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PLUS Hoyerswerda

Drei Jahrzehnte Erfolgsgeschichte – mit Fortsetzungs-Garantie

Am 23. Februar feiert der 1. Sportverein Leichtathletik Hoyerswerda sein 30-jähriges Bestehen – zwischen lockerem Miteinander und Spitzenleistungen.

Als Landeskader hat Luca Sommer vom 1. SVLA Hoyerswerda das Privileg, einmal pro Woche kostenpflichtig am Bundesstützpunkt in Cottbus zu trainieren. Für die restlichen Trainingseinheiten hat Vater Alexander Sommer eine alte Garage zum Kraftraum umgebaut
Als Landeskader hat Luca Sommer vom 1. SVLA Hoyerswerda das Privileg, einmal pro Woche kostenpflichtig am Bundesstützpunkt in Cottbus zu trainieren. Für die restlichen Trainingseinheiten hat Vater Alexander Sommer eine alte Garage zum Kraftraum umgebaut © Foto: Alexander Sommer

Seit 30 Jahren, seit dem 23. Februar 1991, gibt es den 1. SVLA Hoyerswerda. Wir sprachen mit dem stellvertretenden Vereinsvorsitzenden, Alexander Sommer.

Herr Sommer – der Verein firmierte ja anfangs unter LARG (Leichtathletik-, Reha- und Gesundheitssport); jetzt ist es 1. SVLA (1. Sportverein Leichtathletik) – was waren die Gründe für die Umbenennung / die Neuausrichtung?

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Das stimmt so nicht ganz. Wir sind 1991 aus der Leichtathletikabteilung des ESV Lok Hoyerswerda hervorgegangen und waren bereits damals als 1. Sportverein Leichtathletik Hoyerswerda e. V. eingetragen. Später boten wir einer größeren Gruppe von älteren Sportlern aus Weißwasser die Möglichkeit, sich als Abteilung Gesundheits- und Rehasport in unserem Verein zu organisieren. So wurde der Verein im Jahr 2009 in Leichtathletik-, Reha- und Gesundheitssportverein Hoyerswerda e. V. (LARG) umbenannt. Über die Jahre zeigte sich jedoch, dass es schwierig ist, Leichtathletik in Hoyerswerda und Gesundheitssport in Weißwasser mit wenigen ehrenamtlichen Helfern optimal zu organisieren. Somit haben wir uns zum Beginn des Jahres 2020 getrennt und sind nun wieder als reiner Leichtathletikverein, als 1. SVLA Hoyerswerda e. V., beim Amtsgericht eingetragen.

Wo haben die Reha- und Gesundheitssportler jetzt eine Heimstatt?

Unsere ehemaligen Mitglieder haben in Weißwasser einen eigenen Reha- und Gesundheitssportverein gegründet und trainieren dort weiterhin in den Sporträumen der AOK Sachsen.

Wo liegt der Schwerpunkt des 1. SVLA?

Der Schwerpunkt ist die Vermittlung der leichtathletischen Disziplinen (wir können alles bis auf Hammerwerfen ...). Wir richten uns speziell an Kinder und Jugendliche der Stadt Hoyerswerda und der umliegenden Gemeinden. Gerade bei den Kleinsten liegt dabei der Fokus auf den allgemeinen Grundlagen des Laufens, Springens, Werfens und dem Spaß an der Bewegung. Gleichzeitig kooperieren wir auch mit der Grundschule in Wittichenau, wo unser Vereinsvorsitzender Jörg Thorhauer wöchentlich ein Ganztagesangebot (GTA) für die Kinder der Klassen 1-4 absichert. Kristallisieren sich besondere Talente heraus, werden diese gezielt gefördert und in den entsprechenden Disziplinen spezialisiert. Wir haben auch einige Erwachsene, die regelmäßig am Vereinstraining teilnehmen und mitunter bei Seniorenwettkämpfen starten. Einmal pro Woche treffen sich ehemalige Leichtathleten, aber auch Mitglieder der Vereinsjugend zum Fußballspiel.

Wie kann man den 1. SVLA erreichen?

