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Lebensschule und persönlicher Wegbereiter

Im Laubuscher Mal- und Zeichenzirkel wurde das Talent von Roxana Aust gefördert und der Weg zum Studium aufgezeigt.

Roxana Aust freute sich sehr, als sie beim Stöbern von Schülerzeichnungen im Schrank des Mal- und Zeichenzirkels im Laubuscher Kulturhaus ihre persönliche Bleistiftarbeit vom vorletzten Zirkel-Besuch im Jahr 2019 entdeckte.
Roxana Aust freute sich sehr, als sie beim Stöbern von Schülerzeichnungen im Schrank des Mal- und Zeichenzirkels im Laubuscher Kulturhaus ihre persönliche Bleistiftarbeit vom vorletzten Zirkel-Besuch im Jahr 2019 entdeckte. © Foto: Christine Primpke

Von Christine Primpke

Laubusch. Kürzlich konnte der Laubuscher Mal- und Zeichenzirkel ein ehemaliges Zirkelmitglied begrüßen. Roxana Aust absolviert gerade ein Praktikum am Léon-Foucault-Gymnasium in Hoyerswerda. Da war es doch Ehrensache, ihrem ehemaligen Zeichenzirkel im Laubuscher Kulturhaus einen Besuch abzustatten. Nach Abstimmung mit der Zirkelleiterin Ingrid Urbantke wegen der aktuellen Corona-Bestimmungen traf man sich kurzentschlossen zum Montagstreff mit einigen Mitgliedern.

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Es war eine sehr emotionale Begegnung. „Ach war das eine Freude, wieder mal auf meinem alten Platz ganz hinten rechts im Zirkelraum sitzen zu können“, erzählt Roxana Aust. Im offenen Plausch, natürlich mit Maske und Abstand, entfachte sich ein reger Erfahrungsaustausch. Im Schrank befanden sich sogar noch Zeichnungen von Roxana, welche sie beim letzten Besuch im Jahr 2019 angefertigte hatte. Mit großem Interesse sah sich das ehemalige Zirkelmitglied auch die neusten Arbeiten der jungen Maltalente unter dem Thema „Mein Traumberuf als Fensterbild“ an.

Ein Tipp von der Horterzieherin

Der Entwicklungsweg von Roxana Aust sowie ihre bisherigen Erfahrungen auf dem Gebiet der Kunst waren für alle Zeichenschüler sehr interessant. So erfuhren sie, dass Roxana Aust von 2005 bis 2017 den Laubuscher Mal- und Zeichenzirkel besuchte. Sie erinnert sich genau, wie es dazu kam. Ihre damalige Horterzieherin Sylvia Thrun hatte die Zeichnungen von Roxana gesehen und auch die Begeisterung fürs Zeichnen selbst bemerkt. Daher gab sie ihr den Tipp, dass es in Laubusch einen Malzirkel gibt. Sie könne mal schauen, ob das interessant für sie wäre. Roxana zögerte damals nicht lange und erkundigte sich im Laubuscher Kulturhaus über diesen Treff. „Das war mein Start, das Zeichnen tiefgründiger zu betreiben und vor allem auch unter fachmännischer Anleitung“, berichtet Roxana mit strahlenden Augen.

Motiv-Suche und Techniken

Schon seit ihrer Kindheit zeichnet die junge Frau gern. Es gab keine speziellen Motive. Ihre Ideen und Anregungen holte sie sich unter anderem aus Kinderbüchern oder beim Blick aus dem Fenster in der Natur. Aber im Laubuscher Mal- und Zeichenzirkel lernte Roxana von der Pike auf, wie sich konkrete Motive finden lassen, welche unterschiedlichen Techniken es gibt.

Gern erinnert sie sich Roxana Aust an die Mitwirkung bei bestimmten Projekten, unter anderem an die Verschönerung des Buswartehäuschen am ehemaligen Laubuscher Rathaus, an das Zeichnen in freier Natur im Lausitzer Seenland, an das Malen an der Schwarzen Mühle und an der Litfaßsäule in der Laubusch Kolonie.

Zirkelleiterin Ingrid Urbantke merkte seinerzeit recht schnell, dass in Roxana Aust die Begabung fürs Malen schlummert. Durch gezielte Förderungen befähigte sie Roxana zu nächsten Schritten und zur Erweiterung ihres künstlerischen Könnens. Eine tolle Erfahrung, Ehre und besondere Herausforderung war das Porträtzeichnen vom Heimatvereinsmitglied Alexander Pretsch zu dessen 93. Geburtstag.

Die heutige Studentin Roxana schätzt glücklich und optimistisch zugleich ein, dass die zwölf Jahre Mitgliedschaft im Laubuscher Mal- und Zeichenzirkel für sie nicht nur reiner Unterricht waren, um ihrem Lieblingshobby zu frönen. Es war für sie vor allem eine wegbereitende Phase, in der sie immer mehr reifte und sich weiterentwickelte. „Meine ganze Kindheit widmete ich viel dem Zeichnen. Die komplette Schulzeit bis zum Abitur wirkte ich im Zirkel aktiv mit und lernte quasi, was es bedeutet, die Kunst mit ihren vielen Facetten zu durchdringen und was das Zeichnen alles ermöglichen kann.“ Durch ihre langjährige Mitgliedschaft im Zirkel lernte sie eine Vielzahl von Menschen kennen, ehemalige Zirkelmitglieder und Gäste, welche zum Porträtzeichnen zu Besuch kamen. Roxana beobachtete auch exakt, wie Ingrid Urbantke eine bemerkenswerte pädagogische Arbeit leistete.

