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Wie Burg Hohnstein zur Erlebniswelt wird

Was das Burgareal alles so hergibt: Die Gastronomie soll ausgeweitet werden. Auch ein Museumsrundgang ist geplant. Einige Stationen gibt es auch draußen.

Von Anja Weber
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Das Burgrestaurant soll Zuwachs bekommen. Möglichkeiten für weitere gastronomische Einrichtungen gibt es viele.
Das Burgrestaurant soll Zuwachs bekommen. Möglichkeiten für weitere gastronomische Einrichtungen gibt es viele. © Marko Förster

Es läuft für Burg Hohnstein. Noch vor ein paar Monaten sah es anders aus. Nichts wollte bei der geplanten Sanierung so richtig vorwärtsgehen. Doch jetzt zeichnen sich weitere konkrete Schritte ab. Ziel ist es, die Burg Hohnstein in kommunaler Hand als Ausflugsort sowie als Beherbergungsstätte zu entwickeln, eine wirtschaftliche Betreibung zu ermöglichen und die Burg zukünftig durch weitere Angebote im Bildungs-, Freizeit- und Veranstaltungsbereich überregional zu etablieren.

Umfangreiche Vorarbeiten und Planungen waren notwendig, um zunächst die Grundlagen herzustellen und die Nutzungsverteilung zu erarbeiten. Damit beauftragt wurden die Unternehmen Bau-Entwurf Pirna GmbH Planungsbüro Vetter - von Berg und h.e.i.z. Haus Architektur.Stadtplanung Partnerschaft mbB aus Dresden.

Ziel der Planungen ist ein Museumsweg, der über die Burg führen soll, um an verschiedenen Stationen die Geschichte der Burg und der Stadt erlebbar zu gestalten. Dafür mussten zunächst die Flächen in den einzelnen Häusern vermessen und kartiert werden. Heraus kam, dass auf der Burg etwa 500 Quadratmeter Museumsfläche zur Verfügung stehen. Die müssen erst einmal ausgefüllt werden.

Dass dies auch was kostet, ist angesichts der umfangreichen Leistungen klar. Für die Museumskonzeption sind an die 115.000 Euro veranschlagt, etwa 470.000 Euro könnten nach ersten Schätzungen die Liefer- und Bauleistungen kosten. Und noch einmal 143.000 Euro müssten für die Medientechnik eingerechnet werden. Summa summarum wären das über 730.000 Euro. Aktuell ist die Vorentwurfsphase einschließlich der Nutzungskonzeption abgeschlossen. Mit dazu gehört der Bildungs- und Freizeitbereich der Burg Hohnstein: im Wesentlichen ist das der Ausstellungspfad.

Ein Gedenkort in vielerlei Hinsicht

Für die Konzeption der neuen Ausstellung stehen jetzt 619.000 Euro bereit. Diese stammen aus dem früheren SED-Vermögen. Die Grünen hatten sich dafür eingesetzt, dass die Burg Hohnstein Geld aus diesem Fonds bekommt. Das Vermögen der früheren Parteien- und Massenorganisationen der DDR ist laut Bundesrichtlinie unter anderem für die Sanierung von Gedenkorten gedacht. Das ist die Burg Hohnstein gleich in vielerlei Hinsicht. So wurde die Burg 1926 mit 1.000 Übernachtungsplätzen als Jugendherberge eröffnet und war damals eine der ersten in Deutschland. Zuvor befand sich eine Jugendhaftanstalt darin. 1933/34 war dann die wohl dunkelste Zeit auf der Burg. Die Nazis richteten hier ein Konzentrationslager ein, auch das war eines der ersten in Deutschland. Nach der Wende wurde dann bekannt, dass die SED hier ein Internierungslager für Andersdenkende einrichten wollte.

Burg soll sich als touristisches Ziel behaupten

Großes Ziel ist es, dass sich die Burganlage als touristisches Ziel behaupten soll und dabei das Regionale im Vordergrund steht. Das wiederum soll dazu führen, dass Besucher nicht nur zum Übernachten, sondern eben auch des Museums wegen auf Burg Hohnstein kommen. Und das wiederum wäre ein Plus für die gastronomischen Einrichtungen. Auch da ist noch einiges geplant, so unter anderem neben dem Burgrestaurant, eine Burgschänke, ein Café und ein rustikaler Imbiss. Im Weiteren soll ein einheitliches Marketing sowie ein Kooperationsnetzwerk mit lokalen und überregionalen Partnern aufgebaut werden.

Der Aufgang zum Innenhof von Burg Hohnstein. Ein Museum gibt es hier zwar. Doch das döst eher im Dornröschenschlaf vor sich hin und dürfte Besucher nicht extra auf die Burg locken.
Der Aufgang zum Innenhof von Burg Hohnstein. Ein Museum gibt es hier zwar. Doch das döst eher im Dornröschenschlaf vor sich hin und dürfte Besucher nicht extra auf die Burg locken. © Marko Förster

Im Zentrum der musealen Nutzung steht die geschichtliche Bedeutung der Burganlage immer im Kontext von Zeit und Region. Mit der vorliegenden Entwurfsplanung gibt es nun erste Gedanken, die jedoch in der eigentlichen Ausführung konkretisiert werden müssen. Das ehemalige Kassenhäuschen könnte als Mediathek dienen mit dem Schwerpunkt Informationen zur Burganlage. Das Verlies im Durchgang soll bleiben. Im Haus 3 soll Platz für die Gedenkstätte an das frühere Konzentrationslager in den Jahren 1933/34 sein. Die Ausstellung zu Burggeschichte und Handwerk wäre im Tonnengewölbe genau richtig. Im Haus 5 könnten im Erdgeschoss die Museumsräume für regionale Geschichte und den Nationalpark Sächsisch-Böhmische Schweiz genutzt werden. Die Nationalparkverwaltung hat bereits ihr Interesse signalisiert, auf der Burg einen Informationspunkt einrichten zu wollen.

Das ist aber noch nicht alles. Auch die Außenflächen der Burg sollen mit genutzt werden. Stationen im Burghof, im Burggarten wie auch im denkmalgeschützten Schlossgarten wären möglich. In der nächsten Ratssitzung am 16. November will der Stadtrat den Auftrag für die Planung und Realisierung des Museumspfades vergeben. Damit kommt die Burg Hohnstein dem großen Ziel, der Sanierung, wieder ein Stück näher.