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„Eine gezielte Impfsprechstunde ist empfehlenswert“

Der Hoyerswerdaer Hausarzt Marcus Meixner berichtet über Erfahrungen mit dem Impfen gegen Covid-19 in der Praxis.

Während das DRK das Impfzentrum in Kamenz betreut, impfte auch eine Hoyerswerdaer Praxis bereits seit mehreren Wochen.
Während das DRK das Impfzentrum in Kamenz betreut, impfte auch eine Hoyerswerdaer Praxis bereits seit mehreren Wochen. © Foto: DRK

Schon bevor dieser Tage auch alle niedergelassenen Ärzte gegen Covid-19 impfen dürfen, war die Arztpraxis Meixner in Hoyerswerda unter jenen sächsischen Modell-Praxen, in denen das – ausschließlich mit den eigenen Patienten – getestet werden sollte. Marcus Meixner und seine Kollegen hatten aber schon seit Jahresanfang ebenso in Seniorenheimen geimpft, und beteiligen sich als Impf-Ärzte im Impfzentrum in Kamenz. Der Hoyerswerdaer Allgemeinmediziner stand uns für einige Fragen diesbezüglich zur Verfügung.

Herr Meixner, wie wird man Modellpraxis, und seit wann sind Sie das genau?

Seit dem 12. März impfen wir im Rahmen des Modellversuches mit dem Astra-Impfstoff. Wir sind von der Kassenärztlichen Vereinigung angesprochen worden, ob wir als Modellpraxis zur Verfügung stehen können. Den Ausschlag dazu hat sicherlich gegeben, dass zwei Medizinische Fachangestellte und drei Ärzte der Praxis bereits seit Januar mit den mobilen Impfteams des Landkreises impfen. Dort wird die ärztliche Arbeit benötigt, aber eigentlich noch mehr die Arbeit der Medizinischen Fachangestellten. Die Impfteams stellen die organisatorische Hülle; die Vorbereitung und Durchführung der Impfung liegt in der Hand von MFA und Arzt.

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Was sind Ihre Erfahrungen allgemein und zu Patienten-Reaktionen?

Die entstandenen Unsicherheiten bezüglich der Nebenwirkungen haben zu Verunsicherungen geführt. Man muss die Beobachtung von neu eingeführten Impfstoffen immer hoch ansetzen, aber im Impfalltag ist die Diskussion erheblich überbewertet. Wenn wir die bedeutend häufigeren Nebenwirkungen unserer Alltagsmedikamente zum Beispiel gegen Bluthochdruck, zur Blutverdünnung und bei der Zuckertherapie alle so ausdiskutieren, wie jetzt die bestehenden Häufigkeiten von Nebenwirkungen der Impfungen, wäre eine hausärztliche Versorgung nicht mehr denkbar. Die erwarteten Impfreaktionen sind eben erwartet, treten also auch auf: Müdigkeit, Kopfschmerzen, Schmerzen an der Einstichstelle... Wir haben über die Praxis aktuell circa 200 Impfungen mit Astrazeneca und circa 3.000 Impfungen mit Biontech verantwortet. Bisher haben wir keine unerwarteten Nebenwirkungen erlebt, bleiben aber aufmerksam.

Was braucht so eine Impf-Praxis die Ausrüstung betreffend?

Nichts, was eine Praxis der hausärztlichen Versorgung nicht schon immer da hat.

Wie aufwendig ist das Ganze für den normalen Praxisalltag?

Im Gegensatz zu den alltäglich durchgeführten Impfungen bedarf es aktuell einer Aufklärung durch den Arzt und Unterschriften. Zusätzlich sind die Impfdosen immer als ein Vielfaches von sechs bei Biontech oder zehn bei Moderna sowie Astra aufzuziehen und zu verimpfen. Deshalb empfiehlt es sich, eine gezielte Impfsprechstunde außerhalb der Sprechstundenzeiten anzubieten. Wir haben in mehreren Modellen jetzt einen Mittelweg gefunden, bei dem pro zwei MFA und einem Arzt circa 15 Patienten pro Stunde geimpft werden. Die Zeit vom Betreten der Praxis bis zum Verlassen ist bei uns 39 Minuten; mit Ausgabe der Unterlagen, Aufklärungsgespräch, Impfung, Nachbeobachtung und – nicht zu vergessen – der Vergabe des zweiten Impftermins.

Wie schätzen Sie die Bereitschaft und die organisatorische Fähigkeit der Ärzte im Altkreis Hoyerswerda, mitzutun?

Jede Hausarztpraxis ist in der Lage, die Impfungen durchzuführen. Es betrifft eine Kernkompetenz der Hausärzte. Natürlich stellt die zusätzliche Impfsprechstunde eine erneute Belastung dar. Ausgesprochen schwierig sind die Kommunikationswege. Da es in jeder Praxis immer wieder Anrufe wegen der Impfungen gibt, ist das Tagesgeschehen deutlich betroffen. Ich denke, es empfiehlt sich, auf alternative Kommunikationswege zu verweisen, gegebenenfalls eine Telefonsprechstunde zur Impftermin-Vermittlung einzurichten, auf die die Mitarbeiter am Tresen schnell und zügig verweisen. Ansonsten klingelt das Telefon pausenlos und stört den Tagesablauf massiv. Hier hat uns die Politik sehr allein gelassen. Das wird in den nächsten Wochen die größte Herausforderung werden, nicht die Impfung selbst, sondern die Kommunikation mit den Patienten über Notwendigkeit und Priorisierung, Impfstoff und die Verwaltung des Mangels. Und etwas ganz Wichtiges zum Schluss: Jeder Patient sollte sich bei seinem Hausarzt impfen lassen, und nicht in einer anderen Praxis fragen. Wenn der eigene Hausarzt nicht impfen kann oder will, bleibt wie bisher nur der Weg nach Kamenz ins Impfzentrum.

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