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340 Jahre und kein bisschen leise

Ursula Katharina von Teschen hatte am Mittwoch Geburtstag. Hoyerswerdas OB Torsten Ruban-Zeh empfing sie.

Oberbürgermeister Torsten Ruban–Zeh freut sich, dass Cornelia Schnippa als verkleidete Reichsfürstin den Part einer Botschafterin übernimmt, die Geschichte, Gegenwart und Zukunft miteinander vereint.
Oberbürgermeister Torsten Ruban–Zeh freut sich, dass Cornelia Schnippa als verkleidete Reichsfürstin den Part einer Botschafterin übernimmt, die Geschichte, Gegenwart und Zukunft miteinander vereint. © Foto: Silke Richter

Von Silke Richter

Hoyerswerda. Die Reichsfürstin selbst ist natürlich längst tot. Im Alter von 62 Jahren starb sie am 4. Mai 1743 in Dresden. Ihr Grab befindet sich in der Jesuitenkirche von Leitmeritz (Litomerice). Doch Darstellerin Cornelia Schnippa gibt die Teschen, der die Herrschaft Hoyerswerda einst gehörte und sie aufblühen ließ, schon seit Jahren. Und so sprachen wir zum Geburtstagsjubiläum mit ihr – nun ja, nicht so ganz ernst, versteht sich...

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Sie haben Geburtstag Gnädigste?

Gott zum Gruße edle Schreiberin! Wie wahr – am 25.11.1680 bin ich in Warschau geboren! Ich bin nun schon über drei Jahrzehnte alt. Genau genommen bin ich am heutigen Tag schon ganze 340 Jahre alt!

Herzlichen Glückwunsch! Sie haben sich, mit Verlaub gesagt, sehr gut gehalten. Das ist eine sehr stolze Zahl…

Es liegt wohl auch an meinem Willen, mich immer wieder mal in Hoyerswerda blicken zu lassen! Das hält mich jung und es erfreut mein Herz, dass die Bürger von Hoyerswerda mich nicht vergessen haben!

Warum fühlen Sie sich Hoyerswerda so stark verbunden?

Nach der Geburt unseres gemeinsamen Sohnes schenkte mir 1705 der Kurfürst von Sachsen die Herrschaft von Hoyerswerda, später erhielt ich noch einige Güter in der Oberlausitz. Meine Bemühungen, dass damalige Ackerbürger-Städtchen bekannter zu machen, habe ich erreicht! So steht über mich geschrieben: „Ihre 32 Jahre währende Herrschaft über Hoyerswerda gilt als sehr segensreich. Sie förderte das ansässige Handwerk und den Handel und berief mit Theophil Lessing, einem Onkel des Dichters der Ringparabel, einen klugen und fähigen Verwalter zum Amtmann der Stadt.“

Apropos August: Wo steckt Ihr Geliebter?

Das ist sehr schwierig! August der Starke gibt mir dieses doch nicht preis, wohin ihn sein Weg oder seine Schritte führen! Einen magisch sprechenden Knochen, den ihr lieben Leute von heute Handy nennt, haben wir nicht! So übe ich mich in Geduld und erwarte ihn sehnsüchtig. In einem Wirtshaus kann er ja wohl nicht verweilen, da alle Herbergen geschlossen sind und die Schergen überall hinschauen – das reut ihn sehr! Er beschaffet derweil weihnachtlichen Schmuck, reitet auf seinem Ross in Wald und Flur. Auch wenn derzeit frohlockende Feste nicht erlaubt sind, bei denen wir uns beim Gaudium konversieren könnten.

Wohl wahr. Das Unheil hat längst seinen Lauf genommen. Was vermag die Reichsfürstin ihrem Volk mit auf den Weg zu geben?

Schwere und Kummer hat unser Kurfürst, weil so manch einer im Volke von Ungemach geplagt ist! Heute nun bin ich hier, um zu vernehmen, wie es dem Volke in Hoyerswerda und Umgebung ergehet! So gebe uns Gott ein Kräuterlein, denn gegen jede Krankheit ist ein Kraut gewachsen. Die Sinne der Hildegard von Bingen wirkten auch in meiner Zeit! Teils absonderliche Dinge nehmt ihr in der Neuzeit ein und wollt eurem Leib damit gesunden lassen? Gedenket dem Wissen unserer Vorfahren! Allen wünsche ich so baldigst: So kommet wieder schnell zu Kräften!

Ein berauschendes Geburtstagsfest wird es nicht geben können. Planen Sie eine Alternative, Gnädigste?

Großen Dank dem neu im Amte tätigen Oberbürgermeister werten Herren Torsten Ruban-Zeh! Dank ihm weile ich zu meinem Geburtstag in Hoyerswerda und bin mit meinem 340 Lenzen in seinem hiesigen Audienzsaal willkommen geheißen worden. Natürlich mit Abstand – versteht sich! Mich grämt sehr und es ergreift mich Kummer, zur Christkindel-Zeit nicht mit dem löblichen und fleißigen Volke zuhauf meiner Gedenken zu können. Etwas werde ich dem Volk aber noch verraten: Sehr gern trinke ich Weinbeerblut, denn mir wurde stets gewahr und reuet mich auch nicht, trefflich steht geschrieben:

Wasser macht weise, fröhlich der Wein, drum trinke ich sie beide, um beides zu sein. Im ehrfürchtigen Glauben und Hoffen freue ich mich auf gleichen Mutes in aller Lande!

Möge wieder Wohlstand, Trubel und Heiterkeit im Sachsenlande einkehren – mir und unserem Kurfürsten würde es das Herz erfreuen! Liebes Volk – gehabt Euch wohl und lebet im Gottvertrauen!

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