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Hoyerswerda

Ein jugendfrisches außergewöhnliches Konzert im Schlosssaal

Moderne Klassik, dargeboten von Leipziger Studenten, faszinierte in Hoyerswerda.

Von links nach rechts: FP Fram, Ronja Sophie Putz, Lea Preiß, Reinhard Schmiedel, Harim Choi, Friederike Seeßelberg, Marta Henriques, Stella Heutling.
Von links nach rechts: FP Fram, Ronja Sophie Putz, Lea Preiß, Reinhard Schmiedel, Harim Choi, Friederike Seeßelberg, Marta Henriques, Stella Heutling. © Foto: Christine Neudeck

Von Christine Neudeck

Hoyerswerda. „Außergewöhnlich“ nennt sich die Konzertreihe, die seit vielen Jahren durch den Sächsischen Musikbund und dessen Vorsitzenden, FP Fram, initiiert wird: Konzerte, die für die zeitgenössische klassische Musik sensibilisieren und werben sollen, zur Unterstützung von Musikschaffenden. Das diesjährige Konzert wurde ausschließlich von Studenten der Hochschule für Musik und Theater „Felix Mendelssohn Bartholdy“ Leipzig interpretiert. Sie setzten einen Glanzpunkt im Schloss.

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Furios beginnt das erste Musikstück „Ricercar und Choral“ von Thomas Buchholz, eine Hommage an Johann Sebastian Bachs „Musikalisches Opfer“, das er nach einem Besuch bei Friedrich dem Großen komponierte, der das Thema auf der Flöte vorgegeben hatte. Die Nähe zu Bach allerdings wird dem Laien beim Zuhören kaum bewusst. Die Blasinstrumente Flöte (Marta Henriques), Englisch Horn (Stella Heutling) und Fagott (Bariş Erdoĝan) treten in einen Dialog mit den Streichinstrumenten, Violine (Ronja Sophie Putz), Viola (Harim Choi) und Violoncello (Friederike Seeßelberg). Der Komponist schöpft alle Möglichkeiten der Instrumente aus, fügt den typischen untypische Klänge und Geräusche hinzu, gekratzt und gehaucht, diese werden von schrill bis melodisch als „Bachsche Fuge“ gemischt. Alles endet in einem ganz leisen Klingen und Nachklingen, möglicherweise eine Erinnerung an Bach, der bis in unsere Tage nicht verklungen ist?

Erinnerungen und Bagatellen

Ein Flötensolo von Albert Breier, vorgetragen von Marta Henriques, nennt sich „Colours of Memories“, Farben der Erinnerung; die Flöte singt, vibriert und haucht Vergangenem nach, erinnert freudige und traurige Momente, die sie vor dem geistigen Auge wie eine farbige oder verschattete Landschaft vorüberziehen lässt. Alexander Keuks „Bagatelle“ erscheint durchaus nicht als Kleinigkeit. Es ist ein vom Komponisten gedachter Dialog zu philosophischen Maximen, mit Rede und Gegenrede, aufgebracht, hohe Debattierstimmen, Ansichten in Harmonie und Ansichten, die auseinandergehen. Eine gelungene Interpretation von den Violinistinnen Ronja Sophie Putz und Lea Preiß.

Ausgewogenheit sucht auch Reinhardt Pfundt in seinen Stücken. In einem Capriccio flirten Flöte (Marta Henriques) und Klarinette (Armin Khihel) miteinander. In der Komposition „Auf der Suche nach dem Gleichgewicht“ wird der Zuhörer ganz persönlich berührt, eine Suche, die immer wieder unterbrochen wird: das Klavier (Reinhard Schmiedel) stört die Flöte (Marta Henriques) und die Violine (Ronja Sophie Putz) und umgekehrt. Erst zum Schluss deutet sich Verständnis an, weil die Instrumente aufeinander zugehen, die Suche nach dem Gleichgewicht aber geht weiter.

Reinhard Schmiedel, Professor an der Hochschule „Felix Mendelssohn Bartholdy“, ist Dirigent und Leiter der Gruppe Junge Musik. Seine Interpretation von „Aufwind und Sturzflug“ von Renate Käbisch am Klavier war beeindruckend.

Zum Schluss soll ein Streichquartett von Günter Neubert ebenfalls an Johann Sebastian Bach erinnern, dessen Sätze die Themen: Anläufe, Innehalten, Auflösungen und Unaufhaltbar zum Inhalt haben. Alles wunderbar beim Hören nachzuvollziehen: die vielfach neuen, sich immer wieder steigernden, oft vergeblichen Anläufe im Leben, das Innehalten danach, ein hörbar musikalisches Aufatmen und Atemholen, das sich später auflöst in Töne, die wegzufliegen scheinen.

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