Teilen: merken

Hotel Stadt Leipzig ist verkauft

Der bisherige Eigentümer kündigte mehrfach eine Sanierung an. Das tut auch der neue Besitzer – mit anderen Plänen.

© Sven Ellger

Von Sarah Herrmann

In der unendlichen Geschichte um die Sanierung des Hotels Stadt Leipzig wird ein neues Kapitel aufgeschlagen. Nachdem jahrelang darauf gewartet wurde, dass der bisherige Eigentümer sein Versprechen wahr macht und den einst prachtvollen Bau an der Ecke Heinrichstraße/ Rähnitzgasse saniert, schlägt dieser einen anderen Weg ein. Die Hotel Stadt Leipzig Objektgesellschaft mbH, die zum Warschauer Unternehmen Griffin Real Estate gehört, hat das Denkmal verkauft.

Symbolbild Anzeige
Anzeige

Breslauer Philharmonie zu Gast in Frauenkirche

Das Konzert "Wandlung I" und Violinist Daniel Hope am 16. Februar erleben.

„Nach unserer Kenntnis wurde der Kaufvertrag vor ein paar Tagen formell vollzogen“, teilt Stadtsprecher Karl Schuricht auf SZ-Anfrage mit. Der neue Eigentümer habe um ein Gespräch bei Baubürgermeister Raoul Schmidt-Lamontain (Grüne) gebeten, um die weiteren Schritte zu besprechen. Zuvor hatte er sich im nicht-öffentlichen Teil einer Bauausschuss-Sitzung vorgestellt. Nach SZ-Informationen handelt es sich dabei um eine Projektgesellschaft aus Dresden, die in der Landeshauptstadt bereits einige Vorhaben umgesetzt hat.

„Der neue Eigentümer des Hotels Stadt Leipzig hat angekündigt, das Gebäude nach den genehmigten Plänen sanieren zu wollen“, teilt Stadtsprecherin Diana Petters in dessen Auftrag mit. Für einen kleinen Bereich erwäge die Projektgesellschaft allerdings eine andere Nutzung, so die Stadtsprecherin weiter. Was das genau bedeutet, will die Verwaltung auf erneute Anfrage allerdings nicht verraten.

Bislang sollten in dem Ensemble 32 Eigentumswohnungen sowie vier Gewerbeeinheiten entstehen. Dazu wollte der bisherige Eigentümer nicht nur die bestehenden Gebäudeteile sanieren. Auf dem Hof war zudem die Errichtung eines modernen Neubaus als Kontrast geplant. Zuletzt stand eine Fertigstellung im kommenden Jahr im Raum. Die Hotel Stadt Leipzig Objektgesellschaft mbH äußert sich auf SZ-Anfrage zwar seit Längerem nicht mehr. Im Internetportal Immobilienscout 24 wurden die Wohnungen allerdings zum Kauf angeboten – Bezugstermin: 2019.

Mittlerweile sind die Einträge allerdings von der Internetseite verschwunden. Ob der neue Eigentümer die Apartments weiterhin zum Kauf anbieten will, bleibt also unklar. Auch die Preise sind offen. Bislang lag der Quadratmeter bei 3 300 Euro. In den Sternen steht ebenfalls, wann die Apartments bezogen werden können. Der alte Eigentümer war von einer Bauzeit von rund einem Jahr ausgegangen. Wann die Arbeiten an dem Denkmal starten, kann allerdings niemand sagen. „Bei dem Umfang des Vorhabens überrascht es nicht, dass der neue Eigentümer nicht unmittelbar nach dem Erwerb des Grundstücks mit dem Bau beginnen kann“, sagt Petters. Die Verwaltung will ihm nun erst einmal Zeit einräumen. Davon hatte sich der Voreigentümer zu viel genommen.

Bereits 2012 wurden die ersten Pläne bei der Stadt eingereicht, seit 2014 liegt eine Genehmigung vor. Passiert ist seitdem nicht viel. Von Baubürgermeister Raoul Schmidt-Lamontain (Grüne) wurde der alte Eigentümer zu einigen Sicherungsarbeiten verpflichtet, in persönlichen Gesprächen wurde der Druck auf ihn erhöht. Bis zuletzt stand im Raum, dass die Stadt die Baugenehmigung widerruft. Die aus der Bevölkerung geforderte Enteignung hat die Verwaltung allerdings nie in Betracht gezogen.

Für Sanktionen gebe es bei dem neuen Eigentümer so kurz nach dem Kauf keinen Anlass, so Stadtsprecherin Petters. So geht das Warten auf das letzte Kapitel der unendlichen Geschichte um das Hotel Stadt Leipzig vorerst weiter.