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301 Wortmeldungen für das Wittichenau der Zukunft

Erste Auswertung der Bürgerbefragung zum künftigen Integrierten Gemeindeentwicklungskonzept im Stadtrat

Der Ordner mit den Rückläufern der Bürgerumfrage zum künftigen Wittichenauer Stadtentwicklungskonzept, 301 Fragebögen galt es für Martin Neumann von der STEG Dresden auszuwerten. Einen ersten Überblick dazu gab es jetzt im Stadtrat.
Der Ordner mit den Rückläufern der Bürgerumfrage zum künftigen Wittichenauer Stadtentwicklungskonzept, 301 Fragebögen galt es für Martin Neumann von der STEG Dresden auszuwerten. Einen ersten Überblick dazu gab es jetzt im Stadtrat. © Foto: STEG/Stadt Wittichenau

Wittichenau. Wozu braucht man eigentlich ein Gemeindeentwicklungskonzept? Ganz einfach: Um die Kommune über einen strategischen Zeitraum hinweg zu gestalten; Potenziale zu nutzen, Schwächen zu beseitigen und eine komplexe, gesamtheitliche Entwicklung zu ermöglichen, die nicht nur Einzelmaßnahmen ohne Bezug aufeinander umfasst, sondern ein harmonisches Gesamtbild ergibt. Nicht zuletzt ist ein solches Konzept auch hilfreich beim Erlangen von Fördermitteln. Für solch ein Grundsatzdokument ist der erste Schritt die Analyse: Wo stehen wir?; Wo wollen wir hin?

Großen Aufwand getrieben

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Ziemlichen Aufwand hatte Wittichenau getrieben, um möglichst viele Bürger zu erreichen mit den Bögen der Einwohnerbefragung, die die Basis für das künftige Integrierte Gemeindeentwicklungskonzept der Stadt bilden soll: Auslage in Rathaus und Bibliothek, Veröffentlichung im Stadtblatt, Online-Variante; zuletzt sogar Fristverlängerung. 90 % der etwa 5.000 Einwohner habe man damit erreicht, lautete die Einschätzung der Stadt. Rücklauf: exakt 301 ausgefüllte Exemplare; also eine Bürgerbeteiligung von 5,2 %. Enttäuschend? Keineswegs!, versicherte Martin Neumann den Stadträten, denen der Planer von der Dresdener Stadtentwicklung GmbH (STEG) die Ergebnisse der Befragung auf der letzten Ratssitzung vorstellte. 5,2 sei eine gute Quote, gemessen an Erfahrungen anderer Gemeinden.

Die Zeiten, da jeder mitreden wollte, sind (wenn es sie denn je gegeben hat) vorbei – und es ging ja hier nicht darum, nur Missfallen zu artikulieren, sondern konstruktiv darzulegen: „Welche Veränderungen wären sinnvoll in den nächsten 15 Jahren (und in der Folgezeit) in Wittichenau?“ Und abgesehen von ein, zwei unsachlichen Wortmeldungen in einzelnen Details hatten die Einsender, die etwa eine halbe Stunde ihrer Zeit für das Antworten-Finden geopfert hatten, Handfest-Beherzigenswertes zu Papier gebracht. Neben allgemeinen Fragen zur persönlichen Lebenssituation und -zufriedenheit waren von den Bürgern Auskünfte und Vorschläge erbeten worden, die sich sechs Themenkreisen zuordnen lassen. Wobei es auch Überschneidungen gab und hier nicht jedes einzelne Detail genannt werden kann. Das auszufiltern wird eine nächste Aufgabe der Konzept-Entwickler sein.

Städtebau/Wohnen/dörfliche Entwicklung

Hier war mit großem Abstand häufigste Anregung, zu der dringender Handlungsbedarf bestehe, das Angebot an mehr (bezahlbaren) Baugrundstücken. Mit etwas Abstand folgte der Wunsch nach mehr barrierefreien Wohnungen und Pflegeheimplätzen. Dann kam der Hinweis, das Stadtzentrum möge weiter entwickelt werden. Ein Mehr in Richtung Betreutes Wohnen wurde angemahnt. Ferner auf der Wunschliste: moderne, bezahlbare Wohnungen und große Mietwohnungen für Familien. Interessant sind die Einschätzungen zu „Nebenfragen“: So wurden als Wittichenauer Gegebenheiten besonders positiv empfunden das funktionierende Zusammenleben von Jung und Alt („stimme voll zu“: 24 %, „stimme eher zu“: 63 %), das Zusammenleben verschiedener Kulturen (13/42) und gar mit absoluter Mehrheit in der Spitzenbewertung das gute Verhältnis zu den Nachbarn (54/37).

Wirtschaft/Arbeitsmarkt/Handel

Anreize für neue Firmenansiedlungen, speziell Kleingewerbe und Mittelstand, werden als Schwerpunkte angesehen; Förderung des lokalen Einzelhandels und einer Vertriebsplattform für lokale Unternehmen und Erzeuger nicht minder. Mit großem Abstand vorn rangiert der Wunsch nach mehr Gaststätten (102 Nennungen). Neumann warf dazu ein, „damit diese Angebote sich tragen können, müssen sie von den Wittichenauern auch angenommen, sprich: rege besucht werden“.