Unsere Kontaktdaten und Trainingszeiten findet man auf www.svla-hoyerswerda.de und bei Facebook. Normalerweise (ohne Corona) trainieren wir von Oktober bis März in der Turnhalle am Adler und von April bis September im Stadion im FKO (Freizeitkomplex Ost an der Nieskyer Straße, d. Red.). Wir haben an vier verschiedenen Tagen Trainingszeiten, jeder Sportler kann aber selbst entscheiden, wann und wie oft er zum Training kommt.

Welche Voraussetzungen braucht man, um Mitglied des 1. SVLA zu werden?

Bei uns kann jeder Mitglied werden, der sich gerne leichtathletisch betätigen, Spaß mit Gleichaltrigen haben oder auch als förderndes Mitglied den Trainings- und Wettkampfbetrieb unterstützen möchte. Unser jüngstes Mitglied ist 4 Jahre alt unser ältestes über 70.

An welchen Wettkämpfen können 1. SVLA-Sportler teilnehmen?

Das kommt auf die individuelle Leistungsfähigkeit an. Es gibt viele kleinere Wettkämpfe, zu denen wir unsere jüngsten Sportler mitnehmen, damit sie erstmals Wettkampfluft schnuppern. Das sind meistens die Kreis- Kinder- und Jugendspiele in Bautzen, der Werfertag in Hoyerswerda und Hallenwettkämpfe in Senftenberg. Leistungsstärkere Sportler können sich für die größeren Wettbewerbe wie Landes-, Mitteldeutsche -oder sogar Deutsche Meisterschaften qualifizieren. Ich selbst durfte in den letzten Jahren sogar an einer Europameisterschaft und einer Weltmeisterschaft der Senioren teilnehmen.

Und wer nicht wettkämpfen will?

Wettkämpfe sind zwar das Salz in der Suppe, aber kein Muss für unsere Sportler. Einige unserer Kinder und Erwachsenen lieben das Training, möchten aber gar nicht an Wettkämpfen teilnehmen. Das ist okay.

Was sind besondere Glanzpunkte im Vereinsleben des 1. SVLA?

Die Trainingslager zu Pfingsten im tschechischen Riesengebirge oder in den Oster- beziehungsweise Herbstferien an der Ostsee und die Skilager in Südtirol oder Tschechien sind Jahres-Glanzlichter, außerdem die größeren Meisterschaften. Aber auch die gemeinsamen Vereinsfeiern, etwa das jährlich stattfindende Weihnachtssportfest, Grillabende oder Jubiläumsfeiern, tragen zu einem tollen Zusammenhalt und einem abwechslungsreichen und kameradschaftlichen Vereinsleben bei.

Auf welche Erfolge, auf welche seiner Aktiven in Wettkämpfen ist der 1. SVLA Hoyerswerda besonders stolz?

In den 30 Jahren Vereinsgeschichte gab es viele Namen, die immer wieder ganz oben in den Ergebnislisten bei Landesmeisterschaften, Mittel- und Süddeutschen Meisterschaften und Deutschen Meisterschaften erschienen. Stellvertretend seien da nur ein paar genannt: Carola Nowack, Mario Hoffmann, Marc Illing, Marcel Lesch und Phillipp Fenner, Mandy und Nancy Sowa, Tim Benick, Matthias Wiesenberg, Patricia und Patrick Trux sowie Johannes Hegewald, Luise Beer, Jasmin Schmaler, Antonia Schulze, Jonas Zschornak, Julia Wiesenberg, Annina Newi und später auch Dennis Schulze, Pascal Boden, Jannes König, Luca Sommer und Kyra Dodt. Die größten Erfolge der Vereinsgeschichte waren wohl meine Silbermedaille bei den Senioreneuropameisterschaften 2018 in Madrid und die Bronzemedaille bei den Seniorenweltmeisterschaften in Torun 2019 im Diskuswurf. Aber wir denken von Jahr zu Jahr. Es gibt immer wieder junge Talente. Zur Zeit haben wir mit Luca Sommer einen Landeskader der U 16 und mit Jannes König einen weiteren Sportler in der U 18, der in Sachsen ganz vorn mit dabei ist.

