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Hotel „Stadt Leipzig“ muss dem Wetter trotzen

Seit das Schutzdach fort ist, bedeckt nur eine Plane das Denkmal. Die soll aber bald nicht mehr nötig sein.

© Sven Ellger

Von Tobias Hoeflich

Endlich tut sich etwas, mag sich mancher Passant im vergangenen November in der Heinrichstraße gedacht haben. Gerüstbauer werkelten an dem ruinösen Hotel „Stadt Leipzig“ an der Ecke zur Rähnitzgasse und montierten das Wetterschutzdach auseinander, das den maroden Bau vor Frost und Schnee schützen sollte.

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Der Wind pfiff auch 1994 schon durch die kaputten Fenster – dafür musste aber die Hauswand nicht gestützt werden.
Der Wind pfiff auch 1994 schon durch die kaputten Fenster – dafür musste aber die Hauswand nicht gestützt werden. © Wolfgang Schmelzer

Doch der Abbau war kein Zeichen dafür, dass das seit den 1980er-Jahren ungenutzte Haus nun saniert wird. Vielmehr seien die Rechnungen für das Dach nicht beglichen worden, erklärte der Pirnaer Gerüstbauer Thomas Oertel gegenüber der SZ. „Es wird ein neues Wetterschutzdach aufgebaut werden“, versicherte Christian Falkenberg. Er ist mit seiner Firma Falkenberg und Kakies GmbH zuständig für den Vertrieb der 32 geplanten Wohnungen in dem „Heinrichhöfe“ genannten Komplex aus dem Alt- und einem modernen Neubau im Hinterhof. Zugleich dementierte er Gerüchte, nach denen der Eigentümer, die Objektgesellschaft Hotel Stadt Leipzig mbH, zahlungsunfähig sei. Mit dem Geschäftsführer der Gesellschaft, dem Polen Artur Wojtkiewicz, stehe er in regelmäßigem Kontakt. „Eine Zahlungsunfähigkeit kann ich nicht bestätigen.“

Ein neues Wetterschutzdach sucht man heute, drei Monate später, aber vergeblich. Zwar säumt ein Metallgerüst die Seiten des in den 1830er-Jahren errichteten Baus. Doch von oben schützt ihn nur eine blaue Plane. Das sei mit der Stadtverwaltung so besprochen und genehmigt worden, erklärt Vertriebschef Christian Falkenberg – was das Denkmalschutzamt auf SZ-Anfrage bestätigt: „Nach Abbau des Wetterschutzdaches wurden im Einvernehmen zwischen Denkmalbehörde und Eigentümervertreter neue Schutzmaßnahmen ausgeführt, die von der Denkmalbehörde überwacht werden.“ Diese seien auf die Baugenehmigung abgestimmt und kostengünstiger als das vorherige Dach.

Baubeginn steht nichts im Weg

Gleichzeitig betont die städtische Behörde, dass trotz des schlechter werdenden Zustands ein Abriss nicht infrage kommt. Stattdessen soll so viel wie möglich von der Originalsubstanz erhalten werden. „Ein Abbruch kommt derzeit aus denkmalfachlicher Sicht nicht in Betracht“, bekräftigt das Denkmalschutzamt. Und Dresdens Baubürgermeister Jörn Marx (CDU) ergänzt, dass die Baugenehmigung bereits erteilt sei und einem Sanierungsstart nichts im Wege stünde: „Aus der Sicht des Bauaufsichtsamtes könnte es zeitnah losgehen. Der Investor hat uns einen Baubeginn im April angekündigt.“

Christian Falkenberg bestätigt, dass sämtliche Baugenehmigungen erteilt sind und nun auf den Baustart hingearbeitet wird. „Wir haben dafür einen international erfahrenen Projektsteuerer mit ins Boot geholt.“ Nach derzeitigem Stand strebe der Eigentümer einen Baustart im April an. Dass die Sanierung endlich beginnt, daran dürfte auch Falkenberg gelegen sein: Die Nachfrage an den 32 Wohnungen, die im Herzen des Barockviertels entstehen sollen, ist groß: Mehrere seien bereits reserviert, andere sogar schon verkauft.

Die Skepsis aber bleibt, denn mehrfach ist in den vergangenen Jahren eine Sanierung des ältesten erhaltenen Hotels der Stadt angekündigt worden. Schon in den 90er-Jahren plante ein Stuttgarter Unternehmen, in dem Denkmal wieder Gäste zu beherbergen, ging aber pleite. In der Folge wechselte das Haus mehrfach den Besitzer. Doch statt es zu sanieren, wurden Teile der Altbausubstanz, wie zwei Obergeschosse samt Dach des Flügels an der Heinrichstraße, sogar abgerissen. (mit kah/uki)