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Es kreucht und fleucht im Sperrgebiet

Die nach der Rutschung 2010 eingerichteten Verbotszonen sind ein Eldorado für viele Tier- und Pflanzenarten.

Stephan Kaasche aus Hoyerswerda fotografiert und filmt regelmäßig Tiere, die sich vom Bergener Aussichtspunkt aus beobachten lassen.
Stephan Kaasche aus Hoyerswerda fotografiert und filmt regelmäßig Tiere, die sich vom Bergener Aussichtspunkt aus beobachten lassen. © Foto: Mirko Kolodziej

Hoyerswerda. Roman Klink vom Sächsischen Filmverband war ziemlich erstaunt. „Sind diese Bilder hier in der Gegend entstanden?“, wollte er Anfang September beim Kurzfilmfest der Hoyerswerdaer KulturFabrik wissen. Auf der Leinwand waren zuvor unter anderem ein Wolfsrudel, eine Wildschweinrotte, ein Fuchs im Schilf oder ein kapitaler Hirsch zu sehen. Der Streifen „Sperrbereich, Lebensgefahr“ kam in der Zuschauer-Wertung auf den zweiten Platz.

Die Bilder hat der Hoyerswerdaer Naturführer Stephan Kaasche vom Aussichtspunkt am Bergener See aus gedreht. Von dort ist gut jenes Gebiet zu sehen, das im Oktober vor zehn Jahren vom gewaltigen Erdrutsch im Spreetaler Kippengelände erfasst wurde. Der Filmtitel verweist auf den Umstand, dass seither jede Menge Fläche für Menschen nicht oder nur unter bestimmten Auflagen zugänglich ist. Doch das heißt auch, dass Tier- und Pflanzenwelt viel ungestörter leben als anderswo.

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Als sich am Montag Staatssekretär Gerd Lippold vom sächsischen Umweltministerium und die Landtagsabgeordnete Lucie Hammecke (Bündnis 90 / Grüne) am Aussichtspunkt trafen, um mit Dr. Alexander Harter vom Naturschutzgroßprojekt Lausitzer Seenland über die Folgen des Grundbruchs zu sprechen, zog zwar nicht greifbar, aber doch sehr tief ein stattlicher Vogel über ihre Köpfe hinweg. „Ein Seeadler“, merkte Alexander Harter an. Stephan Kaasche hatte zur selben Zeit wenige Schritte weiter wieder einmal seinen Beobachtungsposten bezogen. Und so konnten Lucie Hammecke und Gerd Lippold durch sein Beobachtungsfernrohr auch einen Blick auf einen schlafenden Wolf werfen.

Drei- oder viermal in der Woche, erzählt Kaasche, sei er in Bergen - meist morgens oder abends. Die vor einem Jahrzehnt entstandene Landschaft nennt er dynamisch. Denn das unsanierte Gelände wird an bestimmten Stellen von Wind und Wetter immer wieder umgeformt. Der Naturführer sagt, das sei ideal gerade für Pflanzenarten, die wenig Nährstoffe brauchen und/oder Erstbesiedler sind. Landschaft wie Flora wiederum ziehen bestimmte Tierarten an. Die Ödlandschrecken oder die Sandohrwürmer mögen das Gebiet ebenso wie in Offenlandschaften beheimatete Vogelarten, Wiedehopfe mit ihren typischen Federhauben etwa oder Feldlerchen. Kraniche und Graugänse übernachten gern im Areal, zum Überwintern kommen Raufußbussarde aus Skandinavien.

„So einen Wiedehopf zu sehen, ist schon toll“, sagt Stephan Kaasche. Wenn er in aller Frühe an den Aussichtspunkt fährt, dann hört er oft auch die typischen Rohrflötenrufe der Vögel: „Das ist so eine schöne Morgenstimmung.“ Auch das Verhalten von Kranichen findet er faszinierend. Der Hoyerswerdaer hat in Bergen schon Revierkämpfe beobachtet, Paarungen und Vogeleltern, die wollen, dass ihr Nachwuchs sich endlich selbstständig macht: „Die fangen richtig an, die Jungtiere zu mobben.“

Wirklich angetan haben es dem 45-Jährigen aber Säugetiere. Seine Begeisterung für Wölfe ist bekannt. Er findet, Beobachtungen vom Aussichtspunkt aus würden die Tiere entmystifizieren: „Sie tun hier, was sie meistens tun. Sie rennen herum und schlafen.“ Regelrechte Bewunderung, sagt Kaasche, bringe er jedoch den Rehen entgegen: „Sie wirken so filigran, überleben aber doch in dieser rauen Umgebung.“

Sein Film „Sperrbereich, Lebensgefahr“ kommt ohne die heute üblichen, schnellen Schnitte aus. Naturbeobachtung ist schließlich alles andere als temporeiche Action und Tiere leben in aller Regel doch eher gemächlich vor sich hin. Das gilt erst recht in Gebieten, aus denen Menschen weitgehend ausgesperrt sind.

Zu den Motiven gehören längst nicht nur die vielbeschriebenen Wölfe. Auch ein Fuchs oder ...
Zu den Motiven gehören längst nicht nur die vielbeschriebenen Wölfe. Auch ein Fuchs oder ... © Foto: Stephan Kaasche
... oder Kraniche geraten da vor das Objektiv des Naturführers.  
... oder Kraniche geraten da vor das Objektiv des Naturführers.   © Foto: Stephan Kaasche

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