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Auf dem Weg zu mehr Normalität

Die Öffnung im Salon Haarschneider lief reibungslos. Alle sind froh darüber, aber Sorgen schwingen weiterhin mit.

Beide Seiten, Kundschaft und Belegschaft sind froh, dass sie sich wieder im Salon treffen. Vorher wurde gründlich aufgeräumt, gesäubert und Bestände aufgefüllt.
Beide Seiten, Kundschaft und Belegschaft sind froh, dass sie sich wieder im Salon treffen. Vorher wurde gründlich aufgeräumt, gesäubert und Bestände aufgefüllt. © Foto: Gernot Menzel

Hoyerswerda. Die Erleichterung ist spürbar. Es geht herzlich und umsichtig zu. Die Stimmung ist gut, wenig angespannt. So läuft die Öffnung des Friseursalons Haarschneider in der Altstadt von Hoyerswerda nach knapp elf Wochen Schließzeit. Die anwesenden Mitarbeitenden haben in allen Bereichen viel zu tun. Die Friseur*innen arbeiten ruhig die Kundschaft ab, die Rezeptionistinnen bedienen live und am Telefon. Der eigenständige Consulting-Bereich hat ebenfalls gut zu tun. Jeder kennt seine Wege und Abläufe. Die ganze Belegschaft ist vor Ort im Einsatz.

Inhaber Heiko Schneider spricht von einer Anspannung, die sich am vergangenen Wochenende bei ihm eingestellt hat, aber am Morgen schon nach kurzer Zeit verflogen war. Die Öffnung seines Friseurbetriebes – unterteilt in Damen- und Herren-Salon – hat er lange ersehnt. Nach vier Wochen Schließung war Mitte Januar für ihn die Schmerzgrenze bereits erreicht. Eine bestimmte Ungewissheit hat die letzten Wochen bestimmt. Verbindliche Aussagen seitens der Politik hat er in vielen Bereichen vermisst. Perspektiven, die die Öffnung betreffen, sind gemeint, wie auch konkrete Angaben bei Hygienemaßnahmen. Ständig neue Papiere und Vorgaben galt und gilt es zu beachten und zu berücksichtigen. „Es ist schwierig, allen Anforderungen gerecht zu werden und dabei den Menschen nicht zu vergessen“, meint er stellvertretend für viele Unternehmen, die vor diesen Herausforderungen stehen. Unsicherheit bringen neue Verordnungen immer mit sich. Doch der Mensch braucht Sicherheit, ergänzt Heiko Schneider. Bei all dem treibt den Hoyerswerdaer um, dass er bei allen Entscheidungen Verantwortung für viele Menschen und viele Familien trägt. Eine Vorfreude hat er bei dem letzten Teammeeting letzten Freitag wahrgenommen und erklärt, dass die Friseur*innen nicht nur ihren Job machen, sondern als Mensch in der Gesellschaft gebraucht werden. Das haben die letzten Wochen deutlich gezeigt. Dabei sei allerdings zu beachten, dass die Friseurbetriebe nur stellvertretend der Schauplatz vieler Diskussionen sind. Jetzt liegt wieder der Fokus auf den Salons. Heiko Schneider sieht das Ganze mit Demut. „Was ist mit den anderen Branchen, nach denen niemand fragt?“ Er sieht, dass im Salon stets ein Querschnitt der Bevölkerung zusammenkommt. Die Berücksichtigung der einzelnen Bedürfnisse sollte wichtiger sein, wünscht er sich. Der Umgang miteinander leidet unter radikalen Ansichten.

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Während die Türen für Gäste geschlossen waren, wurden die Auszubildenden weiter betreut – nur, dass lediglich an Puppenköpfen trainiert werden konnte. Doch Heiko Schneider sieht darin den klaren Vorteil, dass mehr Zeit und Ruhe herrschte, als bei gewöhnlichem Betrieb.

Eine Frau erinnert sich, dass sie vor dem Lockdown im Dezember die letzte Kundin von Stylistin Svea war und jetzt sitzt sie wieder auf dem Stuhl, als eine der Ersten. Sie beschreibt den Besuch als Highlight. Mit Freude zu kommen und zu gehen, „das macht viel mit der Persönlichkeit“. Friseurin Nicole vergleicht den Arbeitstag mit dem ersten Schultag nach den Ferien. Sie ist froh wieder für die Kundschaft da sein zu können.

Überhaupt sei das Kümmern und sich in andere Hände zu geben, eine sehr persönliche Angelegenheit. Körperkontakte und Nähe sind selten geworden. „Hier gibt es wieder Berührungen. Da haben wir auch eine Verantwortung.“ So soll sich jeder beim Besuch wohlfühlen, hier einen Ort finden, der Abwechslung bedeutet, so Heiko Schneider. An den einzelnen Plätzen liegen auch Karten aus, die fragen, „Was wirst du zuerst genießen?“ Das soll ein Angebot sein, auch andere Themen neben dem Lockdown und eine Ablenkung zu finden. „Das ist gut fürs Gemüt.“

Große Bedenken zeigt der Friseurunternehmer im Zuge der wöchentlichen Testungen. Zum einen ist es eine Zeit- und Kostenfrage und außerdem besteht das Risiko, dass jemand ausfällt und fehlt. „Das ist meine größte Sorge.“ Er setzt viel darauf, dass kostenlose Schnelltests kommen.

Beim Friseurbesuch ist eine medizinische Maske notwendig, ein Schnelltestergebnis hingegen nicht.

Nach Wochen ist es wieder möglich, sich die Haare schneiden zu lassen. Termine sind heiß begehrt.
Nach Wochen ist es wieder möglich, sich die Haare schneiden zu lassen. Termine sind heiß begehrt. © Foto: Gernot Menzel
Seit gestern ist Heiko Schneider mit seinem Team im Salon in der Kirchstraße wieder für Kunden da.
Seit gestern ist Heiko Schneider mit seinem Team im Salon in der Kirchstraße wieder für Kunden da. © Foto: Gernot Menzel
„Wenn der Lockdown vorbei ist. Was wirst Du zuerst genießen?“ Karten bieten Themen abseits der Pandemie an.
„Wenn der Lockdown vorbei ist. Was wirst Du zuerst genießen?“ Karten bieten Themen abseits der Pandemie an. © Foto: Gernot Menzel

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