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Honigbienen sind klar im Vorteil

Für das Insektensterben in Sachsen gibt es zwar keinen eindeutigen Beweis, aber viele erdrückende Indizien.

© dpa/Lino Mirgeler

Die gute Nachricht wirkt angesichts der dramatischen Schlagzeilen vom Insektensterben überraschend. „Die Honigbienen sterben nicht aus“, sagt Christian Schmid-Egger. Sie seien quasi Haustiere, ergänzt der tierökologische Gutachter. Und sein Kollege Kaspar Bienefeld vom Länderinstitut für Bienenkunde bescheinigt Sachsen sogar eine positive Entwicklung bezüglich dieser Tiervölker – auch wenn das Land nicht die hohe Bienendichte wie die urbane Imkerhochburg Berlin erreicht. Von der dortigen Bestäubungsleistung profitieren Felder und Wiesen in der Lausitz und im Erzgebirge übrigens kaum, doch das steht auf einem anderen Blatt.

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Der sächsische Landtag befasste sich jetzt auf Initiativen von Linken und Grünen mit dem Phänomen des Insektensterbens. Eine Expertenanhörung vor dem Umweltausschuss am Freitag zeigte: Es ist so wie beim Klimawandel. Der eindeutige, statistisch abgesicherte und nicht anzweifelbare Beweis fehlt, dennoch ist das Phänomen erkennbar. Schmid-Egger spricht von einer „erdrückenden Fülle an Indizien“.

Von denen listet Matthias Nuß einige auf. Der Wissenschaftler vom Senckenberg Museum für Tierkunde sagt, innerhalb der EU seien 30 Prozent der Tagfalterarten ausgestorben. Für Sachsen beziffert er die Quote nicht mehr existierender Schmetterlingsarten mit 13 Prozent. Insekten sind Nahrungsgrundlage für Spinnen, Vögel und kleinere Säugetiere. Zudem bestäuben sie Pflanzen, die wiederum Tieren, aber auch Menschen Nahrung bieten. Was ist zu tun, damit Nahrungsketten stabil bleiben?

Die Gründe für Insektenschwund sind bekannt: Abgase, saurer Regen, milde Winter, die gut für Milben und damit schlecht für Bienen sind, vor allem aber der Verlust von Flächen, der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln in der Landwirtschaft und zu viel Stickstoff in der Luft. „Alles ist grün“, sagt Gutachter Schmid-Egger dazu. Er meint damit, dass Gräser mit der Situation leichter klarkommen als, vereinfacht gesagt, Blumen. Und das hat wiederum negative Auswirkungen auf die Insekten.

Der Vizepräsident des sächsischen Landesbauernverbandes nennt noch einen anderen Aspekt. „Unsere Umwelt“, sagt Gerhard Förster, „die wir wahrnehmen, soll schön sein.“ Das heißt: Pfützen werden rasch beseitigt, das Gras am Straßenrand wird mehrfach im Jahr gemäht. Es fehlen Lebens- und Bruträume für Insekten, obwohl die Flächenversiegelung in Deutschland mittlerweile gedrosselt ist.

Förster verwahrt sich aber dagegen, den Einsatz von Pestiziden als Hauptgrund für den Rückgang der kleinen Tiere zu brandmarken. Die Mittel durchliefen lange und intensive Testphasen, etliche bestünden diese gar nicht. Im Übrigen stehe die sächsische Landwirtschaft in einem globalen Wettbewerb – unter anderem mit Anbietern aus Ländern, in denen der Artenschutz eine geringere Rolle spiele. Insektenexperte Nuß erkennt zwar ebenfalls das nachvollziehbare Interesse am Erhalten von Nutzpflanzen an. Doch Funktion von Pflanzenschutzmitteln sei es eben auch, sagt er, anderes Leben zu töten.

Möglichkeiten zum Gegensteuern gibt es allemal. Zu den ganz simplen Mitteln zählt es, wie mehrere Sachverständige ausführen, Wiesen seltener oder nur in Teilen zu mähen. Das wirkt recht schnell, Insekten erhalten mehr Lebensraum. Das Anlegen von Blühstreifen, in denen Blumen wachsen können, an Rändern von Feldern kann helfen. In einem rund 10 000 Hektar umfassenden Ackerbaubetrieb in Sachsen-Anhalt hat sich die Zahl der Wildbienenarten an den Streifen erhöht. Landwirte können stärker beim Naturschutz gefördert werden – bei Reduzierung der Bürokratie. Der Ausbau des Ökolandbaus unterstützt den Artenerhalt ebenfalls. Und was ist nun mit den Pflanzenschutzmitteln?

Auch darauf gibt es eine Antwort. Kai Pönitz ist diplomierter Agraringenieur und privater Landwirt, der eine Fläche von 53 Hektar bewirtschaftet. Seit sechs Jahren verzichtet er nach eigenen Angaben auf die Schädlings- und Unkrautbekämpfung. Wichtig sei dabei die Wahl der Fruchtfolge. Auch der Anbau von Pflanzen, die Unkraut unterdrücken, helfe beim Ertrag. Pönitz kommt, wie er betont, auf etwa 70 Prozent der Menge, die konventionell arbeitende Landwirte erwirtschaften.