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Hoyerswerda nähert sich seinen Straßen

Es gibt viel zu tun, aber nur wenig Geld. Verwaltung und Räte brauchen eine Marschroute.

Die Dresdener Straße war vor über 100 Jahren vielleicht die prächtigste Straße der Stadt, beidseitig mit Bäumen bestanden. Auch heute macht sie durchaus noch Eindruck. Wenn man sie aber erneuern will, bekommt man es praktisch mit allen Problemen des
Die Dresdener Straße war vor über 100 Jahren vielleicht die prächtigste Straße der Stadt, beidseitig mit Bäumen bestanden. Auch heute macht sie durchaus noch Eindruck. Wenn man sie aber erneuern will, bekommt man es praktisch mit allen Problemen des © Foto: Uwe Schulz

Hoyerswerda. Die kommenden Wochen bringen einige Straßenbaustellen in Hoyerswerda mit sich. Die Kreuzung am Congresshotel bekommt eine neue Oberfläche, der östliche Abschnitt der Niederkirchnerstraße ebenso. Und auch die Straße Am Stadtrand wird im Zuge des Schulumbaus noch ertüchtigt. In der Huttenstraße wurde ein Gehweg mit Asphalt überzogen. Das war es dann aber auch schon. Es gibt derzeit keine investiven Fördermittel. Dietmar Wolf, Fachbereichsleiter Bau bei der Stadtverwaltung, schätzte gegenüber dem Technischen Ausschuss jetzt ein: „Die jährlich zur Verfügung stehenden Mittel für die Unterhaltung dieser Straßenbestandteile waren in der Vergangenheit nicht ausreichend“.

Es gibt viel zu beachten

In diesem Jahr sind es 1,25 Millionen Euro, um die Straßenzustände zu erhalten oder aber die Nutzungszeiträume erheblich zu verlängern. Das Netz umfasst allein 195 Kilometer Gemeindestraße. Und das ist ungefähr noch genauso viel Straße wie vor 30 Jahren, als Hoyerswerda mehr als doppelt so viele Einwohner hatte. Vor einem Jahrzehnt, als Hoyerswerda freiwillig in die Haushaltskonsolidierung ging, wurde billigend in Kauf genommen, dass am Straßennetz gespart wird. Hoyerswerda investierte dank üppiger Fördergelder lieber beispielsweise in Schulen.

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Es gab auch Prioritätenlisten, die abgearbeitet werden sollten bzw. konnten. Doch nach Ansicht der Verwaltung erzielten diese bei der Abarbeitung vorhandener Mängel nicht die erwartete Wirkung. Es sind mehr oder weniger Bestandsaufnahmen zu Übersichtszwecken. Die Listen werden kontinuierlich fortgeführt.

In der Zusammenarbeit von Verwaltung und Stadträten schlägt die Verwaltung eine gemeinsame Aktualisierung / Fortschreibung dieser Prioritätenlisten für Straßenbauvorhaben unter Berücksichtigung von Einflussfaktoren vor, insbesondere was die Ermittlung von Erneuerungsbedarfen an Geh- und Radwegen anbelangt. Im Rahmen der Haushaltsbeschlüsse sind dann auch Beschlussfassungen zu Straßenbauvorhaben, insbesondere Geh- und/oder Radwegerneuerungen einzuplanen. Und es müssten Instandhaltungs- bzw. Unterhaltungsvorhaben im Ergebnishaushalt veranschlagt werden.

