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Kita ist gut, Bürgerzentrum ist besser

Im Ortschaftsrat Zeißig wurden erste Ideen und mögliche Standorte zum Neubau einer Kindertagesstätte vorgestellt.

Ortsvorsteher Jens Sarodnick hofft auf eine baldige Lösung.
Ortsvorsteher Jens Sarodnick hofft auf eine baldige Lösung. © Archivfoto: Mirko Kolodziej

Zeißig. Der Hoyerswerdaer Ortsteil wird am 1. Juni, also am Dienstag der übernächsten Woche, um 10 Uhr seinen neuen Spielplatz an der Dorfaue einweihen. Damit wird ein sich über Jahre hinweggezogenes Vorhaben zum guten Ende gebracht, wenngleich noch ein paar Ergänzungen und Korrekturen erfolgen müssen.

Der Ortschaftsrat, allen voran Ortsvorsteher Jens Sarodnik, hofft nun, dass die Verwirklichung des nächsten Vorhabens in Sachen „kinderfreundliches Zeißig“ nicht eben so lange wird warten müssen: der Ersatz-Neubau der Kindertagesstätte Lutki-Haus. In der letzten Woche gab es dazu eine Beratungsrunde, bei der erste Schritte gegangen wurden, nämlich überlegt; wie die künftige Kita aussehen kann – und vor allem, wo sie stehen sollte.

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Das Wittichenauer Planungsbüro Gumpert und der Zeißiger Ortsvorsteher hatten sieben Ideen, wobei zunächst Grundstücke in kommunaler Hand Vorrang bei der Betrachtung haben. Vier weitere Standort-Möglichkeiten würden den Erwerb privater Flächen zur Voraussetzung haben. Allerdings ist mit den Eigentümern noch nicht gesprochen worden, ob ihrerseits Bereitschaft bestehen würde, falls ihre Areale in die engere Auswahl kämen. Das soll nun nach und nach geschehen. Allerdings sind die zur Verfügung stehenden kommunalen Flächen „erste Wahl“. Ortsvorsteher Jens Sarodnik stellte sie kurz in der jüngsten Ortschaftsratssitzung am Donnerstag vor.

Variante 1: Verbleib am alten Standort

Die Awo-Kita „Lutkihaus“ an der Dorfaue 2 würde abgerissen werden, stattdessen ein anderthalbstöckiger Neubau mitsamt einem Parallelbau errichtet werden, so dass mit dem Jugendclub im Obergeschoss ein U-förmiges Ensemble entstünde. Insgesamt würden 545 m² Gebäudefläche zur Verfügung stehen. Es hätte natürlich etwas für sich, am gewohnten Platz zu bleiben. Allerdings müsste dann das nachbarschaftliche Einvernehmen hergestellt werden wegen der höheren Bebauung – und der Spielplatz für die Krippenkinder müsste weichen, wenigstens aber entschieden verkleinert werden. Das, so Jens Sarodnik, sei also nicht unbedingt die ideale Lösung.

Variante 2: Bolzplatz

Diese Fläche ist gleichfalls kommunales Eigentum. Zur Verfügung stünden 2.100 m² Bauland; entstehen könnte eine Einrichtung, die in etwa ein Adäquat zu der jetzt in Schwarzkollm gebaut werdenden Kindertagesstätte mit 675 m² Innenraumfläche darstellt. Allerdings würde das bedeuten, dass der Bolzplatz, eine Art offener „Jugendtreff“, aufgelöst wird, „... und das wollen wir nicht“, sagte der Ortsvorsteher kategorisch. Also ist auch das nicht das berühmte Ei des Kolumbus.

