstrang und Wegstrecke für die Schwarzbachbahn in Lohsdorf. Festlicher Empfang am neuen Haltepunkt Glasstraße in Lohsdorf. © Daniel Förster

Munter schnauft die Dampflok mit ihren drei Waggons gen Ehrenberg. Den Bahnhof Lohsdorf hat sie längst hinter sich gelassen, auch den ehemaligen Halt "An der Sorge" in Lohsdorf. Der nächste Ausstieg heißt nun Haltepunkt Glasstraße. Ein Märchen? Nein, eine wahre Geschichte aus dem Vereinsleben der Schwarzbachbahner.

Und die haben sich mächtig ins Zeug gelegt und weder Schweiß noch Mühen gescheut, um aus dem zugewucherten Bahndamm wieder ein Gleisbett herzustellen und die Schienen zu verlegen. So konnte nun pünktlich zum Bahnhofsfest am Wochenende ein weiterer Streckenabschnitt freigegeben werden.

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Die Schwarzbachbahner ließen sich bei ihren Fans natürlich nicht lumpen. Es gab auch gleich zwei Festplätze, einen am Bahnhof in Lohsdorf und einen am Haltepunkt Glasstraße. Wer wollte, konnte also genüsslich ein Bierchen trinken und eine Bratwurst essen, sich die Beine vertreten, am Bahnhof in den Zug steigen und dann in Richtung Unterehrenberg tuckern und dort ebenfalls bei Speis und Trank fachsimpeln.

Die Schwarzbachbahner sind schließlich keine Unbekannten und haben sich mit ihrem Engagement um die Reaktivierung der Bahntrasse bereits einen Namen gemacht. Und das findet Anerkennung, wie bei Gunther Freier der extra aus Berlin angereist ist. Der 62-Jährige verfolgt die Bemühungen des Vereins schon seit Längerem. "Für mich ist es immer wieder erstaunlich wie die Truppe trotz einiger Hürden und auch Geldsorgen sich nicht entmutigen lassen", sagt er.

An beiden Tagen konnten die Besucher auf der neuen Strecke mitfahren. Eine Gelegenheit, die gern genutzt wurde.
An beiden Tagen konnten die Besucher auf der neuen Strecke mitfahren. Eine Gelegenheit, die gern genutzt wurde. © Daniel Förster

Schwieriger Abschnitt steht bevor

In Richtung Unterehrenberg geht es nun weiter. Vor den Schwarzbachbahnern liegt nicht nur einer der schwierigsten Abschnitte, sondern auch einer der teuersten in der Wiederherstellung. Denn nur mit Bäume fällen, Schotterbett auffüllen und Gleise verlegen ist es hier nicht getan. Der nächste Abschnitt bis zum Bahnhof nach Unterehrenberg hat es in sich. Er ist etwa 400 Meter lang und beinhaltet insgesamt drei Brückenbauwerke sowie eine Bahnübergangsstelle an der Glasstraße.

Bis hierher kann die Schwarzbachbahn nun auch fahren. Und es scheint, als ob jeder Meter, den die Hobbyeisenbahner dem Gelände abringen von den Fans der Strecke nur so herbeigesehnt wird. Aber es geht eben nur Meter um Meter voran. Nicht zuletzt auch wegen Corona. Denn der Verein war dadurch auch in seinen Arbeitseinsätzen stark eingeschränkt. Während sonst immer viele Vereinsfreunde anzutreffen sind, durften jetzt nur wenige kommen. Einige Zeit war selbst das nicht möglich. Und das hat die Hobbyeisenbahner um Monate zurückgeworfen. Umso glücklicher waren sie, beim Bahnhofsfest nun doch noch die nächsten Streckenmeter präsentieren zu können. Und nicht nur das. Auch der neu aufgebaute Personenwagen war im Einsatz.

Ärger mit den Grundstückskäufen

Eins von den drei Brückenbauwerken im jetzigen Bauabschnitt ist fertig. Im kommenden Jahr sollen dann die nächsten zwei Brücken gebaut werden. Das Vorhaben selbst scheint nicht ganz günstig zu werden. Bei einer näheren Untersuchung hatte sich herausgestellt, dass die Sanierung der beiden Brücken doch etwas teurer wird, als eigentlich geplant. Der Verein setzt da auf weitere Fördermittel und auf Spenden von Freunden der Schwarzbahnbahn. Auf die war bislang immer Verlass.

Um an Fördermittel zu kommen, muss der Verein jedoch Eigentümer der Grundstücke sein. Das könnte sich künftig schwierig gestalten. Ein entsprechender Kaufantrag für die Grundstücke bis zum Bahnhof in Unterehrenberg hat der Verein gestellt. Allerdings verkauft die Deutsche Bahn derzeit keine Grundstücke, eingeschlossen Grundstückflächen wie auch Bahnhofsgebäude.

Bahnhof Kohlmühle bleibt im Blick

Trotz allem konnte der Verein im Jahr 2020 bis heute 18 neue Mitglieder gewinnen. Insgesamt sind es jetzt 108 Mitglieder, davon 44 aktive und 64 Fördermitglieder aus dem ganzen Bundesgebiet. Das entfernteste Mitglied lebt in Bratislava in der Slowakei. Um zukünftig auch eigenes Personal zum Betrieb der Dampflok zu haben, werden einige Mitglieder eine Ausbildung zum Kesselwärter/Heizer absolvieren. Andere Mitglieder haben sich bereits zum Eisenbahnbetriebsleiter, zum Zugführer beziehungsweise Lokführer ausbilden lassen. Das ist wichtig, um zum Beispiel an den Eisenbahntagen die Lok in Richtung Unterehrenberg zu fahren.

Der Schwarzbachbahnverein selbst ist seit 2019 ein eigenständiges Eisenbahnverkehrsunternehmen (EVU) und vertritt die Stadt Hohnstein als Eisenbahninfrastrukturunternehmen (EIU). Seit 2014 liegt zudem die Bau- und Betriebsgenehmigung für die Gesamtstrecke Goßdorf-Kohlmühle bis Hohnstein vor. Das Ziel, durch das Schwarzbachtal in Richtung Goßdorf-Kohlmühle zu bauen und zu fahren, wird weiterhin verfolgt. Dabei setzen die Schwarzbachbahner in Sachen Landschafts- und Naturschutz weiterhin auf eine einvernehmliche für beide Seiten akzeptable Lösung mit der Landesdirektion.

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