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In der Medizin die Berufung gefunden

Der Schwarzkollmer Simon Lattke möchte an der Charité in Berlin studieren. Darauf arbeitet er schon lange hin.

Simon Lattke ist in Hoyerswerda verwurzelt und möchte auch künftig die Nähe wahren, regelmäßig seine Familie besuchen, wenn er das Studium aufnimmt.
„Ich bin mit den Maltesern gewachsen und habe meine Berufung gefunden. Diese Einflüsse haben mich
Simon Lattke ist in Hoyerswerda verwurzelt und möchte auch künftig die Nähe wahren, regelmäßig seine Familie besuchen, wenn er das Studium aufnimmt. „Ich bin mit den Maltesern gewachsen und habe meine Berufung gefunden. Diese Einflüsse haben mich © Foto: Gernot Menzel

Hoyerswerda. Simon möchte an der Charité in Berlin Medizin studieren. Das ist der Wunsch des 18-Jährigen. Das Ziel fest im Blick, hat er darauf in den letzten Jahren hingearbeitet. Das bedeutet konkret das Erreichen eines bestimmten Durchschnitts beim Abitur und verschiedene Praktika, die ihn dieser Vorstellung nähergebracht haben.

Es braucht nur wenige Stichworte, und der junge Schwarzkollmer kann ohne Unterbrechung über die wichtigen Persönlichkeiten des Berliner Traditionshauses und ihre Errungenschaften erzählen. Die Namen der Koryphäen Virchow, Behring, Sauerbruch, Prokop fallen ganz schnell. Kein Wunder, denn er war schon mehrfach vor Ort, bildet sich selbstständig weiter und stellt zu diesem Zweck auch schon mal Experten unverfroren Fragen, wenn er nicht weiterkommt. „Ich möchte mehr über den menschlichen Körper wissen und so Menschen helfen“, ist dabei stets seine feste Ansicht.

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Alles begann bei den Maltesern

Schon in der fünften Klasse ist Simon Lattke zu den Maltesern gekommen, wurde Mitglied im Schulsanitätsdienst. Da hat er erstmals entdeckt, dass schon mit wenig Aufwand viel erreicht werden kann, wenn jemand medizinische Hilfe benötigt. Der Berufswunsch des Jungen wandelte sich also von Feuerwehrmann, Rettungssanitäter über Tierarzt hin zum Humanmediziner. Er sei schon immer biologisch interessiert gewesen und hat sich zunehmend zum menschlichen Körper belesen. Vorher nach eigener Aussage Durchschnittsschüler, hat sich der heutige Abiturient dann bald „dahinter geklemmt“. Der Wissensdurst konnte nicht immer gestillt werden, wenn auf der Suche nach Erklärungen Informationen im Internet zu schwierig, nicht fassbar waren. „Dann habe ich meine Fragen eben an Fachleute gestellt.“ So ist auch der Kontakt zu Prof. Dr. Michael Tsokos entstanden, der als Rechtsmediziner und Autor bekannt ist. Mit elf, zwölf Jahren schrieb Simon ihm einen Brief und fragte beispielsweise nach seinem Tagesablauf und seiner persönlichen Motivation. Seitdem besteht eine freundschaftliche Verbindung zwischen den beiden.

Der elterliche Rat

Viele Bücher und Reisen, zum Beispiel in das Berliner Medizinhistorische Museum der Charité, haben Simons Interesse weiter gesteigert. Für die Unterstützung ist er dabei seinen Eltern sehr dankbar, die beide im Justizvollzug tätig sind. „Ich soll mein Bestes geben, aber mich nicht überlasten“, gaben sie ihrem Sohn mit auf den Weg.

Im Jahr 2017, als Simon 14 Jahre alt war, absolvierte er sein erstes Praktikum im Bereich der Pflege. „Die Pflegekräfte haben dabei stark auf mich nachgewirkt.“ Der Schüler gewann weiteren Einblick, und bald stand fest, dass es zu dem Berufswunsch nun keine Alternative mehr gab. Im folgenden Jahr ist der Malteser in den Katastrophenschutz gewechselt, was wieder eine neue Sicht auf die Dinge ermöglicht hat. In unterschiedlichen Situationen muss punktgenau reagiert werden, ist seine Erfahrung. Er redet von der Bedeutung der richtigen Kommunikation mit Patienten und des Agierens mit verschiedenen Persönlichkeiten. Simon kann selbstständig Hilfsmaßnahmen durchführen, Fachkräften zur Seite stehen. Verschiedene thematische Ausbildungen hat er in diesen Jahren wahrgenommen, jährlich steht die Reanimation auf dem Programm.

