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„Konflikte und Streit gehören zum Leben“

Ingeborg Zomack engagiert sich seit 1982 für die Jugendfeuerwehr in Wittichenau.

Ingeborg Zomack (60) – vorn inmitten der Kinder und anderen Betreuer beim Zeltlager im Wald- und Strandbad – ist Urgestein der Wittichenauer Feuerwehr. Von 1982 bis 1986 und seit 1993 kontinuierlich leitet sie die Jugendfeuerwehr.
Ingeborg Zomack (60) – vorn inmitten der Kinder und anderen Betreuer beim Zeltlager im Wald- und Strandbad – ist Urgestein der Wittichenauer Feuerwehr. Von 1982 bis 1986 und seit 1993 kontinuierlich leitet sie die Jugendfeuerwehr. © Foto: Andreas Kirschke

Wittichenau. Begeisterung weckte das viertägige Zeltlager der Jugendfeuerwehr Wittichenau im Wald- und Strandbad. „Am meisten gefallen mir die Ausflüge. Und das gemeinsame Singen am Lagerfeuer“, meinte Teilnehmerin Greta Exner (10). Max Linus Moschke (11) erzählte vom gemeinsamen Kochen. Der Zusammenhalt der 20 jungen Teilnehmer und der Betreuer erfreute ihn Tag für Tag. Florian Dutschmann (10) und Nick Lux (12) spürten viel Teamgeist. Gern tragen sie Wettkämpfe wie die Gruppenstafette aus. Vielleicht, so meinten sie, finden sie ja gerade durch die Jugendfeuerwehr ihren Traumberuf Feuerwehrmann. „Da kann ich nur staunen“, freute sich Jugendwartin Ingeborg Zomack (60) über so viel Leidenschaft.

Ein rundes Berufs-Jubiläum

Von 1982 bis 1986 und seit 1993 kontinuierlich leitet sie die Jugendfeuerwehr. In Wittichenau wuchs sie ursprünglich auf. Hier ging sie zur Schule. Hier reifte ihr Wunschberuf Gärtnerin heran. „Im damaligen Bezirk Cottbus gab es jedoch keinen Ausbildungsplatz“, erinnert sie sich. „Daraufhin wollte ich Kindergärtnerin werden. Doch wieder kam etwas dazwischen. Ich fiel durch bei der Stimmprüfung. So lernte ich Kinderkrankenschwester im Katholischen Krankenhaus St. Barbara in Halle.“ Gleich nach der Ausbildung konnte Ingeborg Zomack im Kreiskrankenhaus Hoyerswerda arbeiten. Dort ist sie jetzt sage und schreibe 40 Jahre Krankenschwester kontinuierlich auf der Station für Orthopädie und Unfallchirurgie. „Am 7. September war Jubiläum“, sagt die Wittichenauerin.

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Die Beständigkeit, so erzählt sie, gab ihr der Vater Gerhard Zomack mit. Von 1969 bis 1979 leitete er die Wittichenauer Jugendfeuerwehr. Viele Jahre war er zudem stellvertretender Wehrleiter. „Feuerwehr lebte er uns immer mit Begeisterung vor“, erzählt die Tochter. „1969 rief er das Zeltlager ins Leben. Ich war mit viel Herzblut dabei. Wir Kinder schliefen auf Stroh und wuschen uns im Bach an der Schotschickmühle. Das waren andere Zeiten, aber die waren auch toll, und wir waren zufrieden.“

Ihr Vater, so unterstreicht Ingeborg Zomack, konnte gut organisieren. Weitsichtig und kreativ leitete er die Jugendfeuerwehr. Frühzeitig erkannte er den Wert und die Notwendigkeit kontinuierlicher Nach-wuchsarbeit. Daran knüpft seine Tochter an. „Ohne ihre Beständigkeit geht nichts. Gerade in unruhigen Zeiten ist das wichtig“, wertschätzt Wehrleiter Thomas Werner die Leidenschaft und den Ehrgeiz von Ingeborg Zomack. „Wir ergänzen uns gut – charakterlich, inhaltlich, in den Zielen.“

Mit acht Jahren können Kinder in die Jugendfeuerwehr eintreten. Heute gehören insgesamt 30 Schüler im Alter von acht bis 18 Jahren dazu. Sie kommen aus allen Wittichenauer Ortsteilen. 20 von ihnen nahmen am diesjährigen Zeltlager teil. Fast alle Teilnehmer schafften am Ende des Zeltlagers die „Jugendflamme 1“. Dabei mussten sie die Knoten der Feuerwehr wie Kreuzknoten, Mastwurf und Zimmermannschlag zeigen. Ebenso mussten sie zeigen, dass sie in der Erste-Hilfe-Leistung fit sind. Gefordert waren zudem der Umgang mit Lösch-Schläuchen und das Aufsuchen von Hydranten.