Kultur/Tourismus/Erholung/Sport

Die Frage, was an (neuen) Angeboten in Sachen Kultur und entsprechende Einrichtungen in Wittichenau wünschenswert sei, wurde ja nach Ortsteil unterschiedlich beantwortet. Oft ganz oben standen Spielplätze; gewünscht wurden auch Treffpunkte und „Rückzugsorte“. Der Erhalt des Waldbades und dessen Öffnungszeiten wurden 14-mal genannt. Ein Sommer- und ein Weinfest fanden sich ebenso auf der Liste wie eine Kletterwand, ein Skatepark und eine – Tanzschule. Das Sportangebot wird als gut eingeschätzt, allerdings seien mehr Sportplätze und/oder die Sanierung vorhandener Anlagen erstrebenswert.

Umwelt/Klimaschutz

Hier ging es vor allem um den Erhalt der Natur in und um Wittichenau, das Radwegenetz und Verkehrsberuhigung.

Verkehr/technische Infrastruktur

Verblüffend: Einerseits wurde dringendster Handlungsbedarf in Sachen Radwegenetz ausgemacht (142 Nennungen, drei Mal so viele wie die folgenden Positionen) – andererseits wurde zu einer weiteren Frage geantwortet, dass das Radwegenetz in Wittichenau durchaus einen guten Stand habe. Das, so Neumann heiße wohl, dass man zu schätzen wisse, was man habe – dass aber nichts so gut sei, als dass es nicht noch besser werden könne. Angemeldet wurde ferner Bedarf an Gehwegen / besonders an barrierefreien. Der öffentliche Personennahverkehr könne dichter gestrickt sein. Sanierungsbedarf an Straßen sei vorhanden. Nicht zu vergessen: 14 Vorschläge zu Fußgängerbrücken, besonders über die Schwarze Elster und das Klosterwasser.

Bildung/Erziehung/Soziales

Das Bildungsangebot wurde als gut eingeschätzt. Viele Punkte zum Thema „Soziales“ wurden schon in anderen Themenfeldern genannt. Erwähnenswert wäre zum Unterpunkt Pflege- und medizinische Einrichtungen, dass mehr Kinderärzte, Fach- und Allgemeinärzte sowie professionelle Pflege „angesiedelt“ werden sollten.

Arbeitsgruppen sollen übernehmen

Natürlich bewegte die Räte im Anschluss an den Vortrag vor allem die Frage, wie es jetzt weitergeht. Neumann schlug vor, dass drei Arbeitsgruppen gebildet werden könnten. Diese jeweils etwa zwölf Akteure umfassenden Gremien aus Stadträten und interessierten Bürgern sollten sich bei einer ersten Klausur (also insgesamt drei Einzelveranstaltungen), moderiert von Neumann, mit jeweils zwei Themenbereichen befassen. Entstehen soll ein mehr oder weniger Grobkonzept zu ihren Feldern, das in weiteren Sitzungen präzisiert und im Anschluss der Bürgerschaft vorgelegt wird. Wann diese erneute Öffentlichkeit hergestellt wird, hängt vom Vorankommen der Arbeitsgruppen ab. Gebildet werden sollen sie möglichst noch vor den Sommerferien. Im Idealfall soll das Zwischenprodukt ihrer Arbeit im Frühherbst vorliegen; nochmals den Wittichenauern vorgelegt und dann „nachgeschärft“ zu einem Dokument werden, das Ziele sowie Maßnahmen definiert und an dem sich Wittichenau in den nächsten 15 Jahren und nicht zuletzt bis 2038, also zum „Kohleausstieg“, orientiert.

Standorttreue Wittichenauer

Ein Nachtrag zu dem im Vorstehenden nicht extra detailliert aufgeschlüsselten Komplex „persönliche Lebenssituation und -zufriedenheit“: Der wird zwar nicht direkt ins Konzept einfließen, lässt aber Einblicke in das Gemeinwesen der Stadt zu. Wittichenauer sind standorttreu: 80 % der Auskunft gegeben Habenden leben schon mehr als 20 Jahre in ihrem Ortsteil (inklusive der Stadt selbst), 51 % seit ihrer Geburt. Über einen Wegzug haben 70 % noch nie nachgedacht. Befragt nach einer Einschätzung, wie die Entwicklung des Ortsteils in den letzten zehn Jahren verlaufen sei, glauben die Wittichenauer, Dubringer, Keulaer, Kottener und Sollschwitzer, sie sei mehrheitlich positiv. Auf die Gesamtstadt bezogen fanden 51 %, das Positive überwiege; 32 % antworteten neutral und nur 17 % äußerten sich negativ. Die, die das Ganze kritischer sahen, etwa Maukendorfer und Rachlauer, hegen dagegen für die Zukunft Erwartungen. In summa, so das Fazit der STEG: „Die Mehrheit erwartet eine positive Entwicklung für den eigenen Ortsteil“.

Treffende Kurz-Einschätzungen

Kurz-Einschätzungen auf den Fragebögen zeigen, was Wittichenau besonders lebenswert mache: „Wittichenau ist eine Gemeinschaft; wir sind engagiert, halten zusammen und helfen uns gegenseitig.“ „In Wittichenau werden Traditionen gepfleget und der christliche Glaube gepflegt.“ Ganz einfach: „Wittichenau ist meine Heimat.“Dass die vorgenannten Zahlen und Einschätzungen in 15 Jahren und 2038 mindestens eben so gut und nach Möglichkeit besser sind, darauf hin will Wittichenau mit dem Integrierten Gemeindeentwicklungskonzept hinarbeiten.

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