Das lag wohl daran, dass die Zirkelleiterin selbst im Jahr 1955 als 10-jähriges Mädchen zu Fritz Tröger in den Laubuscher Malzirkel kam. Schon damals entwickelte sich bei Ingrid Urbantke der Wunsch, später mal Kinder im Zeichnen zu unterrichten und eventuell auch einen Malzirkel wie Fritz Tröger zu leiten. So gab nun Ingrid Urbantke all ihr Wissen, ihre Erfahrungen an die jungen Maltalente weiter.

Durch ihre pädagogische Arbeit erkannte sie schnell, bei welchem Zirkelmitglied möglicherweise mehr dahintersteckt und bei wem aus dem Hobby später eventuell ein Berufswunsch, vielleicht in Richtung Kunst-Studium, entstehen könnte. Bei Roxana Aust war das der Fall. Deren außergewöhnliches Talent erkannte auch die Lehrerin Ines Lenke vom Leistungskurs der 12. Klasse, die sie zur Aufnahme eines Studium in diese Richtung ermunterte.

Mit Bianka Stark hatte schon einmal ein ehemaliges Zirkelmitglied die künstlerische Laufbahn eingeschlagen und ein Fernstudium absolviert. Ingrid Urbantke gab auch ihr seinerzeit die Empfehlung, ihr Maltalent auszubauen. Heute ist Bianka Stark an einer privaten Schule als Kunstlehrerin tätig. Zudem hat sie sich mit einer Kunst-Werkstatt in ihrem Heimatort Torno selbstständig gemacht. Sie gibt unter anderem Kurse im Zeichnen und Töpfern.

Roxana Aust studiert gegenwärtig im 8. Fachsemester Kunst und Englisch fürs Gymnasiallehramt an der Universität Leipzig. Durch Corona ist sie etwas im Verzug, weil ihr für das Englischfach noch ein notwendiger Auslandsaufenthalt von mindestens drei Monaten fehlt. Ihr Aufenthaltswunsch geht in Richtung Schottland, Irland oder Kanada. Wenn alles gut klappt, hofft die Studentin, dass sie ihren Studienabschluss – das 1. Staatsexamen – voraussichtlich 2022/23 in der Tasche hat. Ihr anschließendes Referendariat würde sie gern, wenn möglich, in der Heimat antreten. Überhaupt gehen ihre Bemühungen dahin, in der Heimat eine berufliche Perspektive zu finden. Ihr Traum wäre eine Lehrerstelle an ihrem Ausbildungs-Gymnasium Léon Foucault in Hoyerswerda.

Ein Nachfolger wird gesucht

Ihrer ehemaligen Zirkelleiterin würde das sehr gefallen, denn sie hegt ebenfalls einen großen Wunsch. Damit der Laubuscher Mal- und Zeichenzirkel Fortbestand hat, sucht Ingrid Urbantke einen zuverlässigen und kompetenten Nachfolger. Ihre Favoritin dafür wäre Roxana Aust.

In diesem Jahr kann der Laubuscher Mal- und Zeichenzirkel auf sein 70-jähriges Bestehen zurückblicken. Gegründet wurde er von Fritz Tröger. Anfangs waren Erwachsene die Mitglieder. Später wurde auch Schülern das Zeichnen ermöglicht. Seit nunmehr schon 45 Jahren lenkt Ingrid Urbantke mit viel Herzblut, Geduld, Ausdauer, Geschick, Verständnis und großem künstlerischem Können die Geschicke des Zirkels. Zahlreiche Ehrungen, Urkunden und Auszeichnungen zum Beispiel bei der Kinder- und Jugendgalerie in Hoyerswerda sind Zeichen der hohen Wertschätzung für das Wirken der Maltalente aus Laubusch und Umgebung sowie für die unermüdliche Arbeit der Zirkelleiterin.

Motivation für Studium und Beruf

Am 26. Juni ist angedacht, das 70-jährige Bestehen des Mal- und Zeichenzirkels mit einer kleinen Feier im großen Saal des Laubuscher Kulturhauses zu feiern, vorausgesetzt die aktuelle Corona-Lage lässt das zu. Roxana Aust möchte unbedingt Teil der geplanten Feier sein, da ihr der Laubuscher Mal- und Zeichenzirkel so vieles mit auf den Weg gegeben hat. Besonders dankbar ist sie der Zirkelleiterin: „Die Arbeit unter und mit Ingrid Urbantke wertschätze ich sehr. Ich kann nur mit Freude daran denken. Neben der künstlerischen Ausbildung ist es ihre unermüdliche, lebensfrohe und kreative Art, den Zeichenzirkel zu leiten, die mir immer besonders gefallen hat. Und das ist etwas, das mich noch immer sehr bewegt und mich für mein Studium und den späteren Beruf ungemein motiviert.“

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