Spaß gehabt und viel erlebt

„Beim Zeltlager haben wir sogar ein Geländespiel (als Schnipseljagd) und ein Kriminal-Spiel erlebt“, sagt Paul Rönsch (12). „Das hat Riesenspaß gemacht.“ Ein Ausflug führte in die Energiefabrik Knappenrode. Dort lernten die Kinder und Betreuer bei einer Führung die Geschichte der Brikett-Herstellung und die heutige Nutzung der Kohle kennen. Die Kinder konnten beim Zeltlager auch nach Herzenslust baden, Fußball und Volleyball spielen.

„Feuerwehr gelingt nur in Gemeinschaft. Das hat stets oberste Priorität. Personell sind wir gut aufgestellt“, verweist die Jugendwartin auf ihre ausgebildeten Mitstreiter Matthias Rönsch, Jasmin Tranitz, Ben Knobloch, Marco Kasch und Andreas Frank. „Ich kann mich hundertprozentig auf sie verlassen.“ In der Ausbildung der Kinder und Jugendlichen legt Ingeborg Zomack viel Wert auf Offenheit, Fairness und Kameradschaftlichkeit.

Das Leitmotiv der Feuerwehr

Die Älteren in der Jugendfeuerwehr übernehmen erste Aufgaben. Die Jüngeren lernen bereitwillig immer wieder von ihnen. Mit 16 Jahren können die Schüler den Grundlehrgang Feuerwehr absolvieren. Viele bleiben bei der Feuerwehr dabei. Sie treten später in die freiwillige Feuerwehr ein. „Löschen, Retten, Bergen, Schützen“ lautet das Leitmotiv der Feuerwehr.

Ingeborg Zomack gibt es frühzeitig den Schülern mit. „Wichtig ist, den Kindern Freiheit zu lassen“, betont sie. „Sie sollen lernen, Konflikte auszuhalten und miteinander zu lösen. Sie sollen Toleranz lernen. Sie sollen lernen, mit anderen Meinungen umzugehen. Konflikte und Streit gehören zum Leben.“

Natürlich sollen sie eines Tages auch an Wettkämpfen teilnehmen. Das war seit Frühjahr 2020 wegen der Corona-Pandemie nicht möglich. Etliche Veranstaltungen fielen aus. Dazu gehörten unter anderem der „Leistungsmarsch der Jugendfeuerwehren“ und der Wettbewerb „Spiel ohne Grenzen“ – beides sonst organisiert von der Jugendfeuerwehr Weißkollm. „Wir haben diese Wettkämpfe vermisst. Wir sind meist mit dabei“, sagt Ingeborg Zomack. „Eine Zeit lang konnten wir wegen der Kontakt-Beschränkungen nicht mehr trainierten. Das zehrt an der Seele. Das geht an die Substanz. Auch die überörtliche Zusammenarbeit der Jugendfeuerwehren miteinander kam praktisch zum Erliegen.“

Im Sommer 2021 wurde (vorerst) vieles wieder möglich. Dank vieler Betreuer und Ehrenamtlicher gelang das Zeltlager im Wald- und Strandbad. Die Kinder lernten viel dazu. „Viele von ihnen bleiben im sozialen Bereich aktiv“, freut sich Ingeborg Zomack. „Sie engagieren sich später im Sanitätsdienst, in der Berufsfeuerwehr oder in der freiwilligen Feuerwehr.“ Mancher hört (bedingt durch Ausbildung und Studium sowie Wohnort-Wechsel) vorerst auf. Mancher findet wieder zur Feuerwehr zurück. Die Saat jedenfalls ist gesät, unterstreicht Ingeborg Zomack.

Zwei Mal nahm die Wittichenauer Jugendfeuerwehr schon an der Bundes-Meisterschaft teil. 2017 erreichte die Jugendmannschaft in Falkensee Platz 19. Zu den Disziplinen gehörten ein Lösch-Angriff nach Feuerwehrdienstvorschrift, ein 400- Meter-Stafetten-Lauf, bei dem Feuerwehr-technische Übungen absolviert werden müssen, und ein Programm-Teil, bei dem die Gruppe fünf Minuten ein Programm auf einer Bühne vortragen muss.

Fische im Ziegeleiteich gerettet

Im Jahr 2011 nahm die Mädchen-Mannschaft der Jugendfeuerwehr Wittichenau an der Bundes-Meisterschaft teil. Dort erreichte sie in Weimar Platz 26. Sie war die einzige reine Mädchenmannschaft. Was noch viel mehr wiegt, ist jedoch die Praxis im Alltag. „Wir hatten dieses Jahr schon einen richtigen Einsatz“, sagt Ingeborg Zomack. „Das war im heißen Juni. Im Ziegeleiteich drohten die Fische zu ersticken. Der Gehalt an Sauerstoff war zu niedrig. Wir wälzten das Wasser um. So konnten wir viele Fische noch retten.“

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