Variante 3: Areal an der Ortsteilverwaltung

Dafür, also für die Nutzung der „Maibaumwiese“ und des noch mit Schuppen und Garagen überbauten Areals, so Jens Sarodnik, spräche vieles. Mit 2.590 m² wäre die bebaubare Fläche die opulenteste – und es wäre daher möglich, nicht nur die Kindertagesstätte dort zu bauen, sondern eventuell sogar eine Art Bürgerzentrum. Das wäre dem Ortsvorsteher am sympathischsten, denn eine solche Einrichtung gibt es in Zeißig nicht. Der Zeißighof hat ja keinen (mittelgroßen) Saal für Veranstaltungen, und der Saal im Obergeschoss des Gebäudes der Freiwilligen Feuerwehr an der Dorfaue 3 a (in dem ja auch der Ortschaftsrat tagt), hat gleich zwei „Pferdefüße“: Zum einen gehört er nicht der Kommune und wird nur gemietet; das heißt, man ist immer ein bisschen vom Wohlwollen des Eigentümers abhängig. Viel schwerer aber wiegt, dass er im Obergeschoss liegt, nur über eine Treppe zu erreichen ist. Das ist besonders für ältere Zeißiger Bürger bei dort ausgerichtet werdenden Veranstaltungen eine beschwerliche Hürde. Da könnte ein im visionären Bürgerzentrum neu gebauter ebenerdiger Saal für etwa 50 Personen die bessere Alternative sein. Als Multifunktionssaal, so Sarodnik, könne er ja ferner als Probensaal für die Jugend genutzt werden – oder sogar als Spielraum für die Kinder der Kindertagesstätte. Überhaupt könnten in diesem Bürgerzentrum auch noch andere Vereine, etwa der Kinderverein und die Jugend, ihren Platz finden. Was aber vor allem für diese Variante 3 spräche: Der Kita-Neubau, so schätzt das Büro Gumpert, würde mit zwei bis zweikommadrei Millionen Euro Baukosten zu Buche schlagen. Das kann die Kommune nicht stemmen. Die Stadt Hoyerswerda kann es nicht und der Ortsteil Zeißig schon gleich gar nicht. Fördermittel müssen also unbedingt her. „Aber zur Zeit sieht es damit für puren Kindergartenbau nicht so rosig aus“, weiß Sarodnik. Anders dagegen, wenn man in eine Förderung für vitale Dorfkerne rutschen oder an die Strukturwandelgelder-Töpfe kommen könnte. Das aber sei bei einem Bürgerzentrum weit wahrscheinlicher als bei einer Kindertagesstätte. – Freilich gab es auch Einwände. Ortschaftsrätin Brunhilde Richter beklagte, dass dann der Naturgarten am jetzigen Kita-Standort verloren sei – und gerade der sei doch wertvoll. Das wisse er durchaus, so Sarodnik; er habe den Garten ja schließlich (mit)gebaut, und für dessen Wasser-Anlagen habe man sogar den Dorfgraben angezapft; „das ist sicher ein Alleinstellungsmerkmal“. Aber das alles wöge die Vorteile von Standort 3 nicht auf, und eventuell könne man dort ja Ähnliches schaffen. Nicht erörtert wurde die Frage, wo dann künftig das Maibaumwerfen stattfinden könnte. (Nicht ganz ernst gemeinter Vorschlag des Autors: vielleicht auf dem Zeißiger Rodelberg?)Neben diesen drei Vorzugsvarianten sind noch vier Areale, allesamt in privater Hand, Gegenstand der Betrachtungen.

Variante 4: Flächen hinter dem Zeißighof

Dafür spräche der weite „Auslauf“, den die Kinder dort haben könnten, da das Areal an nicht bebautes Gelände stößt.

Variante 5: Areal hinter der Feuerwehr

Das hätte den Vorteil der unmittelbaren Nähe zum Kinderbaumpark, der seit Jahren immer mehr Gestalt annimmt. Vielleicht ließe sich ja auch hier am ehesten eine Nutzung des Dorfgrabens zu „Wasserspielen“ wie am jetzigen Standort der Kindertagesstätte möglich machen. Allerdings gibt es dem Vernehmen nach dort auch schon andere Bau-Vorstellungen.

Variante 6: Ein Grundstück am Kreisverkehr

Auch kein schlechter Platz, doch wären auch hier Verhandlungen mit der Eigentümerin dieses „Filetstücks“ erforderlich.

Variante 7: Bauen am/hinter dem Grünen Kranz

Das hätte eine gewisse Logik, weil ja der Saal der Gaststätte an der Bautzener Straße eh schon kommunal genutzt wird. Da könnte der Kindergarten ebenfalls gut ins Ensemble passen.

Aber, Ortsvorsteher Jens Sarodnik sagte es noch einmal ausdrücklich: „Momentan haben wir nur Ideen. Alles ist noch im Fluss, und wir werden gewiss keine Entscheidung treffen, die nicht die verschiedensten Interessen berücksichtigt. Aber letztlich ist das Gemeinwohl entscheidend.“ Und nicht minder werden es die vorab angerissenen finanziellen Möglichkeiten der Stadt und des Ortsteils sein.

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