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Ein Athlet, der noch lange nicht am Ziel ist

Pascal Boden besuchte in Hoyerswerda eine Sportklasse des Léon-Foucault-Gymnasiums. Jetzt ist er auf dem Sportgymnasium. Im Dreisprung feiert er Erfolge.

In der Sprunggrube fühlt sich Pascal Boden wohl. Sein Talent im Dreisprung wurde schon mit einem Titel als Deutscher Meister belohnt. Hier, am Hoyerswerdaer Léon-Foucault-Gymnasium, besuchte der Wittichenauer schon die Sportklasse, bevor er an das Sport
In der Sprunggrube fühlt sich Pascal Boden wohl. Sein Talent im Dreisprung wurde schon mit einem Titel als Deutscher Meister belohnt. Hier, am Hoyerswerdaer Léon-Foucault-Gymnasium, besuchte der Wittichenauer schon die Sportklasse, bevor er an das Sport © Foto: Gernot Menzel

Als das neue Schuljahr in Sachsen begonnen hat, hatte Pascal Boden schon eine Trainingswoche hinter sich. Der Brischkoer absolviert die gymnasiale Oberstufe nämlich am Sportgymnasium Dresden. Nach dem Abschluss der zehnten Klasse des Hoyerswerdaer Léon-Foucault-Gymnasiums wechselte der heute 18-Jährige in die Landeshauptstadt. „Es ist kompliziert, das Abitur mit Leistungssport zu verknüpfen“, so die Erklärung für diese Entscheidung. Denn dank einer Schulzeitstreckung wird das Abitur ein Jahr später als gewöhnlich abgelegt. Pascal nennt diesen Schritt „ganz logisch“ und ist froh, so nun genügend Zeit für den Sport – neben der Schule – zu haben. Denn „es gehört mehr dazu, als nur zum Training zu gehen“, erinnert er ebenso an Regeneration und Nachbereitung mittels Magnettherapie und Nutzung des Lymphomaten sowie Yoga-Stunden. Täglich wird mindestens zwei bis drei Zeitstunden trainiert. Längere Einheiten finden häufig an schulfreien Tagen statt. Im Stundenplan ist Sport als Leistungskurs zu finden, was die Verbindung von Theorie und Praxis bedeutet.

Zur Leichtathletik kam der Wittichenauer über ein Ganztagsangebot, das ihm einen Einblick gab, ein erstes „Schnuppern“ ermöglicht hat, wie er sich erinnert. So ist er bereits seit der zweiten Klasse in einem Verein organisiert. Die sportlichen Grundlagen wurden beim Sportclub in Hoyerswerda gelegt, der ihn vor dem Wechsel zum Dresdener SC 1898 sogar feierlich verabschiedete. Das war im Juni 2019.

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Vom Mehrkampf zum Dreisprung

Seitdem hat sich Pascal stetig weiterentwickelt. Besonders in seiner favorisierten Disziplin, dem Dreisprung. Diese Spezialisierung kam mit 16 Jahren, also am Anfang der Wettkampf-Altersklasse U 18. Vorher war der Sportler im Mehrkampf aktiv und hat so sein Talent als Springer entdeckt.

In der Leichtathletik-Datenbank lässt sich diese Entwicklung nachvollziehen. Für Anfang 2019 ist eine Weite von 12,39 Metern vermerkt. Im Januar 2020 hat er schon 14,18 Meter im Wettkampf geschafft. Die persönliche Bestleistung mit 15,46 Metern hat Pascal Boden im Mai dieses Jahres erreicht. Im Juni wurde er in Koblenz Deutscher Meister der U 23 im Dreisprung mit 15,10 Metern. Im Herbst zuvor gab es schon eine Goldmedaille bei den Deutschen U 18-Meisterschaften der Leichtathleten in Heilbronn.