Gibt es Kooperationsabkommen mit „großen“ Sportvereinen, zu denen besonders hoffnungsvolle Talente delegiert werden (können)?

Nein. Wenn man gute Leistungen bringt, kann man Landes- oder Bundeskader werden, unabhängig davon, bei welchem Verein man trainiert. Dann muss man natürlich selbst entscheiden, ob es für die weitere sportliche Entwicklung sinnvoll ist, an einen Stützpunkt mit angeschlossener Sportschule zu wechseln. Matthias Wiesenberg und Luise Beer waren die letzten Sportler unseres Vereins, die diesen Weg nach Chemnitz beziehungsweise Dresden gingen. Wir arbeiten auch „situationsbedingt“ mit anderen Vereinen oder Institutionen der Umgebung zusammen. Jörg Thorhauer zum Beispiel hat schon die Handballer des LHV Hoyerswerda im Trainingslager beim Athletiktraining betreut und leitet wöchentlich eine Ganztagsangebots-Stunde an der Grundschule in Wittichenau. Einige Vereinsmitglieder sind zusätzlich im Verein Kraft & Figur Hoyerswerda e. V. Mitglied. Nicht zuletzt wurde mit Unterstützung meiner Heimatgemeinde Lohsa für mich und meinen Sohn Luca auf dem Lohsaer Sportplatz ein ungenutztes Spielfeld zum Wurfplatz umfunktioniert. Außerdem gibt es noch die vielen kleinen und größeren Sponsoren, ohne die dieses System Einspartenverein Leichtathletik gar nicht funktionieren würde!

Was wünscht sich der 1. SVLA zu seinem Jubiläum?

Wir hoffen, dass mit unserem neuen Oberbürgermeister Torsten Ruban-Zeh der Vereinssport in Hoyerswerda wieder mehr Beachtung findet. Wichtig ist dabei, dass nicht nur an die Mehrspartenvereine oder die großen Vereine der Ballsportarten gedacht wird, sondern auch die kleinen Vereine mit ins Boot geholt werden. Eine Zentralisierung ist nicht immer förderlich! Wir wünschen uns, dass die Sportanlagen im FKO endlich modernisiert werden. Außerdem hätten wir als Verein gerne eine Perspektive für die Zeit nach dem Abriss der Turnhalle am Adler. Um erfolgreich zu sein, benötigt es Grundvoraussetzungen.

Wo sehen Sie den 1. SVLA in zehn, zwanzig, hundert Jahren?

Ich hoffe, dass wir in zehn Jahren, um erst mal bei diesem Horizont zu bleiben, auf modernisierten Sportanlagen trainieren können, im Winter eine Dreifeldhalle zur Verfügung haben und alle ehrenamtlich tätigen Trainer und Helfer gesund und engagiert zur Verfügung stehen. Wir wollen weiterhin als Einspartenverein agieren und möglichst vielen Kindern und Jugendlichen der Stadt und des Umlandes die Möglichkeit der sportlichen Betätigung bieten. Auch in zehn Jahren wird man unseren Verein in Sachsen als leichtathletische Talentschmiede kennen und schätzen.

Wie steht der 1. SVLA zu Fun-, Event- und Extremsport?

In jedem Verein gibt es mehr oder weniger Verrückte. Auch bei uns. Viele unserer älteren Sportler sind ehemalige oder noch aktive Läufer, die neben normalen Marathons auch schon Supermarathons von 70 oder mehr Kilometern absolviert haben. Stellvertretend sei da unser Vorsitzender Jörg Thorhauer sowie Bernd Kohnert oder Detlef Hoffmann genannt. Ich selbst bin zwischen meiner Laufbahn als Rennkanute und der des Werfers sieben Marathons gelaufen. Viele unserer jüngeren Sportler nehmen an Volks- oder auch Extremläufen teil. Jonas Zschornak etwa hat bereits den BlackBirdRun in Kotten gewonnen.

