merken
PLUS Hoyerswerda

Allerlei Ideen für den Scheibe-See

Relativ weit sind wohl die Planungen für einen Aussichtsturm auf der Kühnichter Seite.

Lutz Tantau, der Chef von Hoyerswerdas Freien Wählern, findet den Scheibe-See ideal unter anderem für Stand-Up-Paddling.
Lutz Tantau, der Chef von Hoyerswerdas Freien Wählern, findet den Scheibe-See ideal unter anderem für Stand-Up-Paddling. © Foto: Mirko Kolodziej

Hoyerswerda. Sachte hat der Tourismus offenkundig schon Fuß gefasst. Ein Nachmittag am Scheibe-See: Auf dem Parkplatz im Bereich der alten Scheibe-Straße stehen zehn Autos. Nur die Hälfte hat Hoyerswerdaer Kennzeichen. Die anderen: Bad Liebenwerda, Pirna, Ingolstadt, Minden und Schwäbisch-Hall. Unten am Strand haben die Freien Wähler Tische aufgebaut. Zum wiederholten Mal haben sie die Hoyerswerdaer zur Diskussion über die Entwicklung am See gebeten. Zum ersten Mal ist abgesehen von Mitgliedern aber niemand da.

„Der OB-Wahlkampf mit seinen täglichen Einladungen zu Gesprächen hat wohl seine Spuren hinterlassen“, sagt Vereinschef Lutz Tantau. Er hatte als Angebot extra sein Stehpaddelbrett mitgebracht. Eine seiner Fragen: „Warum darf Hoyerswerdas Haussee nicht mit Sportbooten befahren werden?“ In der Tat spielt das Gewässer in den Wahlprogrammen eine gewichtige Rolle. Einige Schlagworte: Naherholungsgebiet, Wirtschaftsstandort, Anbindung an die Neustadt, Hotel, Zuse-Campus.

Anzeige
Filmfans, ab ins Dreiländereck!
Filmfans, ab ins Dreiländereck!

Kino, Konzerte, Gespräche: Am 24. September geht das Neiße Filmfestival in seine 17. Auflage – die nicht umsonst den Untertitel "Wild Edition 2020" trägt.

Immerhin tut sich nach langem Dornröschenschlaf etwas. Fertig geflutet war der einstige Tagebau Scheibe schon 2011. Erstmals offiziell baden durfte man, nachdem die Stadt einen wahren Papierkrieg um eine Badestelle am noch immer unter Bergrecht stehenden Gewässer geführt hatte, im Sommer 2017. Mittlerweile kann es einem an heißen Sommernachmittagen passieren, dass man am Strand nur schwer einen Platz für seine Decke findet. Lutz Tantau verweist auch auf die laufende Medien-Erschließung und die danach geplante Fertigstellung des Radweges entlang der Straße nach Riegel. Der Bergbausanierer LMBV hat auch noch versprochen, bis zum Jahresende mehr Parkplätze anzulegen. Ziemlich viele Bäume wurden dafür schon zu Beginn des Jahres gefällt.

Planfeststellung hakt noch

Es sind, erklärt LMBV-Abteilungsleiter Karsten Handro, gewissermaßen vorgezogene Maßnahmen. Denn sogenannte §-4-Mittel aus der Bergbausanierung für Vorhaben, die amtlich „Erhöhung des Folgenutzungsstandards“ heißen, können – speziell im unmittelbaren Gewässerrandstreifen – erst dann fließen, wenn der Planfeststellungsbeschluss für den See vorliegt. Den Antrag hat die LMBV 2018 bei der Landesdirektion eingereicht. Es geht zunächst um die Sicherung einer Böschung im nördlichen Bereich des Sees, um den Bau einer Einsatzstelle für ein Bekalkungsschiff – und vor allem um die Errichtung eines Auslauf-Bauwerks in Burg für die Ableitung von Wasser in die Kleine Spree. Aktuell gibt es dazu lediglich eine Art High-Tech-Provisorium.

Handro berichtete vom Stand der Dinge ein paar Tage vor dem Freie-Wähler-Termin am See-Ufer. Die Bundestagsabgeordnete Caren Lay (Linke) hatte – wohl nicht zuletzt in Anbetracht des OB-Wahlkampfes – den Scheibe-See als Thema auf die Tagesordnung ihrer jährlichen Sommertour durchs Lausitzer Seenland gesetzt. Zum Gespräch eingeladen war auch der LMBV-Mann. Unter anderem war dabei zu erfahren, dass das Sanierungsunternehmen nach der erwähnten Abgabe seines Antrags bei der Landesbehörde von dieser noch Hausaufgaben aufbekommen hat. Es sei ein Fragenkatalog abzuarbeiten.

Mit Fahrstuhl und Rutschen

Es schlummern inzwischen in verschiedenen Schubladen verschiedene Vorhaben für den See. Für eines der vermutlich spektakulärsten sind fünf Millionen Euro im Gespräch. „Die Planungen sind gut fortgeschritten“, erfuhr Caren Lay von Daniel Just vom kommunalen Zweckverband Lausitzer Seenland Sachsen. Er sprach über einen Aussichtsturm, offiziell Landmarke genannt. Vorgesehen ist er ungefähr in Höhe des eingangs erwähnten Parkplatzes. Ursprünglich war er im Landmarken-Konzept des Verbandes für die Burger Seite vorgesehen. Aber auch der Spreetaler Bürgermeister Manfred Heine (parteilos) findet, im Bereich der Stadt sei der Ausguck besser aufgehoben: „Von der wirtschaftlichen Seite ist das der beste Standort.“ Der Turm soll 28 Meter hoch sein, halbtransparent und mit diversen Schikanen ausgestattet. So ist tatsächlich ein Fahrstuhl vorgesehen. Wohl vor allem Kinder sollen außerdem in Röhren-Rutschen von Etage zu Etage gleiten können. Und Zeichnungen zeigen nicht nur eine am Fuß des Turms von ihm wegführende Aussichtsterrasse in Richtung Wasser, sondern auch Gastronomie-Räumlichkeiten.

Daniel Just sagt, die Umsetzung der Pläne solle „so bald wie möglich“ beginnen. Aus seiner Sicht sind sie konkreter als die im OB-Wahlkampf so häufig beschworene IT-Außenstelle der Technischen Universität Dresden, der IT-Campus, den der Initiator sich am Scheibe-See wünscht.

Der kommunale Zweckverband Lausitzer Seenland Sachsen plant auf der Hoyerswerdaer Seite des Sees einen 28 Meter hohen Ausguck – mit einer Terrasse in Richtung des Ufers.
Der kommunale Zweckverband Lausitzer Seenland Sachsen plant auf der Hoyerswerdaer Seite des Sees einen 28 Meter hohen Ausguck – mit einer Terrasse in Richtung des Ufers. © Grafik: Verband

Mehr zum Thema Hoyerswerda