Am vernünftigsten wäre es wohl, eine Straße samt Geh- und Radwegen, Straßenbeleuchtung und unterirdischer Versorgungswirtschaft zu erneuern. Manchmal wäre es auch schön, wenn nur mal ein Gehweg schnell gemacht werden würde. Doch Dietmar Wolf versuchte jüngst die Mitglieder des Technischen Ausschusses dafür zu sensibilisieren, was alles zu beachten ist, wenn man über Geh- und Straßenbau redet. Das Paradebeispiel, bei dem praktisch alle Problempunkte zu finden sind, ist die Dresdener Straße zwischen Bahnübergang und dem Abzweig zur Wittichenauer Straße bzw. sogar fortführend bis zur Bundesstraße 97 am Adler. Ende des 19. Jahrhunderts baute sich Hoyerswerda hier an der Chaussee eine prächtige breite Allee, an der sich Firmen niederließen, aber auch zeitgemäße vorzeigbare Wohngebäude entstanden. Will man sie jetzt grundhaft ausbauen, würde diese auf der Grundlage der Richtlinien für die Anlage von Stadtstraßen geschehen. Und da gibt es für eine städtische Einfahrtsstraße ganz klare Vorgaben, was beispielsweise den Straßenquerschnitt anbelangt. Momentan handelt es sich um eine gepflasterte Straße, was Vorteile bei der Regenwasserversickerung mit sich bringt. Ansonsten gibt es in der Straße einige Sickerschächte und Entwässerungsaltanlagen auf einigen Abschnitten. Eine flächige Instandsetzung mit Vollversiegelung, sprich Asphaltierung, ist unmöglich, da das Regenwasser nicht abgeleitet werden kann. Baut man neu, muss auch die Entwässerung gebaut werden. Wenn man sich dazu durchringt, wird man alle Straßenbäume fällen müssen, da sich Baumwurzeln und Straßenkörper ins Gehege kommen, die unterirdische Versorgungswirtschaft ist natürlich auch betroffen. Es gibt in der Straße teils ungünstige Konstellationen von Straßenlaternen zu den Verteilerkästen. Und noch verrückter wird es, wenn man sich dem Thema Geh-/Radweg widmet. Denn bestehende Grundstückszufahrten sind Sache des Eigentümers des darüber erschlossenen Grundstückes. Nur die zwischen den Zufahrten liegenden Wegestücken sind Sache der Kommune. Und daher findet man westlich der Dresdener Straße einen Mix aller gängigen Wegebefestigungsmaterialien der letzten vierzig Jahre.

Der Geh- und Radweg wird von zahlreichen Grundstückszufahrten unterbrochen. Die Zufahrten sind Privatsache, der Weg hingegen kommunale. Und würde man jetzt den Weg grundhaft erneuern, wäre dies ungünstig bei einem möglichen Straßenausbau.
Der Geh- und Radweg wird von zahlreichen Grundstückszufahrten unterbrochen. Die Zufahrten sind Privatsache, der Weg hingegen kommunale. Und würde man jetzt den Weg grundhaft erneuern, wäre dies ungünstig bei einem möglichen Straßenausbau. © Foto: Uwe Schulz

Ein Straßenbauprogramm?

Erneuert die Kommune nun den Geh-/Radweg, bleiben die Zufahrten wie sie sind, denn die Anlieger können in diesem Fall nicht gezwungen werden, ihre Zufahrten zu erneuern. Der in diesem Fall geschaffene Fahrkomfort würde sich dann doch arg in Grenzen halten. Anders sieht es aus, wenn die Straße samt Nebenanlagen grundhaft ausgebaut wird. Dann sind die Zufahrten mit fällig und die Anlieger werden gemäß Ausbaubeitragssatzung beteiligt. Doch auch wenn die Straße als erneuerungsbedürftig einzustufen ist, so könnte es doch sein, dass die flächenhafte Instandsetzung zuzüglich der Reparatur von Gefahrenstellen noch lange Zeit die erste Wahl der Lösungen bleibt.

Nichtsdestotrotz ist klar, dass die Stadt Hoyerswerda beim Thema Straßen und Wege dran bleiben muss. Ralph Büchner (Linke) schlug im Technischen Ausschuss denn auch vor: „Wir sollten uns durchringen, ein Straßen- und Gehwegbauprogramm aufzulegen.“ Und wenn die staatlichen Bauförderprogramme alle hoffnungslos überzeichnet sind, dann sollte der Städte- und Gemeindetag laut aufschreien.

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