Hoyerswerda
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„Ich fühle mich um fünfzig Jahre jünger“

Liedermacher Gerhard Schöne kam mit einem Kinderprogramm nach Hoyerswerda und begeisterte auch Erwachsene.

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Liedermacher
Gerhard Schöne braucht keine pompöse Bühnendekoration. Der 70-Jährige begeisterte am Samstag mit seinem Kinderprogramm in der Lausitzhalle.
Liedermacher Gerhard Schöne braucht keine pompöse Bühnendekoration. Der 70-Jährige begeisterte am Samstag mit seinem Kinderprogramm in der Lausitzhalle. © Foto: Silke Richter

Von Silke Richter

Hoyerswerda. Ein Mann mit Hut, Stimme, Gitarre und ein kleines Ensemble. Mehr braucht es nicht für einen Konzertnachmittag mit Gerhard Schöne. Die Rede ist von jenem Mann, der mit seinen 70 Lebensjahren immer noch an sein inneres Kind glaubt und dieses auch mit Leben erfüllt. Welch ein Segen und wohl dem, der das heutzutage noch so gut kann. Vielleicht ist genau das sein Erfolgsgeheimnis ...

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Wer den bodenständig wirkenden Liedermacher schon einmal erlebt hat, weiß, dass in seinen Kinderliedern auch gern mal Pupse, Popel und Rülpse vorkommen. Es sind Texte, die die Kinder an diesem Samstag auch in der Lausitzhalle zum Lachen bringen. Sie sind gern dabei, wenn der Mann mit Hut und Gitarre dazu einlädt, den Motor des „F-Tsch-Chqu - und Wumm-Apparates“ musikalisch zu starten, den kühnen von großen Wellen umgebenen Meeresbezwinger Thomas bei seinen Abenteuern in der Badewanne, aber auch die zarten, liebreichen Feen in den Zauberwald zu begleiten. Nahezu alle Zuschauer machen in irgendeiner Art und Weise mit und werden schnell Teil des Bühnenprogramms.

Es macht Spaß, dem Mann auf der Bühne und seinem Ensemble mit Puppenspielerin und Sängerin Kaja Sesterhenn sowie Marimba- und Vibrafone-Virtuose Wieland (Willi) Wagner zu erleben.

Auch wenn zuletzt Genannter die kleine Jule überhaupt nicht mag. Die Puppe, Protagonistin aus dem 1982 erschienenen Lied von Gerhard Schöne, taucht nämlich plötzlich ganz unerwartet auf der Bühne auf. Für Willi bricht jetzt eine kleine Welt zusammen ob der Tatsache, dass die scheinbar lebendig gewordene Puppe einfach nur nervt und das vorbereitete Programm völlig durcheinanderbringt. Dabei hatte alles so schön und strukturiert begonnen. Alles lief nach Plan. Bis Jule kam ... Den Zuschauern gefällt das kleine (gewollte) Chaos auf der Bühne. So wie im wahren Leben auch ist Jule nämlich ein völlig normales Kind, das hin und wieder quengelt, Pläne spontan über den Haufen werfen kann, sehr gern Geschichten und Lieder hört, (glücklicherweise) sehr viel Fantasie, aber eben auch Angst vor dem Einschlafen und Alleinsein hat. Und ganz schön neugierig ist sie auch noch. Sie will einfach alles wissen. Und so berichtet ihr Gerhard Schöne gern von seiner Familie: „Mein Bruder hat goldene Hände, verkauft Unfallautos als "neu". Und Opa ist Safeknackerkönig, drum haben wir Zaster wie Heu! - Mein Onkel ist Chef von der Kripo, und Tante die Chefin der Bank. Und halten wir immer zusammen, dann fließt auch der Kies lebenslang“, heißt es in dem Lied, bevor Künstler und Besucher zum gemeinsamen Refrain anstimmen: „Pinke, Pinke ...“ Ein weiteres „Schöne(s) Lied“ an diesem Nachmittag, das mal wieder sehr dicht an der Realität dran ist.

Die Atmosphäre in der Lausitzhalle erinnert an einen gemütlich, urigen, lauen Sommerabend mit Sonnenuntergang und Lagerfeuer, Kinderlachen, glücklich wirkenden Erwachsenen, die nicht nur miteinander Spaß, sondern auch sehr viel Fantasie und Zeit haben. Zeit für Leichtigkeit und Träume. Es scheint an diesem Nachmittag keinen Platz für Alltagssorgen, Nöte und Weltpolitik zu geben. Die 86-jährige Zuschauerin Eva Grüneberg bringt es abschließend auf den Punkt: „Ich bin total begeistert und fühle mich um fünfzig Jahre jünger. Das war so schön. Absolut empfehlenswert. Auch für Erwachsene.“

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