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Es besteht ein positives Bild vom Tourismus

Das hat Eva Lau in ihrer Bachelorarbeit untersucht – samt Handlungsempfehlungen.

Von Juliane Mietzsch
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Eva Lau, mittlerweile Mitarbeiterin des Tourismusverbandes Lausitzer Seenland, hat in ihrer Bachelorarbeit genauer unter die Lupe genommen, wie das Binnenmarketing im Seenland aussehen könnte.
Eva Lau, mittlerweile Mitarbeiterin des Tourismusverbandes Lausitzer Seenland, hat in ihrer Bachelorarbeit genauer unter die Lupe genommen, wie das Binnenmarketing im Seenland aussehen könnte. © Foto: Juliane Mietzsch

Hoyerswerda/Senftenberg. Besonders in den letzten beiden Jahren hat sich unter den Pandemie-Bedingungen gezeigt, dass das Lausitzer Seenland durchaus Potenzial hat, sich für den Urlaub im eigenen Land eignet. Doch bei all der Vermarktung nach außen darf nicht übersehen werden, dass auch die einheimische Bevölkerung Berücksichtigung findet. Denn die Einheimischen können letztlich die besten Sprecher für die eigene Region sein. Wie es darum konkret steht, hat Eva Lau betrachtet.

Ihre Bachelorthesis mit dem Titel „Maßnahmen im Binnenmarketing für den ländlichen Raum am Beispiel des Lausitzer Seenlandes“ schaut, wie innerhalb der Destination agiert werden sollte. Die 24-Jährige stammt aus Senftenberg und hat an der Hochschule Harz in Wernigerode Tourismusmanagement studiert. Über ein Praktikum und einen Minijob hat sie mittlerweile im Tourismusverband Lausitzer Seenland (TV LSL) e. V. Fuß fassen können. Dessen Geschäftsführerin Kathrin Winkler war die externe Betreuerin der Bachelorarbeit. Wie stehen die Lausitzer also zu ihrem Seenland und dem hier stattfindenden Tourismus? Wie sieht die Informationsbeschaffung aus? Nehmen sie Angebote wahr?

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Um dem nicht nur mit theoretischen Betrachtungen auf den Grund zu gehen, wurde von Eva Lau eine Umfrage entworfen. Insgesamt 323 vollständig ausgefüllte Bögen sind zurückgekommen, was die Erwartungen übertroffen hat. 100 Fragebögen seien die untere Grenze gewesen, 150 bis 200 wünschenswert. „Bei dem kurzen Zeitraum von knapp zwei Wochen bin ich sehr zufrieden“, verdeutlicht sie. Die Teilnehmenden waren zwischen 18 und 80 Jahre alt – 60 Prozent davon weiblich. 59 Prozent sind aus Brandenburg, der Rest aus Sachsen. 83 Personen kommen aus Senftenberg, 61 aus Hoyerswerda. Laut Eva Lau, sei damit das Kerngebiet gut abgedeckt. Der Großteil ist der Altersgruppe zwischen 35 bis 50 Jahren zuzuordnen.

Positive Einstellung zum Tourismus

Eva Laus Erwartungen entsprechend besteht grundsätzlich ein positives Bild vom Tourismus. Positiv bewertet wurden vor allem Aussagen wie „der Tourismus sei gut für die Wirtschaft, schaffe Arbeitsplätze, steigere die Lebensqualität und die Region sei toll für Touristen“. Eva Lau fasst es so zusammen: „Generell ist festzustellen, dass die am häufigsten genannten Punkte die positiven Auswirkungen auf die Wirtschaft und Infrastruktur, die Freundlichkeit, Neugier und das ehrliche Interesse der Gäste sowie die Auswirkungen auf das eigene Leben, wie das Beleben der Städte, eine größere Vielfalt mit mehr Angeboten und die gesteigerte Attraktivität, sind.“

Die explizit negativen Erfahrungen lassen sich auf wenige Punkte beschränken: überfüllte Strände, hinterlassener Müll, zu wenige Parkmöglichkeiten. Hier sind kurz- bis mittelfristige Lösungen aufzeigbar, anderes muss langfristig angegangen werden.

An anderer Stelle wurde die Rolle der Touristinformationen beleuchtet. Hier zeigt sich Verbesserungspotenzial, denn sie werden von den Einheimischen eher selten aufgesucht, obwohl hier alle Informationen rund um Erlebnisse verfügbar sind. Doch das ist eben auch online der Fall, denn die Website ist gut bekannt. Das Interesse an Ausflügen besteht und kann so gedeutet werden, dass die Heimat attraktiv gefunden wird. Die Social-Media-Kanäle sind etwa der Hälfte der Befragten geläufig. Dort könnte, so Eva Laus Vorstellung, noch besser die persönliche Sicht der Einheimischen dargestellt werden. Durch Erlebnisberichte können vielleicht auch potenzielle Gäste neugierig auf die Region gemacht werden. „Wir wollen es für beide Seiten interessant und informativ machen.“

Angebote für Einheimische erwünscht

Allerdings ist die Bereitschaft, sich einbinden zu lassen bzw. einzubringen eher gering. Dennoch lautet eine andere Idee: Einheimische finden, die als Botschafter der Region auftreten und präsentiert werden. Bisher wurden für die Vermarktung nach innen beispielsweise Taxifahrer und Friseure geschult – durch neu ausgebildete Gästeführer. So können die Dienstleister im Kontakt mit der hiesigen Bevölkerung zukünftig Tipps und Erfahrungen weitergeben. Eva Lau ist mit der bisherigen Resonanz zufrieden. Diese speziellen Touren sollen regelmäßig stattfinden. Denn das Interesse an Angeboten speziell für Einheimische besteht. Das wird beispielsweise während der Seenland-Tage, die nach zweijähriger Pause am 11./12. Juni stattfinden, berücksichtigt werden. Dann sind ausgewählte Informationstouren für Einheimische geplant.

Ein Punkt ist Eva Lau noch wichtig: „Wir sind als Tourismusverband lediglich der Dachverband für das Marketing und haben keine eigenen Angebote.“ Daher gilt es, die Anbieter von Erlebnissen und Übernachtungen weiter zu stärken, mit Bekanntheit und Buchbarkeit weiter zu helfen. In diesem Bereich wurden die Möglichkeiten auf der Website weiter ausgebaut.

Dennoch sind Broschüren weiterhin beliebtes Infomaterial. Denn neben dem Seenland-Magazin gibt es noch einige Falthefte, die weniger umfänglich sind. Solche Printprodukte lassen sich laut der Umfrage am besten an Orten platzieren, die eh schon als tourismusnah angesehen werden können – da geht es schon um das Thema Freizeitgestaltung, dort ist die Bevölkerung dafür empfänglich.

All das zeigt, so ist der Bachelorarbeit zu entnehmen, dass noch nicht alle Potenziale des Binnenmarketings ausgeschöpft sind, aber das Tourismusbewusstsein schon weit ausgeprägt ist. Und so ist diese wissenschaftliche Arbeit lediglich ein erster Beitrag und Ansatzpunkt zur Verbesserung einer Marketing-Strategie, hebt Eva Lau hervor.

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