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Hotel-Investor reagiert auf Kritik

Die Optik des Neubaus wird diskutiert. Braucht Dresden überhaupt ein weiteres Hotel, wenn die Touristenzahlen sinken?

© Visualisierung: S 8 Dresden GmbH

Von Sarah Grundmann

Ein Nackenschlag für die Baukultur, Computerschrott, ein lieblos-grauer Kastenbau-Entwurf – so lauten einige der Reaktionen auf den Entwurf für das neue Hotel an der Ecke Anton-/Robert-Blum-Straße. Die Bauarbeiten haben im April dieses Jahres begonnen. Als der Investor Benchmark Real Estate Development aus Frankfurt die Visualisierung veröffentlichte, entspann sich daran eine Debatte um moderne Architektur, die (Un-)Fähigkeiten der Dresdner Gestaltungskommission und das Mitspracherecht der Bürger. Nun meldet sich der Investor auf SZ-Anfrage zu Wort.

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„Natürlich sind wir nicht glücklich darüber, dass die Fassade des Hotels derartig kontrovers diskutiert wird“, sagt Martin Hantel. Er ist Geschäftsführer des Frankfurter Unternehmens. „Allerdings: Grundsätzlich ist es begrüßenswert und wichtig, sich im Sinne des Dresdener Stadtbilds auszutauschen.“ Deswegen habe er von Anfang an darauf gesetzt, sich immer wieder mit der Landeshauptstadt Dresden ausgetauscht und tue dies immer noch.

Bekenntnis trotz Tourismusdelle

Die hat der Firma nach Paragraf 34 des Baugesetzbuches im März eine Baugenehmigung erteilt. Und genau an diesem Paragrafen hagelt es nun Kritik von vielen Seiten. So bemängelt unter anderem die Gesellschaft Historischer Neumarkt, dass zu viel Baugeschehen in der Stadt darüber geregelt werde. Denn er lasse vieles zu, gebe nur vor, dass sich ein Vorhaben in die Umgebung einzufügen hat. Was das im Detail bedeutet, bleibt allerdings unklar.

Zwar gibt es in Dresden ein Gremium, das sich mit solchen Fragen auseinandersetzt: die Gestaltungskommission. Doch die habe nur wenig Möglichkeiten, einzugreifen, moniert unter anderem Stadtrat Tilo Wirtz (Linke). Eine Alternative zum Paragrafen 34 sind die sogenannten Gestaltungssatzungen wie in Blasewitz und konkrete Bebauungspläne. Diese zu erstellen, ist aber deutlich aufwendiger. Die Verfahren werden deshalb häufig nicht genutzt. „Wann wird in Dresden wieder gestaltet, statt Flächen zu bestücken?“, fragt sich deshalb ein Nutzer bei SZ online.

Unter einem älteren Beitrag fragt sich sogar jemand, ob Dresden überhaupt ein weiteres Hotel benötigt. Schließlich musste sich erst kürzlich das Ibis-Hotel an der Prager Straße verkleinern. Der Geschäftsführer gibt der Bettensteuer und einer veränderten Marktlage die Schuld.

Denn seitdem jeden Montag Tausende für ein patriotisches Europa spazieren gehen, sinken die Touristenzahlen. Der Ruf der Stadt hat außerhalb ihrer Grenzen gelitten. Das zweite Jahr in Folge kamen 2016 weniger Touristen in die Landeshauptstadt als noch in den Vorjahren. Zwar gab es in diesem Januar einen überraschenden Anstieg. Doch der Februar hinterließ abermals eine Delle in der Statistik. Doch Hantel trotzt dem Knick.

„Wir haben das Grundstück im Jahr 2016 erworben und würden diese Entscheidung jederzeit wieder treffen“, sagt der Geschäftsmann. „Wir glauben an den Wirtschafts- und Tourismusstandort Dresden. Das gilt auch für den künftigen Betreiber des Hotels.“ Das Haus soll künftig von der amerikanischen Wyndham-Gruppe geführt werden. Betreiber und Investor hätten vor dem Baubeginn Gutachten erstellt. Demnach sei Dresden für Geschäftsreisende und Touristen gleichermaßen interessant. „ Unser Projekt ist ein langfristiges Bekenntnis zur Stadt“, so Hantel.

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Dass es in der Innenstadt bei einer Anlage Probleme gebe, müsse nicht unbedingt an den sinkenden Touristenzahlen liegen. Und auch die Konkurrenz im Bauumfeld macht ihm keine Sorgen. Schließlich gibt es nicht nur schräg gegenüber ein Hotel, sondern auch nebenan ein Gästehaus. Die geplante Einrichtung hebe sich aber ab. „Das Super8 ist ein sogenanntes Lifestyle Economy Hotel“, erklärt Hantel. Dieses zeichnet sich vor allem durch einen günstigen Preis aus. Was die Gäste für eines der 176 Doppelzimmer pro Nacht zahlen müssen, will der Investor aber nicht verraten.