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PLUS Familienkompass 2020 Hoyerswerda

„Alles fängt mit kleinen Schritten an“

Die Ehefrau von Hoyerswerdas künftigem Oberbürgermeister ist auch Mutter von vier Kindern und Pädagogin.

„Der wichtigste Lebensinhalt ist die Familie“, sagte das künftige Stadtoberhaupt
Torsten Ruban-Zeh während des Wahlkampfes.
Hier zu sehen ist ein Teil
seiner Familie.
„Der wichtigste Lebensinhalt ist die Familie“, sagte das künftige Stadtoberhaupt Torsten Ruban-Zeh während des Wahlkampfes. Hier zu sehen ist ein Teil seiner Familie. © Foto: Gernot Menzel

Hoyerswerda. Es gebe, sagt Evgenia Ruban, in jeder Stadt eine sehr starke Partei: „Das sind die Eltern.“ Wer Kinder großzieht, versteht die Freuden und die Nöte anderer, die das auch tun. Evgenia Ruban ist Pädagogin, als Lehrerin an Hoyerswerdas neuer Oberschule tätig. Sie ist aber auch die Mutter von vier Kindern. Und sie ist die Ehefrau eines vielbeschäftigten Mannes. Torsten Ruban-Zeh ist bisher der Geschäftsführer der örtlichen Arbeiterwohlfahrt. Die Zeit fürs Private dürfte nicht zunehmen, wenn er in drei Wochen das Amt des Oberbürgermeisters der Stadt Hoyerswerda übernimmt.

„Wer Torsten Ruban-Zeh wählt, entscheidet sich für eine soziale Familienstadt!“ stand unter anderem in seinem Wahlprogramm. Wer würde sich also besser für ein Gespräch über Familienpolitik eignen als seine Frau? Sie schlägt als Treffpunkt den Spielplatz an der Bürgerwiese im Stadtzentrum vor. Mit Oscar, dem Jüngsten der Familie, ist sie oft hier, wenn Olivia, die Zweitjüngste, nebenan in der kleinen Foucault-Turnhalle beim Sportakrobatik-Training ist. Da passt also, was oft schwierig ist. „Zeit“, sagt Evgenia Ruban, sei für Familien das wichtigste Gut. Es möglichst gerecht unter den Kindern, den Eltern, dem Ehepartner, den Freunden und letztlich auch für sich selbst aufzuteilen, ist häufig ein Kunststück in Koordination.

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Und alles, was bei der effektiven Nutzung des knappen Gutes hilft, hilft letztlich den Familien. Evgenia Ruban, die aus Russland stammt und unlängst die deutsche Staatsbürgerschaft erworben hat, erzählt von ihrer Mutter. Sie war die Leiterin eines Kindergartens. Als die UdSSR sich aufzulösen begann und die Strukturen sich änderten, mussten frischgebackene Schulkinder im Ort zeitaufwendig in die nächstgrößere Stadt. Die Kita-Leiterin kämpfte darum, dass wenigstens die Jüngsten im Kindergarten unterrichtet werden konnten. „Alles fängt mit kleinen Schritten an“, blickt ihre Tochter zurück. Zum Schluss hätten die zuerst wenig begeisterten Behörden begriffen, dass vor Ort eine Schule nötig ist.

Die Schulnoten zur Familienpolitik aus der Umfrage zum Familienkompass zeigen, dass Hoyerswerda mit einer 2,43 etwas besser bewertet wird als der Sachsen-Durchschnitt. „Ich bin stolz auf unsere Stadt“, sagt Evgenia Ruban dazu. Bevor sie an die Hoyerswerdaer Oberschule kam, unterrichtete sie in Kamenz. Der Jobwechsel spart wertvolle Zeit. Arbeit möglichst vor Ort hilft Familien also auch. Aber in Kamenz konnte die Lehrerin Hoyerswerda durch die Augen der dortigen Kinder sehen: „Sie haben gesagt, in Hoyerswerda sei das Angebot größer als in Kamenz: Lausitz-Center, Kino, Lausitzbad ...“ In Sachen aktiver Freizeitgestaltung seien die Möglichkeiten schon groß. Tochter Vitalina zum Beispiel hat an der städtischen Musikschule das Schlagzeugspiel erlernt, Sohn Vitali an der Musikschule Bischof das Keyboardspiel. Und Oscar ist Fußballer beim SV Zeißig.

Doch es gibt eben nichts, was nicht noch besser werden kann. Die Sache mit der Zeit führt zum Beispiel zur Frage, warum es so nervig sein muss, die Kinder morgens zur Schule oder in die Kita zu bringen. Spezielle Parkplätze für Mütter und Väter könnten helfen. Und dass es in Hoyerswerda nur einen Kindergarten gibt, der Spätbetreuung anbietet, wundert Evgenia Ruban. Wünschen würde sie sich auch mehr Nachmittags-Offerten wie das „Tobix“, wo die Kinder sich selbst beschäftigen und die Eltern gleichzeitig verschnaufen können.

Damit Familien es gut haben, muss den Erfahrungen von Hoyerswerdas künftiger First Lady zufolge aber auch das gesellschaftliche Klima in Bezug auf Partnerschaft zwischen Frau und Mann stimmen. In Russland, sagt sie, sei eine patriarchale Haltung, durch die die gesamte Arbeit im Haushalt an den Frauen hängen bleibt, noch sehr verbreitet. In ihrer Ehe hingegen hat sie das anders kennengelernt: „Ich muss ihm nicht sagen, wenn die Wäsche sich stapelt. Das sieht er alleine und nimmt das Bügeleisen“, sagt Evgenia Ruban über ihren Mann. Sie hat sich während ihrer Jugend sicher kein Leben in Hoyerswerda erträumt. Es hat sich so ergeben, und sie ist zufrieden damit: „Sehr.“. Man könne in Hoyerswerda gut, ruhig und sicher leben.

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