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Die Frau von der Modekiste

Monika Mehrfort modelte in den 1970er-Jahren in Hoyerswerda. Im Fotoalbum hat sie die Zeit festgehalten.

Monika Mehrfort mit ihrem Fotoalbum. Sie ist die Frau auf der Modekiste – zu sehen auf dem Bild in dem Zeitungsartikel von 1976.
Monika Mehrfort mit ihrem Fotoalbum. Sie ist die Frau auf der Modekiste – zu sehen auf dem Bild in dem Zeitungsartikel von 1976. © Foto: Uwe Schulz

Hoyerswerda. Als Monika Mehrfort am Montag vergangener Woche das TAGEBLATT aufschlug, sah sie sich plötzlich selbst – auf einem Bild, vor 45 Jahren von Zeitungsfotografin Gudrun Kubenz aufgenommen. Sofort setzte das Kopfkino ein, kamen Erinnerungen hoch. In Monika Mehrforts Fotoalbum befinden sich der dazugehörige Artikel und weitere Bilder von der Freiluftmodenschau direkt neben dem Centrum-Warenhaus. Umgehend schickte sie eine Mail an TAGEBLATT: „Ich bin das Mädel auf der Modekiste, inzwischen 66 Jahre alt.“ Ein paar Mails, eine Verabredung und zwei Tage später sitzt Monika Mehrfort mit ihrem Fotoalbum in der Redaktion, keine 100 Meter von der Stelle entfernt, wo die Aufnahme im Mai 1976 entstand.

Das Zeitungsbild dokumentiert den Beginn einer Ära. „Wir haben damals die getanzte Modenschau hier erfunden“, erinnert sich Monika Mehrfort. Das ist vor allem ein Verdienst von Barbara Zenker. Sie war seit der Eröffnung des Centrum-Warenhauses am 28. Juni 1968 nicht nur fast zwei Jahrzehnte lang die Stimme des Kaufhaus-Betriebs- und Hausfunks, sondern organisierte auch Modenschauen und moderierte sie.

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Zum Schluss das Abba-Medley

Monika Mehrfort, gebürtig in Knappenrode, lernte bei der PGH (Produktionsgenossenschaft des Handwerks) „Figaro“ in der Senftenberger Straße 9 den Beruf der Kosmetikerin. Im zweiten Lehrjahr wurde die damalige Leiterin des Kaufhauses „Magnet“ am Markt auf sie aufmerksam und fortan modelte sie „für Frau Höhne“, dann für Barbara Zenker. Und dann kam da die Idee mit der Modekiste – eine bemalte Truhe, in der sich Accessoires befanden. Mehrere weibliche und zwei männliche Models bildeten das Modenschau-Team. Es wurde eine richtige Choreographie erarbeitet mit der zu den einzelnen thematischen Blöcken passenden Musik. So gab es unter anderem einen Komplex Sport, einen zum Thema Mantel oder Hose, einen für Bade- und Freizeitmode. Zu „Itsy Bitsy Teeny Weenie Honolulu Strandbikini“ wurde dann also die aktuelle Bademode gezeigt und zu „Ich geh nur in Hosen“ eben die Hosen. Dazwischen Twist und am Ende ein Abba-Medley. Die 16 Titel wurden voll ausgespielt. Umgezogen wurde rasant hinter einem Sichtschutz - die ausgezogenen Sachen fielen einfach auf ein ausgelegtes großes Tuch. Sortiert wurde hinterher. Und die genannte Kiste wurde eben in die Choreographie einbezogen. Das machte den Models Spaß und dem Publikum gefiel es. Anfangs war es Freizeitbeschäftigung, später gab es auch ein paar Mark pro Auftritt. „Die Schuhe, die wir getragen haben, die waren immer privat gekauft“, erinnert sich Monika Mehrfort. Die auf dem Bild hatte sie aus Polen. Schmuck und Haarspray musste ebenfalls selbst gekauft werden. Die präsentierten Sachen hingegen stammten vom Centrum-Warenhaus, vor allem aus dem Bereich Jugendmode. Nun war es so, dass es sich dabei zwar um ganz reguläre Ware handelte, von den attraktivsten Teilen aber nur fünf oder auch mal zehn Teile geliefert wurden. Monika Mehrfort weiß, dass da etliches eben nur unter der Hand zu erwerben war. Die Models durften beispielsweise die Sachen nicht behalten, hatten aber durchaus hin und wieder die Chance, eines der Teile dann privat erwerben zu können. Andere mussten dafür beispielsweise nach Berlin fahren oder gingen leer aus. Und dabei genoss Hoyerswerda, insbesondere das Centrum, weit über die Grenzen des damaligen Kreises Hoyerswerda hinaus den berechtigten Ruf, dass es hier Bekleidung zu kaufen gab, die es anderswo in der DDR gar nicht in die Läden schaffte.

Monika Mehrfort beim Auftritt in Leipzig im Rahmen der Messe der Meister von Morgen.
Monika Mehrfort beim Auftritt in Leipzig im Rahmen der Messe der Meister von Morgen. © Foto: privat

Messe-Attraktion

Die „Modekisten“-Show lief jedenfalls richtig gut. Sie wurde für Betriebsfeiern gebucht, im Sommer an den Stränden von Knappensee und Senftenberger See gezeigt. Auch in die Bezirksstadt Cottbus wurden die jungen modeinteressierten Laienmodels eingeladen.

Monika Mehrfort erinnert sich dann noch an einen ganz besonderen Auftritt in Leipzig. Dort war die getanzte Modenschau mit der Modekiste in einem Jahr das Exponat des Kreises Hoyerswerda bei der Messe der Meister von Morgen, kurz MMM. Gemodelt hat Monika Mehrfort bis Ende der 1980er-Jahre. Es gab Nachtwäschemodenschauen ebenso wie Oldie-Modenschauen oder die mit Blaudrucksachen. Moderiert hat sie teilweise auch. Modebewusst ist sie geblieben, Modeln ist aber längst nicht mehr. Beruflich hatte sich Monika Mehrfort übrigens 1992 als Kosmetikerin selbstständig gemacht. Und das ist sie bis heute geblieben.

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