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„Bis heute verstehen wir diese Welt nicht mehr“

Zeitzeuge David Macou war zum Austausch in Hoyerswerdaer Schulen unterwegs.

Schulleiterin Romy Stötzner (l.) bedankt sich für den Besuch von David Macou.
Schulleiterin Romy Stötzner (l.) bedankt sich für den Besuch von David Macou. © Foto: Juliane Mietzsch

Hoyerswerda. Besonders die Gespräche mit Zeitzeugen hat Eric Doering als sehr spannend empfunden, als er mit einigen Mitschülern in einer Projektgruppe zum Thema „Gegen das Vergessen – Hoyerswerda ’91“ gearbeitet hat. 17 Schülerinnen und Schüler des Léon-Foucault-Gymnasiums waren beteiligt und konnten am letzten Donnerstag eine entsprechende Ausstellung präsentieren. Sie wird bis zum Ende des Monats im Schulhaus zu sehen sein. Das Ganze fand im Rahmen einer Buchlesung mit Grit Lemke statt, die auch als Zeitzeuge für die Schüler fungierte, Materialien und Informationen lieferte. Die Autorin stellte ihr Buch „Kinder von Hoy“ vor.

Jetzt schloss sich am Montag dieser Woche für die Schülerschaft ein Gespräch mit dem ehemaligen Vertragsarbeiter David Macou an, der von 1979 bis 1991 in Hoyerswerda lebte. Im Rahmen des Gedenkwochenendes war der Mosambikaner in der Stadt zu Gast. Das ermöglichte auch den Besuch und den Austausch in anderen weiterführenden Schulen. Zuletzt war David Macou am Dienstag in der Oberschule, um von seinen Erfahrungen, seinem Schicksal und den Folgen bis heute zu berichten.

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Einführende Worte gab es von Sabine Proksch, Mitarbeiterin der KulturFabrik, und Torsten Hanf, Vertreter der Volkshochschule, die beide an der Organisation des Wochenendes beteiligt waren. Sie erzählen von einem langen Bangen, bis klar war, dass David Macou anreisen, somit der Einladung folgen, konnte. „Wir müssen über unsere Geschichte Bescheid wissen, um eine Zukunft zu haben“, betont Sabine Proksch die Notwendigkeit einer Auseinandersetzung mit den Angriffen auf Vertragsarbeiter und Asylbewerber im September ’91 in Hoyerswerda.

Als Grundlage des Gespräches dienen Auszüge aus „Kinder von Hoy“ – Passagen, in denen David Macou zur Wort kommt, liest er den Schülern vor und ergänzt. Es kommt dabei zur Sprache, mit welchen Erwartungen er und andere Menschen aus Mosambik in die DDR kamen, hier aufgenommen wurden, in welchen Verhältnissen sie lebten und wie es endete. Mit der Wende kamen der Bruch und die Entlassungen. Knapp die Hälfte der Mosambikaner war nicht mehr im Wohnheim, auch die Solidarität der Mitbürger war scheinbar verschwunden. Im Oktober ’91 verließ David Macou die Stadt gen Maputo. Er schildert, in Mosambik und in Deutschland Krieg erlebt zu haben. „Bis heute verstehen wir diese Welt nicht mehr.“ Er spricht für all die Madgermanes, die damals ausgewiesen wurden und bis heute auf einen erheblichen Teil ihres Lohnes aus dieser Zeit warten. Mit der Rückkehr in die Heimat sollte eine Auszahlung erfolgen, die Grundlage für ein neues Leben sein sollte. „Für uns ist das neu und so erschütternd“, drückt es Sabine Proksch aus. Seit 30 Jahren ist es ein mühseliger Kraftakt – besonders für die Geschädigten – auf einen Ausgleich zu hoffen, Gerechtigkeit zu erfahren.

Eric Doering sieht indessen in dem aufgearbeiteten Material das Potenzial, weiter zur Aufklärung beizutragen und die ganze Thematik zugänglicher und geläufiger zu machen. „Man muss schon selber wollen“, erklärt er allerdings auch die intrinsische Motivation. Er schätzt die tiefgründige Recherche, die geleistet wurde und die neuen Erkenntnisse über seine Heimat.

Nun nimmt David Macou mindestens einen Gruß und viele Eindrücke mit. Er kann hier auf weitere Unterstützung setzen, wie bekräftigt wurde.

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