Für Wettbewerbsleistungen werden auch Noten vergeben: „Wir sind gleichzeitig Schüler und Athleten. Wir leben für unseren Sport, aber wollen trotzdem einen guten Abschluss machen.“ So lerne man im Sport, auf diesem Niveau gut organisiert und diszipliniert zu sein. „Was ich im Sport mitkriege, kann mir auch in der Schule helfen“, so Pascal. Überhaupt meint er, viel für das Leben mitnehmen zu können.

Der Garten als Ausgleich

So war es schon ein großer Bruch, zeitig von zu Hause auszuziehen. Viel hat der Brischkoer dann selbst in die Hand nehmen müssen, beschreibt er die neue Situation rückblickend. Zusammen mit Freunden hat er in Dresden mittlerweile einen kleinen Garten, der in der Freizeit bewirtschaftet wird und einen „schönen Ausgleich“ bietet. Je nach Trainings- und Wettbewerbslage verbringt Pascal die Wochenenden bei seiner Familie. Die Begleitung zu Wettkämpfen stellte sich zuletzt als schwierig heraus. Wobei der Springer sich als sehr fokussiert während der Wettstreite beschreibt, aber gerne jemanden an seiner Seite weiß. „Vorher und nachher ist es schon schön, jemanden dabei zu haben.“

In seinem ersten U 20-Jahr konnten mit der Trainerin schon technische Schwerpunkte bearbeitet werden. Ziel ist nun, „eine gute Wintersaison zu machen“. Die U 20-WM im Sommer in Cali ist schon ins Auge gefasst. Die Norm zur Qualifikation hat zuletzt 15,65 Meter betragen. Seit einigen Monaten ist Claudia Marx, selbst ehemals erfolgreiche Athletin, Pascals Trainerin, seit er in eine neue Trainingsgruppe wechselte. Er spricht von einem neuen Niveau, und, dass er dort „unglaublich viel Unterstützung“ erfahre. Schon im vergangenen Jahr wurde die Aufbauphase für den Winter gemeinsam bestritten – in einem Trainingslager an der Ostsee. Überhaupt gab es für ihn als Teil des Bundeskaders weiterhin die Möglichkeit, zu trainieren, als sportliche Aktivitäten in der Gruppe corona-bedingt weitestgehend untersagt waren. „Für andere Athleten war das eine problematische Situation. Meine Wintersaison verlief unter diesen Umständen gut“, so das Fazit. Die Deutsche Meisterschaft der Erwachsenen in Dortmund im Februar nennt Pascal schon einen „unglaublichen Erfolg“. Er sprang seine persönliche Bestleistung von 14,99 Metern, die dann allerdings kaum drei Monate Bestand hatte.

Im Sommer war die Situation für die Sportler wieder wesentlich besser. Die Saison ging im Mai los und fand vor etwa fünf Wochen ihren Abschluss. Die Teilnahme an drei Deutschen Meisterschaften war möglich. Für eine Qualifikation zur EM hat die Weite von 15,46 Metern nicht gereicht. Es fehlten 14 Zentimeter. „Ich hatte trotzdem Highlights und weiterhin gute Versuche“, heißt es nun rückblickend von Pascal.

Die Wurzeln in der Lausitz

Damals noch in Hoyerswerda, besuchte der Schüler die Sportklasse des Léon-Foucault-Gymnasiums. „Ich hatte da schon die Chance, mir Zeit fürs Training zu nehmen.“ So ist die Entscheidung, nach Dresden zu gehen, auch gemeinsam getroffen worden – mit Trainer Rüdiger Wagner ist die Idee entstanden. Sie stehen noch in gutem Kontakt, wie Pascal erzählt.

Aus der Heimat erhält er nach wie vor Hilfe: Neben dem Rückhalt durch seine Familie wird er seit einer Weile vom hiesigen (Wittichenauer) Energie-(Gas-)Versorger EVSE GmbH unterstützt. Pascal ist dafür besonders Sylvia Schenker, der Geschäftsführerin des Unternehmens, dankbar.

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