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Holzkreuze am Protschenberg

Die Polizei beseitigte am Wochenende in Bautzen insgesamt 23 Kreuze. Für sie ist es nur eine Ordnungswidrigkeit – für andere eine Hetze sondersgleichen.

1,70 Meter hoch und sehr stabil waren die Holzkreuze, die am Sonnabend und Sonntag auf dem Protschenberg standen. © privat

Bautzen. Wer am Sonntagnachmittag auf dem Protschenberg spazieren ging, hat ihn so vorgefunden wie immer. Doch am Sonnabend und Sonntag standen dort am Abhang einmal elf und einmal zwölf 1,70 Meter hohe Holzkreuze. Auf ihnen standen Namen und Jahreszahlen, wie sie auch auf Kreuzen auf Friedhöfen üblich sind. Allerdings, und das bestätigte die Polizeidirektion Görlitz am Sonntag, haben die Namen und die Jahreszahlen auf den Kreuzen einen besonderen Hintergrund.

Die Polizei erfuhr von den Kreuzen am Sonnabendmorgen um 7.40 Uhr. „Es standen auf dem Protschenberg elf Kreuze. Bei den Personen auf den Kreuzen handelt es sich um Menschen, die im Zusammenhang mit ausländischen Bürgern ums Leben gekommen sind“, heißt es aus der Polizeidirektion. Es finden sich zum Beispiel Namen von Opfern, die beim Weihnachtsmarkt-Attentat in Berlin 2016 starben. Die Beamten entfernten am Sonnabend die Kreuze. Allerdings wurden sie am Sonntagmittag informiert, dass erneut große Kreuze an dieser Stelle stehen. Nicht dieselben, denn die befanden sich ja schon im Gewahrsam der Polizei. Auf einem stand vermerkt: „Der nächste Einzelfall“. „Da es sich hierbei um eine Meinungsäußerung im öffentlichen Raum handelt, ist es für uns eine Ordnungswidrigkeit“, sagt der Diensthabende der Polizei. Es wird ermittelt.

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Für den Bautzener SPD-Stadtrat Roland Fleischer ist es nicht nur eine Ordnungswidrigkeit. Er hat der SZ das Foto zur Verfügung gestellt und OB Alexander Ahrens informiert. „Für mich ist dies eine Hetze sondersgleichen“, sagt er. Der Staatsschutz hat die Ermittlungen aufgenommen. Fleischer vermutet hinter dieser Aktion die Identitäre Bewegung Bautzen, denn auf deren Twitter-Plattform befinden sich Fotos der Kreuze und Anmerkungen zu den Namen. Roland Fleischer hofft, dass die Hintergründe dieser Aktion aufgeklärt und die Täter zur Rechenschaft gezogen werden. (SZ/kf)

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