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Ein echter Chaos-Tag

Tolle Feier, Schulschließung und überbordender Müll am Bröthener Badesee – große Folgen der Abiturienten-Party.

So fanden Bauhofmitarbeiter den Strand am Bröthener Badesee am Freitagmorgen vor. Bis Mittag war alles wieder in Ordnung.
So fanden Bauhofmitarbeiter den Strand am Bröthener Badesee am Freitagmorgen vor. Bis Mittag war alles wieder in Ordnung. © Foto: Stadtverwaltung

Hoyerswerda. Mit Entsetzen wurde Freitag in der Frühe in Bröthen/Michalken die Hinterlassenschaft einer offensichtlich feucht-fröhlichen Feier am Bröthener Badesee entdeckt. Völlig verdreckte Sitzgelegenheit, leere und zerbrochene Glasflaschen, Plastikbecher soweit das Auge reicht und jede Menge Unrat, der nicht im vorhandenen Abfallbehälter, sondern am Strand gelandet ist. Zwei Mitarbeiter des städtischen Bauhofes hatten zweieinhalb Stunden zu tun, um für Ordnung zu sorgen. Zehn große Müllsäcke kamen zusammen. Jede Menge Scherben wurden auch im Sand des Beachvolleyballplatzes entdeckt und aufgelesen. Hier war zu entscheiden, ob eine Sperrung und Sandreinigung zu erfolgen hat. Immerhin stellen die Scherben ein erhebliches Verletzungsrisiko dar. Letztlich wurde der Sand mit Eisenrechen händisch durchgearbeitet. Zwei Bauhof-Mitarbeiter hatten eine weitere Stunde damit zu tun.

Dass sich Hoyerswerdaer Gymnasiasten am Bröthener Badesee treffen, um ihr Abitur zu feiern, ist seit vielen Jahren eine Tradition. Das ging auch bislang schon immer mit Verschmutzungen einher. Ausmaße wie in diesem Jahr hatten die Verunreinigungen lange nicht mehr. Auch Ortsvorsteher Lothar Kujasch ist überrascht. In den zurückliegenden zwei, drei Jahres sei alles relativ glimpflich abgelaufen. Es gab aber auch schon mal ein Jahr, in dem die Abiturienten nachträglich an den Badesee geordert wurden, um für Ordnung zu sorgen. Das wurde ihnen in diesem Jahr – wie erwähnt – vom Bauhof abgenommen.

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Ein vor Ort gefundenes Shirt ließ darauf schließen, dass es sich um die Abiturienten des Lessing-Gymnasiums gehandelt hat. Entsprechend entlud sich ein Shitstorm in lokalen Facebook-Gruppen. Doch das Bild zeichnet sich nach TAGEBLATT-Recherche differenzierter. Wie von mehreren Seiten bestätigt wird, waren zwar etliche der Lessing-Abiturienten vor Ort, aber auch Schüler vom Johanneum und vom Foucault. Hinzu kamen Freunde oder Bekannte. Frank Koch, der stellvertretende Schulleiter des Lessing-Gymnasiums, hatte am Donnerstag noch einen der schönsten Chaos-Tage eines Abiturjahrgangs erlebt. Jüngere Schüler wurden im Gegensatz zu den Vorjahren nicht mit Wasser bespritzt, es gab kaum Müll, Vandalismus schon gar nicht, vielmehr einen Liegestuhl-Spalier der Abiturienten. Das Programm konnten die Zehnt- und Elftklässler mit anschauen. „Es war wirklich mit Niveau.“ Dass es dann am Nachmittag an den Bröthener See geht, ist bekannt. Und es hat nichts mit der Schule zu tun, wenn es aber Stress gibt, fällt es auf die Schule zurück. Das war am Freitag der Fall. Frank Koch sagt: „Wir sind auch entsetzt über die Bilder“. Also umgehend Gespräch Zwölfer und Schulleitung und die Erkenntnis, dass da wie in den Vorjahren eben nicht nur Lessing-Schüler waren. Mancher hatte auch aufgeräumt, sogar Müll mit heim genommen. Der Anblick vor Ort ließ das freilich nicht erahnen. Ergo rückten etliche Zwölfer Freitagmittag wieder an den See aus – doch da hatte der Bauhof schon ganze Arbeit geleistet. Im Netz verbreiteten sich indes immer mehr Kommentare, teils auch Beschimpfungen, wurden die Namen aller Lessing-Abiturienten veröffentlicht – in Unwissenheit, wer von ihnen überhaupt am See mit dabei war. Letztlich sorgten die Seitenadministratoren erst am Nachmittag dafür, dass diese Posts wieder gelöscht wurden.

Am Foucault-Gymnasium hatte Schulleiter Uwe Blazejczyk vom Bröthener See bis Mittag noch nichts gehört. Dafür sorgte an seiner Schule für Wirbel, dass am Chaos-Tag der Unterricht wegen Vandalismus eingestellt werden musste. Hier gab es eher kein tolles Programm, sondern die Schule wurde dekoriert, teilweise sehr deftig. Letztlich entstand laut Schulleiter kein Schaden, den nicht der Hausmeister reparieren kann. Doch konnte die Schulordnung nicht aufrechterhalten werden, so dass die Schulleitung die Notbremse zog – je nach Altersstufe mit Notbetreuung, Beschäftigung und eben Ausfall. Am Freitag kamen Zwölfer, die es übertrieben hatten, Abbitte leisten. Dieser Chaos-Tag hat für viele einen bitteren Beigeschmack.

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