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Goßdorf: So wurde die Badesaison gerettet

Nach einer Zwangspause gibt es im Hohnsteiner Ortsteil wieder Abkühlung, und das zu recht günstigen Preisen. Zu verdanken ist das einem Thüringer.

Detlef Richter (rechts) ist für den Freibadverein Goßdorf und dessen Vorsitzenden Steffen Fischer ein Glücksgriff.
Detlef Richter (rechts) ist für den Freibadverein Goßdorf und dessen Vorsitzenden Steffen Fischer ein Glücksgriff. © Steffen Unger

Die Sonne steht senkrecht über dem Naturfreibad im Hohnsteiner Ortsteil Goßdorf. Schattenplätze sind rar, aber das Wasser bringt die Abkühlung. Und damit sich alle an die Badordnung halten, gibt es Detlef Richter. Der ist gut gelaunt und die Stimmung bei den Badegästen prächtig. Detlef Richter ist der Schwimmmeister im Freibad. Ein Pavillon, ein Stuhl, ein Tisch, mehr braucht er nicht. Er kassiert den Eintritt, plauscht mit den Gästen und hat natürlich ein wachsames Auge auf die Wasserfläche und das Bad.

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Bislang ist der Betreiber, der Freibadverein Goßdorf immer ohne Schwimmmeister ausgekommen. Baden auf eigene Gefahr war hier immer möglich. Doch letztes Jahr wurde das dem Verein zu heiß. Das Bad blieb zu. "Wenn hier was passiert wäre, dann wären der Verein als Betreiber und die Stadt als Eigentümer dran gewesen. Und das wollten wir nicht riskieren", sagt Steffen Fischer, der Vorsitzende des Freibadvereins. Außerdem brauche es für die Unterhaltung des Badebeckens zum Beispiel auch für die Chlorgaben Fachpersonal. Ohne Rettungsschimmer oder Schwimmmeister wäre das Bad eine weitere Saison geschlossen geblieben, sagt Steffen Fischer. Und gerade die fünf tödlichen Badeunfälle in Sachsen allein an in den letzten Tagen dürften ihnen recht geben.

Fachpersonal für Bäder ist rar

Nun sind Rettungsschwimmer und Schwimmmeister rar. Da fragt man als Kommune nicht nur mal beim Jobcenter an und am nächsten Tag steht einer auf der Matte. Es gibt genügend Beispiele, wo die Bäder in diesem Jahr zu bleiben oder eben nur eingeschränkt öffnen, weil das Personal fehlt. Dazu gehört Stolpen, wo es derzeit keine Aussicht auf eine Öffnung in diesem Jahr gibt. Und in Stadt Wehlen wurden die Öffnungszeiten verkürzt.

"Das war alles eher eine glückliche Fügung und Zufall, dass es dem Freibad-Verein gelungen ist, Detlef Richter für zumindest diese Saison zu finden", sagt Hohnsteins Bürgermeister Daniel Brade (SPD). Denn in der Stadt ist man froh, dass auch das Goßdorfer Bad wieder öffnen kann. Und wohl keine Gemeinde im Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge kann von sich behaupten, gleich drei Bäder zu haben, die die Unterstützung brauchen. Aber die Bäder haben ihre Daseinsberechtigung. "Im Hochsommer oder jetzt gerade bei dieser Hitze kommen die Bäder in Hohnstein und Rathewalde auch an ihre Kapazitätsgrenze. Da ist es natürlich gut, dass wir hier das Bad im Ort wieder öffnen konnten", sagt Tourismus-Chef Andre Häntzschel.

Kletterfreunde helfen sich untereinander

Die Geschichte sei kurz erzählt, sagt Detlef Richter. Auch er weiß, das Badpersonal Mangelware ist. Aber wie kommt nun gerade ein Thüringer nach Goßdorf? Detlef Richter ist Kletterfreund und deshalb in der Sächsischen Schweiz und vor allem auch in Goßdorf. Er nächtigt dann meist auf dem dortigen Parkplatz, so wie letztes Jahr. Und abends beim Bierchen habe er dann gehört, dass ein Schwimmmeister fehlt. "Wenn ihr einen braucht, für Euch mach ich das gerne", hatte er damals gesagt.

Das ist dem Freibadverein zu Ohren gekommen. "Wir mussten mit der Stadt die Bezahlung klären und eine kostenlose Wohnmöglichkeit finden", sagt Steffen Fischer. Und das war es schon. Alles sei dann ziemlich schnell gegangen. Detlef Richter arbeitet sonst im Winter in einem Hallenbad in Thüringen und über den Sommer in einem Freibad in Ichtershausen, ebenfalls in Thüringen. Also brauchte er die Freistellung seines Arbeitgebers für das Goßdorfer Bad. Und Sein Chef, ebenfalls ein Kletterfreund, stimmte zu. "Das ist nicht selbstverständlich, dass ein Arbeitgeber auf so etwas eingeht. Nach der Sommersaison bin ich dann wieder im Hallenbad", sagt Detlef Richter. Also wirklich Zufall, eine glückliche Fügung und vor allem das Engagement des Freibadvereins. "Wir haben einfach die Chance gepackt und nicht lange gefackelt", sagt Steffen Fischer.

Erfrischung gefällig? Im Naturfreibad von Goßdorf ist ein Sprung ins kühle Nass jetzt wieder möglich.
Erfrischung gefällig? Im Naturfreibad von Goßdorf ist ein Sprung ins kühle Nass jetzt wieder möglich. © Steffen Unger

Neu ist, dass in dem Bad jetzt Eintritt gezahlt werden muss. Aber zwei Euro pro Erwachsener ab 18 Jahre, Kinder und Jugendliche frei, sind sehr günstig. Notwendig war es, da ja auch die Personalkosten gestemmt werden müssen. "Die Einnahmen werden nicht reichen. Der Rest wird von der Stadt übernommen. Der Stadtrat hatte da auch nichts dagegen", sagt Bürgermeister Daniel Brade.

Der Freibadverein selbst hat durch Corona fast alle Reserven aufgebraucht. Etwa 5.000 Euro fehlen an Einnahmen vom Parkplatz gegenüber dem Bad. Da alle Veranstaltungen ausfallen mussten, gab es auch da keine Einnahmen. Dazu kommen zusätzliche Ausgaben in 2020, wie etwa für ein großes Netz. "Wir hatten das Bad ja geschlossen. Aber immer wieder sind Leute über den Zaun geklettert, um ins Becken zu gelangen. Wir mussten letztlich ein Netz darüber spannen. Das hat uns 1.500 Euro gekostet", erzählt Steffen Fischer. Bleiben letztlich nur noch die Mitgliedsbeiträge. Jetzt ist man wieder optimistisch. Deshalb soll auch die Sonnenwendfeier am 26. Juni steigen.

  • Der Badbereich in Goßdorf ist täglich von 11 bis 19 Uhr geöffnet und der Rest der Anlage von 8 bis 20 Uhr. Der Imbiss für das Freibad befindet sich gegenüber.

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