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360 Prozent Wertsteigerung für Abriss-Grundstücke in Hoyerswerdas WK IX

Bei einer Auktion wurde die städtische Wohnungsgesellschaft als ehemalige Eigentümerin der Flächen überboten.

Im Paket der in Rede stehenden
Grundstücke
befand sich auch die Fläche gegenüber dem Ärztehaus, die bis 2005 bebaut war.
Im Paket der in Rede stehenden Grundstücke befand sich auch die Fläche gegenüber dem Ärztehaus, die bis 2005 bebaut war. © Foto: Uwe Schulz

Hoyerswerda. Gut viereinhalb Jahre ist es her, da stellte der damalige Chef der örtlichen Arbeiterwohlfahrt, Torsten Ruban-Zeh Erweiterungspläne für die Awo-Aktivitäten im WK IX vor. Zum einen ging es um das inzwischen eröffnete Medi-Care-Zentrum, zum anderen um einen Funktionsbau mit Physiotherapie, Sportraum sowie Schwimm- und Bewegungsbecken auf der anderen Straßenseite. Das Rathaus machte Ruban-Zeh einen Strich durch die Rechnung. Die Stadtverwaltung war mit Verweis auf gültige Stadtentwicklungspläne dagegen, die 2005 und 2006 durch Abriss an der Thomas-Müntzer-Straße entstanden Freiflächen wieder bebauen zu lassen.

Jüngst gerieten auch sie wieder in den Fokus des ehemaligen Eigentümers. Die städtische Wohnungsgesellschaft (WH) hat im Dezember bei einer Auktion der Deutschen Grundstücksauktionen AG versucht, nicht ganz vier Hektar Fläche zu ersteigern, die im Auktionskatalog als „unbebaute Grundstücke, bestehend aus 19 teilweise zusammenliegenden Flurstücken, überwiegend Grünflächen mit lokalem Strauch- und Baumbewuchs“ beschrieben waren. Der Versuch scheiterte jedoch.

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Lange schien es so, als wäre den in Hoyerswerdas WK IX in den zurückliegenden Jahren entstandenen Brachen nicht unbedingt ein Schicksal als „Filetgrundstücke“ beschieden. Nach dem Abriss unter anderem jener Blöcke an der Müntzerstraße, die im Herbst 1991 wegen der Übergriffe auf hier untergebrachte Asylbewerber für kurze Zeit weltweite Bekanntheit erlangten, dauerte es nicht lange, bis die Wohnungsgesellschaft eine wenig spektakuläre Verwendung gefunden hatte. Die Gemeinde Boxberg suchte 2008 Flächen, die sie als Ersatz für Abholzungen zwecks Entwicklung am Bärwalder See mit Bäumen bepflanzen konnte. Die Variante Aufforstung war im Jahr zuvor in Hoyerswerda in Mode gekommen, als auf dem Abriss-Areal an der Merzdorfer Straße im WK VIII Bäume in die Erde gesetzt wurden. Und so schlossen die Wohnungsgesellschaft sowie die Gemeinde Boxberg einen Vertrag über die Aufforstung von 2,75 Hektar Fläche. Auf diese Art und Weise kamen schließlich Bäume auch an die Thomas-Müntzer-Straße. Ein paar Jahre später trennte sich das städtische Unternehmen von solchen Arealen. Waldbau, so hieß es zur Begründung, gehöre schließlich nicht unbedingt zum Kerngeschäft eines kommunalen Wohnungsvermieters. Andererseits kamen parallel bei manchen eben Fragen auf, ob an so einer zentralen Straße in Richtung Einkaufszentrum Cottbuser Tor, Bowling-Center, Berufsschulzentrum und Seniorenheim Laurentiushaus sowie in deren näherem Umfeld nun wirklich unbedingt Wald wachsen muss.

Diese Haltung scheint sich offenbar langsam durchzusetzen. „Unsere Wohnungsgesellschaft hatte noch keine konkreten Pläne für die Grundstücke. Für uns wäre es eine Reservefläche für spätere Entwicklungen gewesen“, sagt jedenfalls WH-Sprecher Christian Frank. Womöglich spekuliert darauf nun auch der neue Eigentümer, der öffentlich nicht bekannt ist. Lag das Mindestgebot bei 5.000 Euro und damit etwa jener Summe, die die WH einst beim Verkauf bekommen hatte, landete man im Dezember letztlich bei 23.000 Euro – eine Wertsteigerung um 360 Prozent.

Torsten Ruban-Zeh, inzwischen Stadtoberhaupt, findet das Auktionsergebnis wenig tragisch. Ohne Zustimmung der Stadt, sagt er, sei ohnehin nichts möglich.

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