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Damit in der Schule niemand abgehängt wird

Der Lockdown hat seine Spuren bei Schülern hinterlassen. Nun geht es ums Erkennen und Nachholen von Rückständen.

Es braucht nur eine halbe Stunde, um per Online-Diagnose zu erfahren, welchen Leistungsstand die Schüler in den Kernfächern haben.
Es braucht nur eine halbe Stunde, um per Online-Diagnose zu erfahren, welchen Leistungsstand die Schüler in den Kernfächern haben. © Archivfoto: Gernot Menzel

Hoyerswerda. Gerade ist große Pause, als die Lehrer die Erfahrungen ihrer ersten Tage im neuen Schuljahr austauschen. Es ging zunächst etwas unruhig zu, aber die Aufregung hat sich schnell wieder gelegt, sind sich alle einig. Scheinbar müssen sich Schüler- und Lehrerschaft erst wieder an den Alltag gewöhnen – die Stimmung wird als herzlich beschrieben. Besonders die Freude auf die erste Fahrt ist schon da.

Als im vergangenen Schuljahr die Schülerinnen und Schüler wieder in voller Stärke in die Klassenzimmer zurückkehrten, war es wichtig, alles wieder in geregelte Bahnen zu führen. Die Kinder sind unterschiedlich gut mit der Lernzeit zu Hause klargekommen, hat die Erfahrung gezeigt. Der Wechselunterricht wiederum hatte auch seine Vor- und Nachteile.

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Aufgeblüht oder abgefallen?

Das Léon-Foucault-Gymnasium Hoyerswerda hat verschiedene kleine Maßnahmen auf den Weg gebracht, um wieder gute Grundlagen für ein gemeinsames Lernen zu schaffen. So wurden noch im letzten Schuljahr Wandertage durchgeführt, damit sich die Klassen „wieder finden“, wie es der Schulleiter ausdrückt. Und das, so Uwe Blazejczyk weiter, habe wirklich zu einer Beruhigung geführt. Weiterhin verbirgt sich hinter einer „Lernstandsanalyse“ das Abfragen der vermittelten Inhalte – freilich ohne Bewertung. Mit diesen Eindrücken wurden pro Fach und Klasse regelrechte Übergabeprotokolle gefertigt, die an die neuen Fachlehrer gingen. Es ging darum, herauszufinden, welche Grundlagen da sind. „Einige Schüler sind in der Heimzeit aufgeblüht, andere hingegen abgefallen“, erklärt der Schulleiter die Unterschiede und den Bedarf, genauer hinzuschauen.

Ebenso individuell wird nun vorgegangen. Der Westermann-Verlag hat dazu ein Online-Tool entwickelt, das ermöglicht, individuelle Diagnosen zu erstellen. Gleich in der ersten Schulwoche gab es eine entsprechende Einführung. Deutschlehrerin Anett Dannenberg erklärt, dass so Themenbereiche für die ganze Klasse ausgemacht werden können oder eine gezielte Einzelförderung nötig ist. Die Online-Diagnose steht für die Kernfächer Deutsch, Mathe und Englisch bereit. Im Anschluss stellt das Programm eine systemische Auswertung für die einzelnen Schüler bereit. Sogar ein personalisierter Elternbrief kann anschließend erzeugt werden, weiß Klassenlehrerin Anne Hentschel.

Nun werden parallel noch die Möglichkeiten geprüft, die das vom Bund aufgelegte Aktionsprogramm „Aufholen nach Corona“ bietet, was langfristige Folgen der Pandemie für Kinder vermeiden soll. In diesem Zusammenhang ist beispielsweise eine Zusammenarbeit mit der hauseigenen Schülerfirma Help4U (dt.: Hilfe für dich) denkbar, wobei ältere Schüler Nachhilfe geben. Das ist sowieso die Zielstellung dieses Angebotes, was der Schulleiter bereits als „etabliertes Format“ einschätzt. Noch vor den Herbstferien sollen hier die ersten Unterstützungen realisiert werden.

Neues Jahr, neue Tablets

Uwe Blazejczyk schätzt, dass 80 bis 85 Prozent des Stoffes im letzten Jahr geschafft wurden. Da sei Schülern und Lehrern die digitale und technische Ausstattung zugutegekommen. So wurde auch der neue Jahrgang nun wieder mit Tablets ausgestattet, die sowohl Lern- und Übungsprogramme, wie auch Lehrbücher enthalten.

Seit mehreren Jahren ist wöchentlich eine sogenannte Lernstunde fest im Stundenplan verankert. Das bietet Raum für das Erledigen von Hausaufgaben, Lernen in Gruppen oder, dass Lehrer individuell reagieren können. Beratungslehrerin Kristin Partusch hat bemerkt, dass dadurch auch das soziale Miteinander im Klassenverband geschult wird. „Wir müssen Schule als Lebensort begreifen“, betont Uwe Blazejczyk und sagt weiterhin, dass dazugehört, gerne hier zu sein. Das habe er in den ersten Tagen beobachten können.

So ist das Kunstlager an der Ostsee des neuen Leistungskurses ein erstes Highlight, das Gemeinschaft bedeutet und ein intensives Arbeiten ermöglicht. „Wir freuen uns genau darauf: gemeinsamen Raum und Zeit“, so Kristin Partusch.

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