Was war der schönste Moment bisher des 1. SVLA – und was der traurigste?

Da kann ich jetzt nur von mir persönlich sprechen, da ich ja erst seit 2015 mit dabei bin. Für mich war der schönste Moment das Telefonat mit Jörg Thorhauer direkt aus Madrid nach dem Gewinn der Silbermedaille bei den Senioreneuropameisterschaften 2018. Ich glaube, er hat sich mehr als ich über diesen Erfolg gefreut, wobei ich das zu diesem Zeitpunkt wohl auch noch nicht richtig realisiert hatte.

Der traurigste Moment dauert bereits seit letztem November an: die Schließung der Sportstätten für den Amateursport wegen Corona. Die Konsequenzen dieses Trainingsausfalls werden in den nächsten Jahren deutlich zu spüren sein.

Was wäre Ihre Wunsch-Schlagzeile zum 1. SVLA im Hoyerswerdaer Tageblatt?

„Sportler des 1. SVLA Hoyerswerda weihen die sanierten Leichtathletikanlagen im Sportforum ein.“

Warum sollte man gerade bei 1. SVLA Hoyerswerda Sport treiben?

Wir bieten allen Kindern und Jugendlichen aus Hoyerswerda und Umgebung sowie interessierten Erwachsenen die Möglichkeit, sich regelmäßig leichtathletisch zu betätigen. Unsere Mitgliedsbeiträge sind gering, da wir kein Mehrspartenverein mit Präsidium und Funktionärs-Aufgebot sind. Mehrmals im Jahr können interessierte Sportler ins Trainings- oder Skilager fahren. Das familiäre Vereinsleben ist unsere große Stärke – und unser Zusammenhalt. Bei uns können alle mitmachen – die, die sich „nur“ bewegen möchten; aber auch die, die bei Wettkämpfen gewinnen wollen.

Wie hat Corona den Verein beeinflusst?

Dazu habe ich schon unter dem Stichpunkt „traurigster Moment“ etwas gesagt. Viele Meisterschaften wurden abgesagt und ab Juni wurden nur einige kleine Wettkämpfe ausgetragen. Umso erfreulicher war es, dass wir mit einigen Sportlern trotzdem sehr erfolgreich abschneiden konnten. So konnte Jannes König Gold (300 m Hürden) und Bronze (80 m Hürden) bei den in den September verschobenen Landesmeisterschaften der U 16 in Mittweida gewinnen. Luca Sommer gewann dort Silber im Diskuswurf der U 16. Mit seinen im Sommer erzielten Ergebnissen wurde Luca für 2021 in die Landesauswahl Sachsen berufen. Leider wurde dann im November wieder alles dicht gemacht. Das Training findet nun in Eigenregie zu Hause statt. Durch den Entfall der Sportangebote haben auch einige Mitglieder dem Verein den Rücken gekehrt. Außerdem konnte die Mitgliederwerbung während des Ganztagsangebotes in Wittichenau im Herbst nicht stattfinden. Somit ist die Mitgliederzahl von über 100 (davon 70 Kinder + Jugendliche) Anfang 2020 auf knapp 70 geschrumpft. Die fehlenden Beitragseinnahmen müssen nun möglichst durch Spenden kompensiert werden.

Wie soll es 2021 sportlich weitergehen?

Am wichtigsten ist es, dass wir so schnell wie möglich wieder zusammen trainieren dürfen. Dann heißt es für die meisten, erstmal wieder fast bei Null anzufangen. Unsere Spitzensportler haben im Heimtraining trotzdem gut gearbeitet, so dass sie auf einem guten Niveau starten werden. Ich hoffe, dass es im Sommer wieder regelmäßig Wettkämpfe für die Kinder und Jugendlichen geben wird. Die Meisterschaften der Senioren wurden ja bereits fast ausnahmslos für das gesamte Jahr abgesagt ...

Wann werden die 30 Jahre gefeiert?

Im Spätsommer; hoffentlich ohne Einschränkungen mit vielen ehemaligen und aktiven Sportlern und Trainern.

Gespräch: Uwe Jordan

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