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Ernüchterung und Aufbruchstimmung

Oberbürgermeister Torsten Ruban-Zeh hat zum ersten Empfang gebeten. Und bietet sogar eine Überraschung.

Es wurde zum Jahresempfang geladen.
Es wurde zum Jahresempfang geladen. © Foto: Gernot Menzel

Das Jahr 2021 ist vieles, auch das Jahr der ausgefallenen Neujahrsempfänge. Hoyerswerdas Oberbürgermeister Torsten Ruban-Zeh hat ihn am Montag nachgeholt als Jahresempfang. Kam bei den Gästen offenbar gut an, kann man also durchaus so beibehalten. Der OB denkt jedenfalls darüber nach.

Der Gastgeber

Er sei jetzt im elften Monat, sagt der 58-Jährige. Torsten Ruban-Zeh, vor Ort unter anderem schon Globus-Chef und Awo-Chef gewesen, ist seit November 2020 Hoyerswerdas Stadt-Chef. Der SPD-Mann verriet am Montag, dass es Bernsdorfs Bürgermeister Harry Habel (CDU) gewesen sei, der ihn überzeugt habe, für den OB-Platz zu kandidieren. Und er ist in der Rückschau ganz zufrieden, dass der Corona-Lockdown für ihn zu Beginn der Amtszeit kaum gesellschaftliche Verpflichtungen mit sich brachte, er sich so intensiv in die neue Tätigkeit einarbeiten konnte. Da sind ernüchternde Begegnungen, zum Beispiel jene enttäuschte Frau, die sich erhofft hatte, dass es mit ihm sofort ein Gehwegbauprogramm gibt. Oder auch der Fall einer auf einem maroden Weg gestürzten Frau, an die die Kommunalversicherung nichts zahlte mit der Begründung, dass der Weg vor sich selbst gewarnt habe. Unter diesen Spannungsbogen „Der Weg warnt vor sich selbst“ stellt Ruban-Zeh seine Rede. Dann skizziert er die ersten Monate seiner Arbeit, die Begegnungen und Gespräche mit der Landesregierung, mit Vertretern von Universitäten, Hochschulen und Forschungsinstituten. Es gibt erste erfolgreiche Platzierungen bei Strukturwandelprojekten. Ruban-Zeh bleibt mit der Verwaltung und anderen Kommunen beim Thema Großforschungszentrum dran. Für die nächsten Jahre benennt er Aufgaben wie Haushaltskonsolidierung, die Erstellung eines Entwicklungskonzepts für den Strukturwandel. Energie- und Wärmeversorgung müssen zukunftsfähig aufgestellt werden, die ambulante medizinische Versorgung ist zu verbessern. Es geht um eine zukunftsfähige moderne Verwaltung, um die Entwicklung des Scheibe-Sees, um Bürgerbeteiligung. Aufbruchstimmung.

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Kinder des Sportclubs Hoyerswerda bestritten einen Teil des Rahmenprogramms beim Jahresempfang von Oberbürgermeister Torsten Ruban-Zeh.
Kinder des Sportclubs Hoyerswerda bestritten einen Teil des Rahmenprogramms beim Jahresempfang von Oberbürgermeister Torsten Ruban-Zeh. © Foto: Gernot Menzel

Der wichtigste Gast

Ein Empfang des OB ist einer der geladenen Gäste. Freilich müssen die auch kommen wollen. Ehrenbürger Friedhart Vogel ist selbstverständlich dabei. Neben vielen Bürgermeistern der Umlandkommunen sind auch die OB aus Bautzen, Görlitz, Weißwasser da. Es gibt Gäste aus der Wirtschaft, die erstmals seit Jahren hier wieder zu sehen sind. Es sind so viele Wissenschaftler wie noch nie zugegen. Prominentester Gast ist freilich der sächsische Ministerpräsident. Der Hausherr, Lausitzhallengeschäftsführer Dirk Rolka betont, dass in Hoyerswerda kein sächsischer Ministerpräsident häufiger begrüßt werden konnte als Kretschmer. Dessen Grußwort ist schnörkellos freie Rede, und er bewertet einmal mehr den Strukturwandel mit den zur Verfügung stehenden Geldern als einmalige Chance und betont erneut, dass man die Zeit bis 2038 auch benötigen werde. Hoyerswerda attestiert er aufgrund der Urbanität Chancen und verweist auf die im Hintergrund längst laufenden Arbeiten für die S-Bahn-Verbindung nach Dresden.

Der Geehrte

Seit der Staffelstabübergabe im OB-Büro ist Amtsvorgänger Stefan Skora in der Öffentlichkeit kaum gesichtet worden. Er zog sich ins Private zurück. Am Montag hat er zusammen mit seiner Frau den Urlaub unterbrochen, um in der Lausitzhalle dabei sein zu können. Er wird geehrt mit der Eintragung ins Goldene Buch der Stadt Hoyerswerda, dabei auf der Bühne flankiert von Michael Kretschmer und Torsten Ruban-Zeh. Für die Gäste ist das alles durchaus überraschend. Doch die Geste kommt gut an. Der Eintrag ins Buch ist vorbereitet: „Unter schwierigen demographischen Bedingungen wurden während seiner Amtszeit die Einrichtungen der kommunalen Daseinsvorsorge nachhaltig ausgebaut, sowie erste Grundlagen für einen erfolgreichen Strukturwandel geschaffen.“

Oberbürgermeister Torsten Ruban-Zeh (links) bat seinen Vorgänger Stefan Skora um einen Eintrag ins Goldene Buch der Stadt. Ministerpräsident Michael Kretschmer ist mit dabei.
Oberbürgermeister Torsten Ruban-Zeh (links) bat seinen Vorgänger Stefan Skora um einen Eintrag ins Goldene Buch der Stadt. Ministerpräsident Michael Kretschmer ist mit dabei. © Foto: Gernot Menzel

Die Zukunft

Sie sind jung, sie üben hart und leidenschaftlich, und sie tun es in Hoyerswerda. Musikschülerinnen sind mit ihrem Violinenspiel im Rahmenprogramm zu erleben. Die Spitzensportler der Sportakrobaten zeigen auf dem harten Bühnenboden Ausschnitte ihres Könnens, und schließlich rockt die Musikschulband ordentlich die Bühne. Der letzte Songtitel von den New Radicals „You get what you give“ - „Du bekommst das, was Du gibst“ ist dabei ein hübsches Credo für die Stadt, die Region, den Freistaat. Der Song ist gefühlt erst von gestern, aber doch schon wieder 23 Jahre alt, das Ende des stufenhaften Kohleausstiegs ist erst in 17 Jahren, gefühlt aber irgendwie morgen. Torsten Ruban-Zeh weiß, dass Jahr für Jahr allein 200 Abiturienten die Stadt verlassen. Das sollen sie auch weiterhin, aber eben später auch gern wiederkommen. Da ist was zu tun. Torsten Ruban-Zeh ist in dieser Legislaturperiode im elften von 84 Amtszeit-Monaten.

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