In der neunten Klasse folgte ein Betriebspraktikum in der Pathologie des Hoyerswerdaer Klinikums. Entgegen der Vorstellung geht es vor allem um Gewebeproben, erklärt der 18-Jährige. Im nächsten Schuljahr folgte das Sozial- und Diakoniepraktikum – ein besonderes Format am Johanneum – in der örtlichen Notaufnahme. Hier passieren Dinge unerwartet; Patienten sind für gewöhnlich in Notsituationen. „In diesen Momenten ist ein besonderes Fingerspitzengefühl in der Kommunikation und dem Umgang mit dem Patienten erforderlich.“ Schon alleine das Reden ist gut für das Wohlbefinden der Patienten, ist Simons Fazit aus dieser Zeit. „Ohne die Schwestern würde es dort nicht laufen.“ Die vielfältigen Aufgaben konnte der Hoyerswerdaer begleiten und teilweise auch assistieren: „Ich konnte etwas Produktives machen und die Arbeit der Ärzte und Fachkräfte erleichtern.“

Austausch-Semester in Frankreich

Eingangs sagte Simon, dass für die Medizin das Herz brennen sollte, wenn man es ernst meint und gut machen will. Das ist mittlerweile auch bei ihm zu beobachten. So schwärmt er von dem Studium an der Berliner Charité. In dem seit dem Wintersemester 2010/11 bestehenden Modellstudiengang Humanmedizin sind Vorklinik und Klinik von Beginn an miteinander verknüpft. „Gleich im ersten Jahr gibt es Kontakt zu Patienten“, erklärt Simon, was die Ausbildung so besonders macht. Er nennt das Universitätsklinikum ein weiteres Mal einen Vorreiter und schätzt die Geschichte des Hauses – mit medizinischer, gesellschaftlicher und politischer Bedeutung – wobei es darin absolute Glanzzeiten, aber auch einige dunkle Kapitel gibt, wie Simon es beschreibt.

Auch Berlin als Stadt spricht den Schwarzkollmer sehr an; „die multikulturelle Vielfalt“ reizt ihn. „Die ganze Welt ist hier vertreten.“ Und so geht der Blick auch schon etwas weiter. Die Idee eines Erasmus-Semesters in Frankreich steht im Raum. Ob der Austausch klappt, wird sich noch zeigen; aber auch daran arbeitet der junge Mann schon.

Von der 4 auf die 1

Derzeit legt Simon das Sprachdiplom DELF (Diplôme d’études de langue francaise) ab, um sich für ein mögliches Auslandssemester im Nachbarland zu qualifizieren. Ein kurzer Austausch während seiner Schullaufbahn hat die Faszination für dieses Land geweckt. „Das war wegweisend für mich.“ So hat sich der Schüler im Französisch-Unterricht von der Note 4 zu einer 1 gearbeitet und darin sogar eine Abiturprüfung abgelegt. Nun hofft Simon auf einen Schnitt von 1,1 bis 1,2, also auf Chancen, in nächster Zeit an seiner Wunsch-Universität aufgenommen zu werden. Falls das nach dem mehrstufigen Auswahlverfahren doch nicht gelingen sollte, so plant der 18-Jährige, ein vorgeschriebenes drei-monatiges Pflegepraktikum schon vorzuziehen. Den Platz dafür hat er bereits sicher.

Die Grundlagen, die einst bei den Maltesern gelegt wurden, entwickelten sich im Katastrophenschutz weiter und sind mit den Erfahrungen aus den Praktika zu Simons Leidenschaft geworden – Berufung, wie er sagt. Die Unterstützung durch die Familie, Lehrer und Ärzte war ebenso wichtig. Was bleibt, sind der Wissensdurst und die Bereitschaft, Menschen zu helfen.

Faszinierende Rechtsmedizin

Besonderes Interesse hegt Simon für die Rechtsmedizin. „Die Bücher von Prof. Tsokos faszinieren mich immens.“ Dieses Fachgebiet beschreibt er als sehr vielfältig, es setzt Kenntnisse in allen Bereichen voraus. „Einige Fälle können verstörend wirken, aber das gehört eben zum Leben dazu. Leben und Tod gehören zusammen.“ Der Endlichkeit des Lebens sieht er mit festen Zielen vor den Augen gelassen entgegen.

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