merken
PLUS Hoyerswerda

„Glück auf“ ist keine Floskel

Energiefabrik Knappenrode lädt zur neuen, sehr gelungenen Dauerausstellung ein – kleine Nachbesserungen erwünscht

Der Spielmannszug Oberlichtenau intonierte das Steigerlied – etwas anderes wäre gar nicht gegangen zur Wiedereröffnung der Energiefabrik.
Der Spielmannszug Oberlichtenau intonierte das Steigerlied – etwas anderes wäre gar nicht gegangen zur Wiedereröffnung der Energiefabrik. © Foto: Gernot Menzel

Von Angela Donath.

Hoyerswerda. Nach dreijähriger Umbauphase wurde gestern das Bergbaumuseum, die Energiefabrik Knappenrode, für die Öffentlichkeit frei gegeben. Rund 100 Gäste waren bereits am Tag zuvor zur Eröffnungsveranstaltung eingeladen. Das unfreundliche Herbstwetter erinnerte ein wenig an den 23. Februar 1993, an den Tag der Stilllegung der Brikettfabrik. Die Menschen froren auch damals; es schneite und so mancher gestandene Bergmann hatte Tränen in den Augen, als Fabriksirene und Steigerleid an diesem Ort erklangen. Auch zur Eröffnung der neuen Ausstellung wurde das Steigerlied gespielt, dargeboten vom Spielmannszug Oberlichtenau. Mitgesungen wurde auch, aber der Gesang wird dünner. Kohle und Bergbau in der Lausitz sind Auslaufmodelle. Gerade deshalb ist es so wichtig, in einem Museum wie der Energiefabrik daran zu erinnern.

Anzeige
Bauen, Wohnen, Einrichten leicht gemacht
Bauen, Wohnen, Einrichten leicht gemacht

Ein Haus einzurichten oder den Umzug in eine neue Wohnung zu organisieren, treibt so manchem Zeitgenossen die Schweißperlen auf die Stirn.

Einst die modernste Fabrik

„Dieses Museum war einmal die modernste Brikettfabrik Deutschlands“ sagte der Bautzener Landrat Michael Harig in seiner Rede an die Gäste. „Die Begrüßung mit «Glück auf» ist hier keine Floskel“, betonte er. Sie sei „genau so geprägt von Stolz und Heimatverbundenheit wie das «Grüß Gott» in anderen Regionen Deutschlands.“

Er dankte allen Fördermittelgebern, die zur Finanzierung und allen Gewerken, die zur Realisierung des großen Investitionsvorhabens beigetragen haben. Neben dem Landkreis selbst sind das der Bund und das Land Sachsen mit einer Vielzahl von Förderprogrammen. Ganz besonders dankte er seiner zweiten Beigeordneten, Birgit Weber, die dieses Umbauprojekt stringent und mit sehr viel Herzblut geleitet hat. „Ein Projekt mit sieben Teilen und einer Investitionssumme von 15,4 Millionen Euro war sicher eines der anspruchsvollsten, die der Landkreis Bautzen je durchgeführt hat“, schätzte der Landrat ein. Die Millionen flossen nicht allein in die neue Ausstellung. Neu gestaltet zeigen sich auch die Außenanlagen, der Zugang zum Museum und die Erschließung des gesamten Areals.

Vorbereitung ist alles, besonders wenn es um die kleinen Details geht, an denen alles scheitern kann, wenn man ihnen nicht genügend Aufmerksamkeit schenkt. Kirstin Zinke, die Leiterin der Energiefabrik Knappenrode, hatte jedenfalls alles bedacht – bis hin
Vorbereitung ist alles, besonders wenn es um die kleinen Details geht, an denen alles scheitern kann, wenn man ihnen nicht genügend Aufmerksamkeit schenkt. Kirstin Zinke, die Leiterin der Energiefabrik Knappenrode, hatte jedenfalls alles bedacht – bis hin © Foto: Gernot Menzel

