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Hotelpläne in der Kritik

Vor dem neuen Gewandhaus soll an der Ringstraße eines der letzten Filetstücke in der Innenstadt bebaut werden.

© Visualisierung: KLM Architekten

Von Lars Kühl

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Es bleibt spannend, auf jeden Fall bis zur Stadtratssitzung am Donnerstag. Bekommt die Innenstadt ein weiteres Hotel, oder doch nicht? Seit Jahren will die Verwaltung die Fläche vorm neuen Gewandhaus an der Ringstraße verkaufen. Alle Versuche scheiterten bisher, zuletzt wurde das Angebot der Hotelgruppe Foremost Hospitality aus Berlin, die unter anderem seit knapp fünf Jahren das Holiday Inn am Dr.-Külz-Ring betreibt, im Mai vorigen Jahres im Bauausschuss abgelehnt.

Zurzeit wird die Fläche an der Ringstraße als Parkplatz genutzt.
Zurzeit wird die Fläche an der Ringstraße als Parkplatz genutzt. © Sven Ellger

Doch die Berliner haben weiter Interesse und jetzt offensichtlich nachgebessert. Was genau sie an ihrem Projekt verändert haben, wollen sie noch nicht mitteilen, erklärt Mitarbeiterin Kathrin Böttcher. An ihren Ursprungsplänen halten sie aber fest: Das Areal, welches jetzt als Parkplatz genutzt wird, soll mit einem Mittelklassehotel, in dem rund 200 Zimmer Platz finden, bebaut werden. Ein Entwurf des Leipziger Architektur-Büros KLM hatte einen Wettbewerb zur Gestaltung gewonnen.

Das Ergebnis gefiel nicht jedem und war einer der Gründe, warum es bisher zu keinem Grundstücksverkauf kam. Die SPD-Fraktion sieht das Vorhaben nach wie vor skeptisch. „Noch ein 08/15-Hotelbau, der ein geführtes Hotel schädigt, wollen wir nicht“, erklärt ihr finanzpolitischer Sprecher Thomas Blümel und meint das Gewandhaus-Hotel direkt dahinter, das durch einen Neubau zum Teil zugestellt werden würde. Blümel sähe lieber einen Park auf der stadtbildprägenden Fläche, in dem die historischen Festungsmauerreste aus dem 16. Jahrhundert integriert werden. Denn die wurden in den 1990er-Jahren bei archäologischen Grabungen entdeckt, stehen unter Denkmalschutz und müssen in ein mögliches Bauvorhaben eingebunden werden. Bisher hieß es immer, die alten Sandsteine könnten Teil einer Tiefgarage werden. Davon hält Blümel überhaupt nichts. Wie die Sozialdemokraten am Donnerstag abstimmen werden, haben sie am Dienstag bis in die Abendstunden auf ihrer Fraktionssitzung besprochen.

Auch die anderen Parteien trafen sich. Die CDU steht dem Grundstücksverkauf grundsätzlich offen gegenüber, sagt ihr baupolitischer Sprecher Gunter Thiele. „Man kann zwar trefflich darüber diskutieren, ob man noch ein Hotel in Dresden braucht. Wenn etwas anderes dort hinkäme, wären wir auch nicht böse.“ Baurechtlich habe man aber keine Handhabe, auf der Fläche etwas zu untersagen. Man könne nur beeinflussen, deshalb wurden ein Ziegeldach und die Einfahrt zur Tiefgarage auf der Südseite gefordert.

Diese Bedingungen wurden fraktionsübergreifend im Mai 2015 gestellt, als das Vorhaben im Bauausschuss noch keine Zustimmung erhielt. Jetzt wurde zwar vom Investor an einigen Schrauben gedreht, „das Vorhaben ist aber noch nicht zu Ende gedacht“, urteilt Tilo Wirtz, baupolitischer Sprecher der Linken. Er sieht nach wie vor Klärungsbedarf, deshalb wäre es ihm am liebsten, im Stadtrat nicht zu entscheiden und das Vorhaben stattdessen erst noch einmal im Bauausschuss zu besprechen.

Stimmt der Stadtrat doch für einen Grundstücksverkauf, erhält die Rathauskasse Zuwachs in Höhe von rund 2,4 Millionen Euro. Die Summe war eigentlich zum Stopfen eines 4,2-Millionen-Euro-Lochs für den Bau des Kraftwerkes Mitte vorgesehen. Doch Finanzbürgermeister Hartmut Vorjohann (CDU) hatte eine entsprechende Vorlage in der jüngsten Sitzung des Finanzausschusses zurückgezogen. Rot-Grün-Rot konterte mit einem Gegenvorschlag und will die Lücke mit Mehreinnahmen aus der Beherbergungssteuer schließen. Dazu tagt der Finanzausschuss in einer Sondersitzung direkt vorm Stadtrat.

Thomas Löser, baupolitischer Sprecher der Grünen, geht davon aus, dass der Vorschlag da angenommen wird. „Damit wäre für das Kraftwerk der Finanzierungszwang weggefallen, und es gibt aus meiner Sicht keine Eile mehr für die Ringstraße“, sagt er. Man könne die Entscheidung noch einmal zurückstellen, um sich weitere Informationen zum Vorhaben zu holen. „Im Umfeld vom Gewandhaus ist es nicht egal, was wir dorthin bauen.“