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Holland in Not

„Oranje“ hat nur noch eine theoretische WM-Chance, aber auch andere sind raus – oder müssen bangen wie Lionel Messi.

© dpa

Von Annette Birschel

Arjen Robben hat den Glauben an ein Oranje-Wunder aufgegeben. „Ich würde den Rechenschieber mal schön zu Hause lassen“, sagte der sichtlich frustrierte Kapitän vor dem schier aussichtslosen Gruppenfinale der Niederländer in der WM-Qualifikation gegen Schweden am Dienstag. Das mühsame 3:1 gegen Weißrussland war für die Elftal zu wenig, um das 8:0 des Rivalen Schweden gegen Luxemburg zu kontern und damit eine realistische Chance auf Platz zwei in Gruppe A zu erhalten.

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Mit mindestens sieben Toren Unterschied müssten die Niederländer nun in Amsterdam gegen die Skandinavier gewinnen, um doch noch durch die Hintertür der Playoffs zur Fußball-Weltmeisterschaft nach Russland fahren zu können. „Mit solchen Zahlen Schweden zu besiegen, das geht nicht“, meinte Robben, zumal es für die Schweden im Fernduell mit Frankreich noch um das Direkt-Ticket zur WM geht. Die Zeitung „De Volkskrant“ urteilte: „Die Krise ist so tief. Die Niederlande müssen wieder lernen, Fußball zu spielen.“

Für den erst vor wenigen Monaten als Bondscoach zurückgekehrten Dick Advocaat könnte der Abend von Amsterdam ebenfalls schon wieder der Schlusspunkt sein. Zwar behauptete der 70-Jährige nach dem Arbeitssieg von Borissow mit starrem Gesicht: „Nichts ist unmöglich.“ Aber schon zuvor hatte er sich verkalkuliert, als er einen Reporter angefaucht hatte: „Schweden wird doch nicht 8:0 gegen Luxemburg spielen. Was ist das für eine dumme Frage?“ Doch eben genau das taten die Schweden und stürzten Holland damit wieder in große Not.

Doch damit ist „Oranje“ nicht allein. Für die Türken gibt es nach dem überraschend klaren 0:3 gegen Island keine Chance mehr auf eine WM-Reise nach Russland. Auch die Österreicher sind bereits aus dem Rennen, was aber zumindest die Stimmung des scheidenden Nationaltrainers Marcel Koller nicht trübte. „Es war eine wunderschöne Zeit hier. Jetzt hat man eben entschieden, dass man auseinandergeht, aber ich werde meinen Weg weiter verfolgen“, sagte der Schweizer nach dem beachtenswerten wie wertlosen 3:2-Sieg gegen Favorit Serbien.

Ein Endspiel um den Sieg in der Gruppe B und damit die direkte Qualifikation hat sich Portugal mit einem mühsamen 2:0 in Andorra gesichert. Nach dem Sieg stehen Weltfußballer Ronaldo und seine Kollegen zwar drei Punkte hinter den nach wie vor unbesiegten Schweizern. Portugal hat vor dem direkten Duell aber die deutlich bessere Tordifferenz – ein Erfolg gegen die Schweiz würde also reichen. „Wir sind mit einer Niederlage in die Quali gestartet und haben danach alle acht Spiele gewonnen“, sagte Portugals selbstbewusster Coach Fernando Santos. „Und die Schweiz, die mit neun Siegen gestartet ist, wird nun mit einer Niederlage aufhören.“

Dagegen ist die Stimmung in Italien nach dem mageren 1:1 gegen Mazedonien schon fast panisch. Der viermalige WM-Champion muss auf jeden Fall den Umweg über die Play-offs nehmen. „Die Azzurri versinken im totalen Chaos“, schrieb die Gazzetta dello Sport. Zuletzt hatten die Italiener vor 20 Jahren auf dem Weg zur WM in Frankreich die direkte Qualifikation verpasst. Jetzt herrscht Alarmstimmung.

„Wir dachten, auf einem höheren Niveau zu sein“, sagte Keeper Gianluigi Buffon konsterniert. Die 0:3-Niederlage bei den mittlerweile qualifizierten Spaniern Anfang September habe die Sicherheit geraubt, daher forderte Buffon nach seinem 172. Länderspiel: „Jetzt müssen wir uns mit Stolz aus dieser Lage aufraffen. Wir brauchen eine psychologische Wende.“

Noch dramatischer scheint die Lage für Argentinien zu sein. Was lange undenkbar schien: Superstar Lionel Messi könnte die WM vom Fernsehsessel aus verfolgen müssen. Trotz guter Chancen reichte es gegen Peru nicht zum Sieg. Nach dem 0:0 gegen den direkten Konkurrenten in Buenos Aires steht die „Albiceleste“ in Südamerika auf Platz sechs – und wäre nicht dabei. Argentinien schießt kaum Tore: nur 16 in bisher 17 Spielen. Peru – mit jungen, talentierten Spielern das Überraschungsteam – hat wie Argentinien 25 Punkte, aber das bessere Torverhältnis. Die „Inkas“ können durch einen Heimsieg gegen Kolumbien erstmals seit 1982 wieder an einer WM teilnehmen.

Zu allem Ärger zog auch noch Dauerrivale Chile durch ein 2:1 gegen Ecuador vorbei. „Die Mannschaft ist wütend, aber wenn wir in Ecuador gewinnen, fahren wir zur Weltmeisterschaft“, sagte Nationaltrainer Jorge Sampaoli trotzig. Für Platz vier bräuchte Argentinien Schützenhilfe durch Brasilien gegen Chile, aus eigener Kraft ist mit einem Sieg am Dienstag Platz fünf sicher. Dann müsste man den Umweg eines Hin- und Rückspiels gegen Ozeanienvertreter Neuseeland nehmen. (dpa, mit sid)