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Als Schulunterricht noch im Wohnhaus stattfand

Als plötzlich viele Kinder in Hoyerswerda zur Schule gingen, mussten schnell Räume gefunden werden. Eine Erinnerung.

In diesem Haus hatten Schüler der POS 3 Unterricht, als ihre Schule in der Straße Am Stadtrand noch nicht gestanden hat.
In diesem Haus hatten Schüler der POS 3 Unterricht, als ihre Schule in der Straße Am Stadtrand noch nicht gestanden hat. © Foto: Katrin Demczenko

Von Katrin Demczenko

Hoyerswerda. Viele Schülergenerationen haben bis heute das im Jahr 1960 als Polytechnische Oberschule (POS) 3 eröffnete Schulhaus in der Straße Am Stadtrand besucht. Und auch im Schuljahr 2021/22 wird die Nutzung durch die Stadt Hoyerswerda weitergeführt. Das Gebäude wird umgebaut, damit künftig die Schüler und Lehrer der Grundschule Am Adler „Handrij Zejler“ dort einziehen können.

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In den 1950er Jahren hat Hoyerswerda wegen des Aufbaus des Gaskombinates Schwarze Pumpe am Beginn seines rasanten Aufschwungs gestanden. Viele Familien sind damals hierher gezogen, und ihre Kinder sollten eine gute Ausbildung erhalten. Die Kapazitäten der vorhandenen Schulgebäude waren aber schnell erschöpft, und die Bauleute sind mit dem Errichten neuer Bildungseinrichtungen kaum nachgekommen.

Unterricht im Wohngebäude

Deshalb hatten alle Schüler der damals schon bestehenden POS 3 in einem Wohnblock in der Schulstraße Unterricht. Heute befindet sich dort das Kinder- und Jugendzentrum der Awo Lausitz.

Wolfgang Neitz und einige seiner Mitschüler aus Knappenrode sind von 1958 bis 1960 an diese Schule gegangen, um den Abschluss der zehnten Klasse zu erwerben. Vorher hatten sie in der Grundschule ihres Heimatortes die achte Klasse mit guten Leistungen beendet.

In der POS 3 gab es damals die Klassenstufen 1 bis 9, und alle sind in den drei Aufgängen des Wohnhauses in der Schulstraße unterrichtet worden, erklärt Wolfgang Neitz. Der Unterricht hat in den Wohnungen stattgefunden, deren nicht tragende Wände teilweise entfernt worden waren, um große Klassenzimmer zu schaffen. Jeder Raum hatte einen Ofen, und es gab nur kleine Fenster.

Der Physik- und der Chemieraum waren notdürftig eingerichtet, und ausschließlich der Lehrer konnte an seinem Tisch kleine Experimente zeigen, erzählt der heute 77-Jährige und erinnert sich zurück. In einer Wohnung im Erdgeschoss ist das Direktorenzimmer gewesen, und draußen vor den Aufgängen hat die Hofpause stattgefunden.

Turnhalle noch heute in Betrieb

Im Schuljahr 1958/59 hatte seine Klasse Geräteturnen in der kleinen, damals verkommen wirkenden, Einfeldsporthalle weiter östlich an der Schulstraße. Sie hat zu dem benachbarten Schulhaus gehört, das im Jahr 1913 eröffnet worden war. Nach dem Krieg ist darin die POS 2 beherbergt gewesen, und heute wird das Gebäude als Grundschule „Am Park“ genutzt.

Zum Unterricht sind die Knappenroder Schüler bei gutem Wetter mit dem Fahrrad gekommen und im Winter mit dem Bus. Morgens hat der Busfahrer die Arbeiter ins Braunkohlewerk Knappenrode gebracht und auf dem Rückweg die Schüler nach Hoyerswerda mitgenommen. Am Nachmittag sei das Prozedere so ähnlich gewesen, erklärt Wolfgang Neitz heute.

Die Moderne kommen gesehen

Alle Schüler der POS 3 konnten Ende der 1950er Jahre den Aufbau des neuen Schulhauses der Erweiterten Oberschule „G. E. Lessing“ in der benachbarten Pestalozzistraße beobachten. Wolfgang Neitz und seine Klasse durften sogar während ihres letzten Schuljahres, also ab dem September 1959, als Gäste an dieser Schule lernen und dort die Prüfungen zur Mittleren Reife ablegen.

Große Fenster und moderne Fachräume für Chemie und Physik sind Wolfgang Neitz noch in Erinnerung geblieben. Als seine Klasse im Juni 1960 die Abschlussprüfungen bestanden hatte, haben alle Jungen noch dabei geholfen, die neuen Klassenzimmer der noch nicht eröffneten POS 3 zu säubern und einzuräumen. So hatten dann die Nachfolger gute Lernbedingungen, sagt Wolfgang Neitz. Nach seiner Schulzeit hat er den Beruf des Elektrikers gelernt und später ein Studium als Diplom-Ingenieur für Elektrotechnik aufgenommen und erfolgreich beendet.

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