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Das ist erst der Anfang im Seenland

Touristen ballen sich an wenigen Stellen. Der Verkehrsinfarkt ist teils hausgemacht. Doch was tun mit den idyllesuchendenCamper-Fahrern?

Am Partwitzer See wird wie im vergangenen Jahr der bestehende befestigte Parkplatz um eine Wiese erweitert. Dahinter schließt sich eine neue Camper-Stellfläche an - allesamt kostenpflichtig, derzeit aber noch abgesperrt.
Am Partwitzer See wird wie im vergangenen Jahr der bestehende befestigte Parkplatz um eine Wiese erweitert. Dahinter schließt sich eine neue Camper-Stellfläche an - allesamt kostenpflichtig, derzeit aber noch abgesperrt. © Foto: Uwe Schulz

Elsterheide. Dem Lausitzer Seenland steht ein aberwitziger Sommer bevor. Schon im letzten Jahr war zu spüren: Wenn das Wetter stimmt, werden die für Baden und Wassersport freigegebenen Seen, die dort befindlichen Ortschaften und die dahin führenden Straßen förmlich überrannt. Das Lausitzer Seenland mag groß sein. Doch für Erfrischung Suchende kommen nicht viele Gewässer in Frage. Bärwalder See, Dreiweiberner See und der gute alte Silbersee sind im Südosten beliebt, in der nordwestlichen Seenkette taugen derzeit nur Senftenberger, Geierswalder und Partwitzer See für Badehungrige.

In diesem Jahr zeigte das zweite April-Wochenende mit viel Sonne und über 20 Grad: Tagesausflügler bzw. Wochenend-Gäste füllten gerade an den letztgenannten Seen im Handumdrehen alle Stellplatzkapazitäten. Und wir reden noch nicht einmal über Ferien oder lange Wochenenden wie Himmelfahrt oder Pfingsten.

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Es gab surreale Bilder von mit Flatterband und Schildern abgesperrten leeren Campingplätzen, derweil davor die Fahrzeuge dicht an dicht parkten. An den glücklicherweise geöffneten Imbiss-Wagen wechselten Waren gegen Euros den Besitzer. Doch die abgesperrten Sitzgruppen und Bänke blieben coronavorschriftsmäßig leer und bildeten so an einigen Touri-Hotspots, wie dem Rostigen Nagel, Inseln im Meer der sehr chillig mit Abstand auf dem Boden sitzenden Gäste.

Haben wir uns im Seenlandland nicht immer den Touristenansturm gewünscht? Ja klar – als Wirtschaftsfaktor und Einnahmequelle. Deswegen wird in Ferienwohnungen und Campingplätze investiert, werden Angebote geschaffen. Und dann fehlen an den Seen deutlich sichtbare Hunderte von Pkw-Stellplätzen. Denn Tagestouristen reisen mit dem Auto an, packen die Badeutensilien, die Skater aus, laden die mitgebrachten Fahrräder ab. Wer Urlaubsregion sein will, der muss damit rechnen, dass Touristen kommen und es dann auch im Straßenverkehr anders wird. Fragen Sie mal in der Saison die Bewohner von Rügen, Usedom oder in der Normandie. Also was tun?

Behelfsparkplätze für die Hauptsaison wie am Partwitzer See oder am Dreiweiberner See auf der grünen Wiese auszuweisen ist ein Mittel. In Partwitz wurden sie jetzt nochmals erweitert. Und dann könnte das nächste Problem die einzige Zufahrt sein. Kleine Verkehrsinfarkte waren im letzten Jahr an heißen Wochenenden zu beobachten – Staus wie auf der An- und Abreise bei Live-Konzerten, vor allem, wenn Pfiffige am Fahrbahnrand parken.

Wie beim Bau der Hoyerswerdaer Neustadt niemand damit rechnen konnte, dass eine Zeit kommen würde, da praktisch jeder Haushalt mindestens ein Auto besitzen würde und das auch unweit der Wohnungen parken würde wollen, so war auch vor einigen Jahren nicht absehbar, dass die Zahl der Wohnmobile und der zu Campern ausgebauten Kastenwagen derart zunehmen würde. Und selbst wer das prophezeite, der hatte coronabedingte Reisebeschränkungen nicht auf dem Schirm, die plötzlich dazu führen, dass Millionen Deutsche ihren Urlaub im eigenen Land verbringen würden. Sie meiden jetzt zudem den in der Fläche eher unattraktiven ÖPNV noch mehr, da in den Bussen und Bahnen Masken zu tragen sind.

Und etliche Gäste wollen gar kein Geld ausgeben oder nur so viel wie gerade nötig. Städter suchen ein möglichst schönes Naturerlebnis. Fahrer von Wohnmobilen oder Schlaf-Transportern müssen nicht auf einen kostenpflichtigen Stellplatz. Denn zur Wiedererlangung der Fahrtüchtigkeit darf man vereinfacht ausgedrückt auch in seinem Fahrzeug schlafen – eine Nacht an der selben Stelle.

Viele Camper wollen dabei aber nicht auf einem Parkplatz neben einem Hochhaus stehen, sondern wie in der Werbung möglichst allein in herrlicher Landschaft mit Blick auf Wasser und Sonnenuntergang. Und weil das so ist, Navigationssysteme jeden Pfad anzeigen, werden Wirtschaftswege und alle anderen Zuwegungen im Seenland auch befahren.

Von Verkehrszeichen lassen sich etliche Camper nicht abhalten. Und am Freitag nach 18 Uhr werden die Politessen ja wohl im Wochenende sein. Ich denke, da sollte man in den betreffenden Kommunen noch mal schauen, wo man wann den Vollzugsdienst wirklich einsetzt. Privatleute werden ihre Flächen konsequenter gegen Wildparker sichern, Waldbesitzer die Zufahrten. Die LMBV hat es 2020 am Scheibe-See getan.

Und nun? Die abendlichen Lagerfeuer auf der Halbinsel im Partwitzer See, die Rettungsaktion von mehreren Dresdnern von einer der extrem rutschungsgefährdeten Inseln im Speicherbecken Lohsa II und die möglichst bis zur Wolfshöhle vorfahrenden Expeditionsmobile von Naturfotografen (Nein, ich meine nicht die Profis) am Ex-Geheimtipp Beobachtungsstand Bergener See sind erste Auswüchse – aber sie sind ganz gewiss erst der Anfang. Und die nächste Camperwelle und Autokarawane – sie kommt bestimmt.

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