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Alles ruhig im Zoo? Von wegen!

Trotz erzwungener Schließung wird in Hoyerswerdas Tierpark emsig an so manchen Verbesserungen gearbeitet.

In der alten Zooverwaltung am Haag entsteht ein Zooschul-Lokal. Bis zu 30 Kinder sollen hier unter normalen Bedingungen ohne Corona-Zwänge einmal Platz finden können. Zoo-Chef Eugène Bruins hat schon die passenden Hocker.
In der alten Zooverwaltung am Haag entsteht ein Zooschul-Lokal. Bis zu 30 Kinder sollen hier unter normalen Bedingungen ohne Corona-Zwänge einmal Platz finden können. Zoo-Chef Eugène Bruins hat schon die passenden Hocker. © Archivfoto: Uwe Schulz

Hoyerswerda. Eugène Bruins steht vor der Pinguinanlage und ist nicht so glücklich. Keine Besucher in Hoyerswerdas Zoo. Normalerweise würde der Zoochef bei seinen Rundgängen hier und da mal einen Scherz mit den Besuchern machen, ihnen etwas Besonderes zeigen oder aber auf Verhaltensweisen der Tiere aufmerksam machen. Also: Besucher gibts nicht, aber den Pinguinen geht es gut.

Die Humboldt-Pinguine, neu angeschafft, nachdem die Vorgängerpopulation von einer Krankheit dahingerafft und daraufhin die Anlage neu gestaltet worden war, beherrschen sogar die Kunst des Synchronschwimmens. Das Wasser im flachen Becken ist schön klar. In einem Raum stehen die Wärmestrahler und eine Überdachung im Freigehege würde im Fall eines Vogelgrippealarms als Freilauf dienen. Man habe bei der letzten Vogelgrippe 2017 einiges gelernt, so Bruins. Vom tierisch gut besuchten Zooteich musste man damals, als die Stallpflicht für Geflügel ausgerufen wurde, nur die zwei Schwäne holen. Alles andere waren Wildtiere. Binnen zweieinhalb Stunden hatte man alles erledigt. „Unser Notfallplan steht. Im Ernstfall werden alle Vögel nach innen geholt bzw. die Gehege abgedeckt“. Bei den Pinguinen hat man eine Art Carport errichtet. Die Kolkraben bekommen jetzt ein neues Gehege und bei der Gelegenheit auch gleich eine Teilüberdachung in der dann teilbaren Voliere. Sie soll bis zu fünf Meter hoch werden und mehr Grundfläche haben, als die alte. Der benachbarte Kakadu ist einem Tumor erlegen. Jetzt wird seine Volierenfläche eben mitgenutzt für den Neubau.

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Veränderungen im Tropenhaus

Die Kamelanlage wurde dieser Tage noch etwas nachgerüstet. Denn die beiden Kamel-Stuten bekommen jetzt für zwei Monate Besuch von einem Kamelhengst. Sollte Nachwuchs entstehen, geht dieser dann später an den Besitzer des Hengstes. Unabhängig davon soll im März eine dritte Stute dauerhaft nach Hoyerswerda kommen. Sie stammt aus den Niederlanden. Den Zoo verlassen in Richtung Hannover wird hingegen Baumstachler Monty. Sein Sohn bleibt hier. Auch im Tropenhaus gibt es Veränderungen. Aus Stuttgart zieht ein Kurzohrrüsselspringer nach Hoyerswerda. In einem Terrarium befindet sich schon eine Spaltenschildkröte, die noch Mitbewohner aus Prag bekommen wird. Und in einem anderen Abteil krabbeln fünf brasilianische blaue Vogelspinnen. Eugène Bruins nimmt eine davon vorsichtig auf die Hand, um zu testen, ob sie aggressiv ist, oder ob man das Tier später auch kontrolliert in den direkten Kontakt mit interessierten Besuchern bringen kann. Die kleine Schönheit ist zwar schnell, aber beißt nicht. Der Chef ist zufrieden. Ohnehin ist er des Lobes voll, da erst vor Kurzem die neun Terrarien umgebaut wurden. Sie erhielten neue Scheiben, eine bessere Belüftung und neue Hintergründe. Das alles sieht jetzt noch naturnaher aus als vorher. Bei den Kornnattern wurden beispielsweise abgestreifte Schlangenhäute mit drapiert.

Ein guter Zoo lebt heutzutage auch das Thema Artenschutz. In Hoyerswerda hat man sich zuletzt stark bei der Auswilderung von nachgezüchteten Steinkäuzen engagiert. Eugène Bruins arbeitet daran, dass das künftig auch in Sachsen möglich sein kann. Und dann hat er noch einen großen internationalen Traum. Erst in diesem Jahr wurde die neue Chinaleopardenanlage eingeweiht, konnte auch das erste Jungtier begrüßt werden. Jetzt schreibt sich Eugène Bruins mit Ansprechpartnern in China, um ein Artenschutzprojekt mit bzw. für Chinaleoparden auf die Beine zu stellen: „Das wäre das erste internationale Projekt in diesem Bereich“, schwärmt Bruins. In Europa befinden sich seines Wissens nach 19 Zoos im Zuchtprogramm dieser Raubkatzen. Der Zuchtbuchkoordinator in Hamburg konnte erst gerade zwei neue männliche Tiere aus Südostasien nach Europa holen, so dass in diesen Züchtungen hier neues, frisches Blut einfließen kann. Eugène Bruins will daher auch im Hoyerswerdaer Zoo, wenn er denn wieder öffnen kann, einen freiwilligen Artenschutzeuro einführen. Den können Besucher beim Kauf eines Tickets entrichten, müssen es aber nicht. Allerdings geht Eugène Bruins davon aus, dass diese Idee vielen Besuchern etwas wert ist – nächstes Jahr, wenn auch der Hoyerswerdaer Zoo irgendwann wieder Besucher empfangen kann.

© Foto: Uwe Schulz
Bei den Bartagamen wurde die Bepflanzung etwas naturnaher gestaltet.
Bei den Bartagamen wurde die Bepflanzung etwas naturnaher gestaltet. © Foto: Uwe Schulz

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