Fixpunkt der Industriekulturroute

Dem Dank des Landrates schloss sich die Sächsische Staatsministerin für Kultur und Tourismus, Barbara Klepsch, an, die den sächsischen Ministerpräsidenten Michael Kretschmer vertrat. „Die Neueröffnung des Museums ist ein wichtiger Baustein für die Standortentwicklung von Hoyerswerda. Auf diese Weise wird die historische Siedlung Knappenrode mit dem Bergbaumuseum und dem Lausitzer Seenland verknüpft. Knappenrode ist über die Jahre ein echter Besuchermagnet in der Region geworden und daher völlig zu Recht ein Fixpunkt der europäischen Industriekulturroute. Ich bin sicher, dass nach der Neu-Eröffnung noch mehr Besucherinnen und Besucher aus aller Welt große Freude daran haben werden, die Energiefabrik Knappenrode zu erkunden.“

Nach den kurzen Grußworten von Oberbürgermeister Stefan Skora und Ralf Burkhart, dem Vorsitzenden des Zweckverbandes Sächsisches Industriemuseum, und dem gemeinsamen Banddurchschnitt durfte die neue Ausstellung von den gespannt wartenden Gästen erkundet werden – coronabedingt natürlich in kleineren Gruppen mit größerem Abstand. Die Ausstellung betrachtet nicht mehr allein die Geschichte der Brikettfabrik. Im Fokus stehen die gesamte Region, das Leben der Menschen vor der Kohle und mit der Kohle und die Veränderung der Menschen und der Landschaft durch die Kohle. Auf Displays begegnen uns, dargestellt von Schauspielern und untersetzt mit Archivmaterial, bekannte Zeitzeugen, die sich mit dieser Veränderung auseinandersetzten und dabei nicht immer auf Gegenliebe stießen – wie der Sänger Gerhard Gundermann, die Schriftstellerin Brigitte Reimann und der Maler Kurt Klinkert. Betrachtet wird ebenso der Einfluss der Industrialisierung auf das angestammte Siedlungsgebiet der Sorben. Kurz: Die Ausstellung ist inhaltlich ein Muss!

Grubenlicht und Perspektiven

Die Umsetzung hingegen bedarf noch einiger Nachbesserungen. Die Räume sind dunkel. Natürlich. Wir befinden uns schließlich in der Kohle! Allerdings benötigt der Besucher zum Lesen und Erfassen der Texttafeln und zum genauen Betrachten der Exponate wohl doch das eine oder andere Grubenlicht. Das betrifft sicher vor allem auch die Rollstuhlfahrer. Der Rundgang ist barrierefrei, doch die Lesbarkeit gerade aus der Perspektive dieser Besuchergruppe scheint problematisch. Das alles sind sicher Anfangsschwierigkeiten, hier kann nachgebessert werden.

Durften an die Scheren: von links nach rechts der Bautzener Landrat Michael Harig; Birgit Webe, Beigeordnete des Landrates; die Sächsische Staatsministerin für Kultur und Tourismus, Barbara Klepsch; Hoyerswerdas Oberbürgermeister Stefan Skora und der Vors
Durften an die Scheren: von links nach rechts der Bautzener Landrat Michael Harig; Birgit Webe, Beigeordnete des Landrates; die Sächsische Staatsministerin für Kultur und Tourismus, Barbara Klepsch; Hoyerswerdas Oberbürgermeister Stefan Skora und der Vors © Foto: Gernot Menzel

Dank an die Gründerväter

Nicht nachgebessert und auch nicht nachvollzogen werden kann die Tatsache, dass keiner der Redner in seinen Dankesworten an die Menschen erinnerte, denen bereits im Februar 1993 klar war, dass aus der Brikettfabrik in Knappenrode ein Museum werden muss und die somit den Grundstein dafür gelegt hatten. Sie stießen damals nicht überall auf Begeisterung; sie rannten mit ihren Ideen in der Zeit des dramatischen wirtschaftlichen Strukturbruchs in der Lausitz keineswegs überall offene Türen ein.

Unser Dank geht aus diesem Grund und auf diesem Weg besonders an Wilfried Sauer und Ulrich Klinkert und an die vielen unermüdlichen und engagierten Mitglieder des Fördervereins, die immer an den Erfolg des Museums geglaubt haben.

So werden die Gäste künftig empfangen.
So werden die Gäste künftig empfangen. © Foto: Gernot Menzel

Mehr zum Thema Hoyerswerda