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Junge Kunst in der Braugasse zu sehen

Ein ehemaliger Hoyerswerdaer und eine Französin stellen aus, dabei sind sie auch kritisch mit der Kunstszene.

Eine neue Ausstellung wurde im Kunstraum Braugasse vorbereitet. Lisa Legain und Benjamin alias Artourette arbeiten dabei nicht das erste Mal zusammen.
Eine neue Ausstellung wurde im Kunstraum Braugasse vorbereitet. Lisa Legain und Benjamin alias Artourette arbeiten dabei nicht das erste Mal zusammen. © Foto: Juliane Mietzsch

Hoyerswerda. Nur noch selten ist Benjamin Butter in seiner Heimatstadt. Zuletzt gemeinsam mit Freunden, er hat sie durch Hoyerswerda, seine Vergangenheit geführt. Der Plan ging an vielen Stellen nicht auf, wenn Häuser, Straßenzüge, markante Punkte im Stadtbild verschwunden waren. „Alle Gebäude, mit denen ich etwas verbinde, existieren nicht mehr: der Wohnblock, das Schulgebäude, die Zwischenbelegung der KulturFabrik.“

Der 30-Jährige hat seinerzeit am Lessing-Gymnasium das Abitur abgelegt, absolvierte einen Zivildienst, ging nach Dresden und ist bis heute dortgeblieben. Die Frage, ob er gerne in Hoyerswerda verweile, verneint er ohne Umschweife. Er spricht von einem Schatten, der sich über die Erinnerungen gelegt hat.

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Die Jugend, eine Zeit, in der er politisch aktiv wurde, war auch geprägt von Auseinandersetzungen. Die scheinbar ostdeutsche Erzählung, von Nazis durch die Stadt gejagt worden zu sein, kann auch er wiedergeben. „Das war für mich nur durch diesen tollen Freundeskreis auszuhalten.“ Diese Verbindungen existieren noch, es wird Kontakt gehalten.

Fünf Jahre Kunstraum Braugasse

Jetzt ist er nach Hoyerswerda gekommen, um seine Kunst auszustellen. Das war bereits für den vergangenen November geplant. Der 20. Kunstraum Braugasse musste verschoben werden. Kurator Michael Kruscha verfolgt damit auch die Idee, „Leute zu zeigen, die die Stadt kennen“. Ebenfalls Susanne Renner-Schulz, die im Herbst 2020 im Bürgerzentrum ausstellen durfte, ist in Hoyerswerda geboren. Heute lebt sie in Leipzig.

Die Präsentation im Haus Braugasse 1 ist nicht in einem Ausstellungsraum konzipiert, sondern ist eher eine „Laufstrecke“ im ganzen Haus, wie es Michael Kruscha nennt. Zuletzt wurden größere Rahmen im Format 70 mal 100 Zentimeter zugekauft, um damit auf die Gegebenheiten, die großen Flächen einzugehen, die auf mehreren Etagen zur Verfügung stehen.

Die zweite Person, die mit Benjamin Butter alias Artourette ausstellt, ist die in Frankreich geborene Lisa Legain. Sie kam während ihres Studiums des Bauingenieurswesens nach Dresden, hat eine deutsche Mutter. Daher lag es nahe, dass ihr Lebensweg auch irgendwann mal nach Deutschland führt. „Ich hatte schon immer Spaß an Gestaltung“, sagt die 26-Jährige. Dresden ist für sie und ihr künstlerisches Schaffen genau richtig. „Hier sind noch nicht alle Nischen besetzt. Ich würde in einer anderen Stadt untergehen.“

Die beiden arbeiten nun nicht das erste Mal zusammen. Bereits an der Gestaltung öffentlicher Flächen zum Beispiel in Dresden waren sie gemeinsam beteiligt. Bald folgt ein ähnliches Projekt in Zwickau.

Für gewöhnlich arbeitet Lisa Legain meistens mit Keramik. Doch das ließe sich nur schwer auf eine sichere Art präsentieren. Lediglich zwei Teller, mit Sätzen auf Französisch, hat sie mitgebracht. Die Buchstaben haben fast mehr Reiz als der Inhalt. Das Spiel mit der Schrift mag sie. Gebrauchsgegenstände wie Tassen verkauft die junge Frau gerne. „Das ist niederschwelliger und die Person hat Spaß daran, sie wird direkt erreicht.“

Gedanken durch Kunst teilen

Zwei- bis dreimal wöchentlich ist der ehemalige Hoyerswerdaer in seinem Atelier, produziert dort linear Malerei. „Ich versuche, einen künstlerischen Ansatz zu verfolgen, der bodenständig ist.“ Er ist froh über Lisas gelegentliche Meinung. „Nur mit Schulterklopfen kommt man nicht weiter. Wir beide begegnen uns kritisch.“ Sie sind sich einig, dass eine zweite Person vom Fach viel wert ist. Über die Möglichkeit, auszustellen sind die Künstler froh, eine Absage wurde befürchtet.

Nun wünschen sie sich, dass Menschen vielleicht über die Werke ins Gespräch kommen. Das Ziel sei, einfach Lebensfreude zu teilen, Gedanken zu vermitteln, wie Lisa Legain es beschreibt. Dieser Zugang ist gewünscht, denn die Kunstszene beschreibt Artourette schon mal als „elitären Haufen“. Das ärgert ihn, obwohl er weiß, dass er Luxusgüter schafft. Bei Verkäufen zeigt er sich gerne solidarisch, erkundigt sich nach dem Beruf und legt dann einen Preis fest. „Meine Zielgruppe sind alle Leute, die sehen können.“ Er ist dankbar, dass im Bürgerzentrum Kunst zugänglich gemacht wird. Einen Rundgang mit Freunden möchte Benjamin Butter dennoch bald wiederholen – dann besser vorbereitet als zuvor.

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