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250 neue Corona-Fälle an einem Tag

Der Landkreis zählt mittlerweile zu den am stärksten belasteten Regionen. Erstmals gibt es Zahlen aus den Gemeinden.

Die Zahl der Corona-Infektionen im Landkreis Bautzen steigt rasch an. Das Gesundheitsamt meldete am Mittwoch 250 neue Fälle innerhalb von 24 Stunden. Damit zählt der Landkreis zu den am stärksten belasteten Regionen in Deutschland.
Die Zahl der Corona-Infektionen im Landkreis Bautzen steigt rasch an. Das Gesundheitsamt meldete am Mittwoch 250 neue Fälle innerhalb von 24 Stunden. Damit zählt der Landkreis zu den am stärksten belasteten Regionen in Deutschland. © Foto: www.pixabay.com

Landkreis Bautzen. Wittichenaus Bürgermeister Markus Posch hat keine logische Erklärung, warum es seine Stadt und hier das Malteserstift „St: Adalbert“ besonders hart getroffen hat. An Spekulationen zu Ursachen könne und wolle er sich nicht beteiligen: „Ich weiß es einfach nicht. Was ich aber weiß, und hier appelliere ich an alle Wittichenauer: Wir können dem nur mit Disziplin begegnen – Maske-Tragen, Abstand halten.“ 

Der Landkreis Bautzen ist Corona-Hotspot in Deutschland. Und im Landkreis ist in der Stadt Wittichenau mit ihren dörflichen Ortsteilen die Zahl der Infektionen gemessen an der Einwohnerzahl von 5.774 derzeit am höchsten, bei rund 2,7 Prozent.

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Und die Zahl der Corona-Infektionen im Landkreis Bautzen steigt weiter rasch an. Am Mittwoch meldete das Gesundheitsamt 250 neue Fälle innerhalb von 24 Stunden. Am Donnerstag waren es 169. Laut Landratsamt sind am Donnerstag 72 weitere Patienten als genesen gemeldet, aktuell sind demnach 1.549 Personen nachweislich infiziert. Aktuell werden 42 von ihnen in mehreren Krankenhäusern stationär behandelt. Sieben weitere Patienten im Landkreis Bautzen sind im Zusammenhang mit ihrer Corona-Infektion gestorben. Die Verstorbenen sind laut Landratsamt zwischen 68 und 86 Jahre alt.

Die Zahl der ausgesprochenen Quarantänen steigt auf 3.425. Damit zählt der Landkreis Bautzen zu den am stärksten belasteten Regionen in Deutschland. Der Wert der Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner innerhalb einer Woche liegt aktuell bei 328,6.

An und durch die Folgen der Infektion sind nach Angaben des Landratsamtes 29 Menschen gestorben, 42 Corona-Patienten befinden sich Stand Donnerstagmittag in Krankenhäusern, einige mehr als am Tag zuvor.

Landrat Michael Harig (CDU) wandte sich in einer Videobotschaft an die Bürger im Landkreis: „Ich bitte Sie, die Bestimmungen ernst zu nehmen. Wir brauchen Disziplin im privaten wie auch im öffentlichen Bereich.“ Am heutigen Freitag wollen der Landkreis und die Oberlausitz Kliniken über die aktuelle Entwicklung und mögliche Konsequenzen daraus informieren. Die ersten Soldaten der Bundeswehr werden zudem heute in ihren Dienst beim Gesundheitsamt eingewiesen.

Meiste Fälle in Wittichenau

Erstmals veröffentlichte der Landkreis jetzt auch Zahlen zur Situation in den einzelnen Städten und Gemeinden. Dort verläuft das Geschehen sehr unterschiedlich: So wurden in Wittichenau 158 Infektionen registriert (am Tag davor waren es noch 148), in Bautzen und Hoyerswerda sind es bislang jeweils 145 Fälle. Dagegen haben andere Gemeinde bisher nur jeweils einen Corona-Kranken.

Bei der Interpretation der Werte rät das Landratsamt allerdings zur Vorsicht: Denn „die Zahlen allein haben noch keine hohe Aussagekraft“, erklärt Landratsamtssprecherin Mandy Noack. „Sie müssen in Bezug zur Einwohnerzahl gesetzt werden und geben auch keine Auskunft, ob es sich um eine Häufung etwa in einem Pflegeheim handelt oder die Verbreitung eher flächig ist. Zudem ist immer nur der Wohnort registriert, nicht aber der Arbeitsort.“

Da außerdem im Landkreis viele Einpendler von außerhalb arbeiten, erscheinen Krankheitsfälle unter ihnen nicht in der Bautzener Statistik. Wer also beispielsweise in Weißenberg arbeitet, aber im Nachbarort Gebelzig wohnt, erscheint in der Corona-Statistik des Landkreises Görlitz. In Weißenberg wurden bisher acht Infektionen gemeldet. „Aus scheinbar kleinen Zahlen einer Gemeinde kann also nicht auf die Abwesenheit einer Infektionsgefahr geschlossen werden“, mahnt Mandy Noack. Aus all diesen Gründen hatte das Landratsamt bisher auf eine Veröffentlichung verzichtet. Trotz Kritik – zum Beispiel von den Bürgermeistern.

Bislang bekamen die Chefs der jeweiligen Stadt- oder Gemeindeverwaltung die Zahlen für ihre Orte nicht zu Gesicht.

Die Bürgermeister sehen in den Zahlen vor allem eine Argumentationshilfe gegenüber den Einwohnern: „Wer könnte denn besser als die Bürgermeister vor Ort auf die Bevölkerung, die sie kennen, einwirken?“, fragt zum Beispiel Norbert Wolf aus Hochkirch. Auch Matthias Seidel (CDU) aus Malschwitz geht es nicht darum, die Namen einzelner Betroffenen zu erfahren, sondern seine Einwohner zu sensibilisieren, dass das Virus im Ort angekommen ist.

Auch in Leseranfragen an SZ und Tageblatt waren die fehlenden Zahlen für einzelne Städte und Gemeinden, wie sie etwa im Landkreis Görlitz täglich veröffentlicht werden, Gegenstand von Kritik. So wandte sich etwa ein Leser mit der Frage, weshalb die regionalen Verbreitungszahlen nicht veröffentlicht werden, direkt an das Landratsamt. In dem Antwortschreiben, das der SZ vorliegt, heiß es, die Verbreitung sei flächendeckend: „Es wäre nur eine trügerische Sicherheit, wenn man die Werte einzelner Gemeinden und Städte veröffentlichen würde. Ein Virus macht leider nicht vor Gemeinde- und Stadtgrenzen halt.“ Man habe sich deshalb bereits zu Beginn der Pandemie entschlossen, die regionalisierten Zahlen nicht zu veröffentlichen. Diese Verfahrensweise wurde nun geändert. Beim Landratsamt arbeitet man daran, diese Zahlen so auch auf seiner Internetseite zur Verfügung zu stellen. (tb/JJ/US)

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