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„Die Besten vom Rest der Welt“

In Hoyerswerda wurden örtliche Teilnehmer der jüngsten Sportakrobatik-WM gewürdigt – darunter zwei Vizemeister.

Die beiden
Vizeweltmeister
Pia Schütze und Daniel Blintsov durften sich im Rathaus ins
Goldene Buch der Stadt eintragen – als erste Sportler seit 2003.
Die beiden Vizeweltmeister Pia Schütze und Daniel Blintsov durften sich im Rathaus ins Goldene Buch der Stadt eintragen – als erste Sportler seit 2003. © Foto: Gernot Menzel

Hoyerswerda. Wie hatte Sportakrobatin Pia Schütze vom SC Hoyerswerda vor Antritt der Reise zur Weltmeisterschaft in die Schweiz so schön gesagt? „Das Wichtigste ist, die Nerven zu behalten.“ Das scheint geklappt zu haben, wie Platz zwei belegt. Und jetzt sind die 16-Jährige sowie ihr Akrobatik-Partner Daniel Blintsov vom SC Riesa, der Sohn des Bundestrainers, die ersten Sportler seit sage und schreibe 18 Jahren mit einem Eintrag ins Goldene Buch der Stadt Hoyerswerda. Der bisher letzte war 2003 der kanadische Rennfahrer Alex Tagliani.

Nun ist das Goldene Buch mit seiner Lederhülle ebenso wenig golden, wie die Silbermedaille aus Genf silbern ist. Die dortigen Veranstalter haben stattdessen auf edles Glas zurückgegriffen. Allerdings sollte es für die beiden Vizeweltmeister am vergangenen Freitag doch noch Edelmetall geben – oder veredeltes Metall. Denn Lars Bauer vom Kreissportbund Bautzen überbrachte zwei Exemplare der Goldenen Ehrenmedaille des Sportbundes „für herausragende sportliche Leistungen“.

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Es gab am Freitag einen wahren Reigen an Würdigungen für alle fünf Formationen aus Hoyerswerda beziehungsweise mit Hoyerswerdaer Beteiligung, die in Genf am Start sein durften – so viele wie noch nie zuvor bei einer WM. Oberbürgermeister Torsten Ruban-Zeh (SPD) hatte Athletinnen und Athleten sowie das Trainerteam zum Empfang ins Rathaus eingeladen. Präsente gab es dabei nicht nur von der Stadt und vom Kreissportbund, sondern auch vom örtlichen Sportbund Lausitzer Seenland sowie von den Versorgungsbetrieben.

Die hiesige Delegation vor der Abreise – auf Bitten des Fotografen herumalbernd...
Die hiesige Delegation vor der Abreise – auf Bitten des Fotografen herumalbernd... © Foto: Gernot Menzel

Kooperation im Leistungszentrum

Immerhin: Abgesehen vom Vizeweltmeistertitel stehen drei weitere Final-Einzüge in der Bilanz. Die Gruppe mit Tara Engler, Tia Gaszi und Henriette Gille erreichte ebenso Platz sieben wie die Paare Josie Jando und Liora Ebnet sowie Selima Wardin und Florian Borcea-Pfitzmann (Dresdener SC). „Das ist wirklich eine Klasseleistung für die hiesigen Trainingsbedingungen“, lobte der Rathauschef, der zuletzt nicht nur SC-Präsident war, sondern auch noch eine kleine Sportakrobatin zur Tochter hat.

SC-Trainer Sergej Jeriomkin hatte einen hübschen Vergleich mit dem Eishockey parat: Es gewännen immer dieselben fünf Nationen. Alle anderen könnten nur noch die Ränge ab Platz sechs unter sich ausmachen. So ähnlich sei das in der Sportakrobatik: „Da kämpft der Rest der ganzen Welt um Platz sieben oder acht. Wir sind die Besten vom Rest der Welt.“ Torsten Ruban-Zeh prägte das Wort „kleine Weltmeister“.

Ein klein wenig enttäuscht war nur Alexander Minevsky, der mit seiner Akrobatik-Partnerin Greta Drost 14. wurde. „Wir waren vielleicht nicht so zu 100 Prozent auf unserem Niveau“, so der 14-Jährige. Es habe leider nicht alles so geklappt, wie erhofft. Aber: Erstens hatte Greta noch vor ein paar Wochen an einer Verletzung zu laborieren, und zweitens hatte Alexander schon vor der Abreise eine sehr richtige Einordnung vorgenommen: „Man ist ja schon stolz, wenn man überhaupt für eine Weltmeisterschaft qualifiziert ist.“

Bundestrainer Igor Blintsov zeigte sich jedenfalls „mehr als zufrieden“. Und der Oberbürgermeister regte in der Euphorie an, mal wieder eine Deutsche Meisterschaft in Hoyerswerda auszurichten. Er verwies auch auf die Rolle der Stadt als Leistungszentrum sowie auf die zunehmende Kooperation. So ist Selima Wardin tatsächlich vom BC Eintracht Leipzig nach Hoyerswerda gewechselt, ihr Akrobatik-Partner hier ist mit Florian Borcea-Pfitzmann ein Dresdener. Liora Ebnet kommt aus ihrer Heimatstadt Kamenz zum Training nach Hoyerswerda. Andererseits trainiert Vizeweltmeisterin Pia Schütze unter den Augen des Bundestrainers in Riesa.

...und nach der Wiederkehr: Namens der VBH gratulierte Aufsichtsrats-Chef Uwe Blazejczyk.
...und nach der Wiederkehr: Namens der VBH gratulierte Aufsichtsrats-Chef Uwe Blazejczyk. © Foto: Gernot Menzel

In Kürze zur EM

„Wir werden auch in Zukunft mehr über den Tellerrand schauen müssen, um Spitzenpaare zusammenführen zu können“, ist Torsten Ruban-Zeh überzeugt. Zu einem Teil hat das mit der internationalen Leistungsdichte zu tun, zum anderen Teil mit der Demografie: Wo es insgesamt weniger Kinder und Jugendliche gibt, ist gleichzeitig die Auswahl kleiner. Und für die Mädchen und Jungen stehen ja auch noch viele andere Sportarten offen.

Die Titelkämpfe in Genf – nachgeholt aus dem Jahr 2020 – fanden übrigens unter strengsten Anti-Covid-Auflagen statt. Viele Begegnungen außerhalb der Delegationen gab es daher nicht, das Publikum am Mattenrand war mehr als verstreut. Die Hoffnung ist, dass es bei der Europameisterschaft im September anders ist. Der Bundestrainer deutete an, dass auch sie mit Hoyerswerdaer Beteiligung stattfinden wird.

Drei Fragen an Pia Schütze

Pia, welche Frage ist Dir in den letzten Tagen am häufigsten gestellt worden?

Wie es war und ob wir stolz sind. Und wir sind natürlich auf jeden Fall zufrieden mit diesem Ergebnis. Das war definitiv mehr, als wir erwartet haben.

Was ist für Dich schöner: wie früher mit Gina Lee Nickler als Damen-Paar zu turnen oder wie jetzt mit Daniel Blintsov?

Das kann man gar nicht so sagen. Ich hatte oder habe mit beiden viel Spaß und ich bin mit Gina auch noch supergut befreundet. Die Elemente und die Choreographie sind halt anders. Mit einem Mixed-Paar muss man schon eher eine Geschichte auf die Matte bringen.

Und nun geht es in Richtung EM im September in Italien?

Ja, es wird weiter trainiert. Davor haben wir aber noch als Ziel den Weltcup in Russland. Daran wollen wir auch teilnehmen.

Fragen: Mirko Kolodziej

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