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Hoyerswerda

Das Seltene und Schöne in der Heimat

Die sorbisch-deutsche Poetin Róža Domašcyna war zu Gast beim Kunstverein im Schloss.

Roza Domascyna bei der Lesung im Schloss.
Roza Domascyna bei der Lesung im Schloss. © Foto: Katrin Demczenko

Von Katrin Demczenko

Hoyerswerda. Was liegt „in der Zeit hinter der Zeit“? Solche Fragen stellen nur Schriftsteller, und in ihren Werken versuchen sie, Antworten darauf zu finden. Die sorbisch-deutsche Poetin Róža Domašcyna hat dem Thema ihren Gedichtband „W času zeza časa“ („In der Zeit hinter der Zeit“) gewidmet und bezieht in dieses Nachdenken gern Zuhörer ein. Das ist dieser Tage bei der Lesung geschehen, die der Hoyerswerdaer Kunstverein im Schloss organisiert hat.

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Zeit wird sichtbar in Metamorphosen, macht Róža Domašcyna deutlich. Sie spricht in ihrer ureigenen poetischen Weise über Tulpen, die im Frühjahr aus der Mutterzwiebel heranwachsen, Blüten in wunderschönen Farben öffnen und bis zum Herbst Tochterzwiebeln bilden, die im nächsten Jahr blühen werden.

In sorbischen und deutschen Worten malt die Dichterin fantasievolle Bilder der Natur, des Lausitzer Lebens und der Landschaft, wobei in dem Buch keine direkten Übersetzungen vorkommen. Eine Idee entwickelt sich in der jeweiligen Sprache anders, erklärt Róža Domašcyna. Das liegt an den unterschiedlichen Möglichkeiten, die sie dem Schriftsteller bieten.

Wenn die Dichterin von Łućo (Merzdorf) und Gižkojce (Geisendorf) erzählt, erinnert sie gleichzeitig an alle Dörfer, die dem Braunkohlebergbau zum Opfer gefallen sind. Sie rettet diese Ortsnamen vor dem Vergessen, denn ihre sorbische Muttersprache ist ihr eine unverzichtbare Basis für die Arbeit. „Sichtbar ist, was zu sehen verstanden wird“, sagt Róža Domašcyna und spricht von der Talsperre Bautzen. Als diese riesige Wasserfläche geschaffen wurde, musste ebenfalls ein Ort weichen, der jetzt wegen Bauarbeiten vom Grund des Sees heraufscheint wie das sagenhafte Vineta. Mit Worten wie „ein Zaunfeld, Korsett, das nichts zusammenhält“ und „die Einfahrt, zerbröselt“ lässt die Dichterin poetisch den Alltag der Menschen aus ferner Vergangenheit auferstehen. Sie halten sich hartnäckig, die „Stimmen aus der Unterbühne“, weiß Róža Domašcyna, und deshalb trägt ihr im Jahr 2020 erschienener Lyrikband diesen Namen.

Sie zeigt genau beobachtend, wie Vergangenheit und Gegenwart in der Lausitz zusammengehören, wie sich das Tun von Gestern auf das Heute auswirkt. Die Zuhörerin Brigitte Schramm hat der Dichterin gedankt „für ihren klaren und scharfen Blick auf alles Seltene und Schöne in unserer Heimat“.

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