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Kaum Gedränge am Amphibienzaun

In Wiednitz kümmert sich neuerdings eine Ortsgruppe des BUND darum, dass Frösche, Kröten und Molche unbeschadet ihr Laichgewässer erreichen.

Gerd Schön (stehend) hat Tipps zum Aufbau gegeben. Silvia Glätzner und ihr Sohn Willi sorgen für ein sicheres Geleit ins Laichgewässer.
Gerd Schön (stehend) hat Tipps zum Aufbau gegeben. Silvia Glätzner und ihr Sohn Willi sorgen für ein sicheres Geleit ins Laichgewässer. © Foto: Ralf Grunert

Wiednitz. Der wohl kürzeste Amphibienschutzzaun weit und breit steht – mit nicht mal hundert Metern Länge – in Wiednitz an der Bahnhofsstraße. Und das erstmals seit mehr als fünf Jahren wieder. Die erst vor gut einem Jahr gegründete Ortsgruppe Bernsdorf und Umgebung im BUND hat die Initiative ergriffen. Am 7. März wurde in Eigenregie der von der Stadt bereitgestellte Kunststoffzaun errichtet.

Tipps zum Aufbau gab es von Gerd Schön, der viele Jahre lang während der Krötenwanderung Zehntausende Amphibien sicher über die Straße in ihr Laichgewässer befördert hat. Als er dazu gesundheitlich nicht mehr in der Lage war, wurde kein Schutzzaun mehr errichtet. Allerdings nahm auch die Anzahl der Amphibien, die auf Wanderschaft gegangen sind, in den letzten Jahren drastisch ab. Insbesondere die Trockenheit wird dafür verantwortlich gemacht.

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Wie es aktuell um die Amphibien-Population in Wiednitz bestellt ist, das wollen die Mitglieder der BUND-Ortsgruppe in Erfahrung bringen, erzählt die stellvertretende Ortsgruppen-Vorsitzende Silvia Glätzner. Die alteingesessene Wiednitzerin erinnert sich noch an Zeiten, in denen man während der Krötenwanderung bei Dunkelheit genau hinschauen musste, um nicht auf einen Frosch oder eine Kröte zu treten. Das konzentrierte sich nicht nur auf die Bahnhofsstraße im Bereich des dortigen Feldes, sondern erstreckte sich über die gesamte Bahnhofssiedlung. „Manchmal war der ganze Hof voller Kröten. Das können unsere Kinder gar nicht glauben.“

Sylvia Glätzner gehört zu den fünf Ortsgruppen-Mitgliedern, die regelmäßig die in den Boden eingelassenen Eimer entlang des Zaunes kontrollieren und leeren. „Wir haben einen Wochenplan, wer wann an der Reihe ist.“ Silvia Glätzner wird nicht selten von ihrem Sohn Willi begleitet, insbesondere in den Abendstunden. Der Junge kennt sich schon bestens mit den Amphibien aus. Kamm- und Teichmolche, so zählt er auf, fanden sich in den Eimer, ebenso Teich- und Laubfrösche. „Und eine Maus.“

Knoblauchkröten kommen besonders häufig vor. Mittwochmorgen wurden 19 Exemplare gezählt. Erkennbar sind sie an der Pupillenstellung in den Augen und der bronzefarbenen Haut, erzählt Ortsgruppen-Mitglied Thomas Mansfeld und fügt schmunzelnd hinzu: „Man lernt nie aus.“

Das findet auch Silvia Glätzner. „Mein Ansinnen ist es, das Kleinod Natur unseren Kindern näherzubringen.“ Sie zeigt auf das angrenzende Feld und sagt: „Das ist eben nicht nur ein Acker, sondern auch ein Überwinterungsgebiet für Amphibien.“

Bislang wurden in diesem Jahr etwas über tausend Amphibien am Zaun in Wiednitz gezählt, so eine grobe Schätzung. Kein Vergleich zu 2010. Da waren es laut Statistik von Gerd Schön mehr als 5.000 gewesen. „Es ist alles recht spät in diesem Jahr“, findet Silvia Glätzner, sieht man mal von einer kurzen Wanderschafts-Phase Ende März ab. Sie ist angesichts der zuletzt gestiegenen Temperaturen aber optimistisch, dass es einen weiteren Schub gibt. „Wir werden den Zaun noch stehen lassen.“

Mit Stirnlampe und Eimer ging es auch nahe des Waldes an der Bahnhofssiedlung auf Pirsch. Hier wurden vor allem Erdkröten eingesammelt. Fotos: Silvia Glätzner(2)
Mit Stirnlampe und Eimer ging es auch nahe des Waldes an der Bahnhofssiedlung auf Pirsch. Hier wurden vor allem Erdkröten eingesammelt. Fotos: Silvia Glätzner(2) © undefined
Dieses leuchtend grüne Exemplar eines Laubfrosches saß in einem Eimer. Kurz nach diesem Schnappschuss schwamm er im benachbarten Teich an der Bahn.
Dieses leuchtend grüne Exemplar eines Laubfrosches saß in einem Eimer. Kurz nach diesem Schnappschuss schwamm er im benachbarten Teich an der Bahn. © undefined

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