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Auf den Spuren der Geschichte des Jahres 33 in Jerusalem

Der Penuel-Verein zeigt in Wittichenaus Kreuzkirche eine beeindruckende Ausstellung zu den Grabtüchern Jesu.

Wolfgang Kraus in Wittichenaus Kreuzkirche zur Ausstellung „Jesu Grabtücher ...“ bei einem Vortrag für Senioren aus dem St.-Adalbert-Stift und Pflegepersonal.
Wolfgang Kraus in Wittichenaus Kreuzkirche zur Ausstellung „Jesu Grabtücher ...“ bei einem Vortrag für Senioren aus dem St.-Adalbert-Stift und Pflegepersonal. © Foto: Uwe Jordan

Wittichenau. Dr. Wolfgang Křesák, Pfarrer von Wittichenau, hat eine wehevolle Erfahrung gemacht. Die blei-bestückten Enden der dreistriemigen Geißel, wie sie Jesus Christus auf Pontius Pilatus’ Geheiß traf (freilich nur eine originalgetreue Nachgestaltung des Folterwerkzeuges) hat er sich einmal probeweise sanft auf die Hand fallen lassen – und war erschrocken, welche abgrundtief schmerzhaften Folgen dieses Marter-Instrument zeitigt.

Wie erst, wenn es nicht ein vorsichtiger Selbstversuch war, sondern der mit aller Kraft ausgeführte Hieb eines robust-hünenhaften römischen Soldaten? Wie erst, wenn es nicht ein Streich war, sondern 39? Der 40. Hieb des üblichen römischen Maßes wurde den so Behandelten im Regelfall erlassen; ein „Gnadenbeweis“ des Kaisers, für den die halbtot Geschlagenen dankbar zu sein hatten. Aber es waren ja, setzt man 39 mal drei, immer noch 107 grausame Blitzstrahlen, die den Delinquenten trafen; im Falle des angeklagten und zwei Mal gegeißelten Christus sogar 214 solcher Torturen, deren eine schon genügt hätte, den Körper des so Gequälten aufzureißen.

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Aus der Stille in die Öffentlichkeit

Diese nüchterne, Schaudern machende Schilderung der römischen Justiz-Gepflogenheiten anno 33 ist nur ein kleiner Teil der Geschichte, die die Ausstellung der Grabtücher Jesu erzählt; gezeigt in der Wittichenauer Kreuzkirche. Dank einer Anregung von Pfarrer Wolfgang Křesák ist das kürzliche Jahrestreffen des Penuel-Vereins („Kreis der Freunde des wahren Antlitzes Jesu Christi“) in Wittichenau gehalten worden statt „versteckt“ im Schmochtitzer Bischof-Benno-Haus. Und mit dieser Jahrestagung kam die Ausstellung. „Wo, wenn nicht in Wittichenau, der Stadt der Kreuzreiter, einer Insel des katholischen Glaubens, hätte sie ihren Platz finden können und sollen?“ fragt Dr. Křesák. So ist besagte Ausstellung nun in der Kreuzkirche an der Bautzner/Saalauer Straße zu sehen.

Die Penuel-Mitglieder, allen voran der Groß Särchener Wolfgang Kraus, der Pfarrer Křesák vor geraumer Zeit ganz „nebenbei“ zum in Schmochtitz geplanten Treffen informiert und so ungewollt dessen Umleitung (und die der Ausstellung) nach Wittichenau in Szene gesetzt hatte, waren skeptisch: Würde das überhaupt jemanden interessieren? Wären die Grabtücher (natürlich nicht die Originale, sondern deren Nachbildungen und ergänzende Exponate) nicht doch besser in der Stille von Schmochtitz aufgehoben gewesen? Die erste Zeit schien den Zweiflern recht zu geben: Vier, manchmal acht Besucher „verirrten“ sich pro Tag in die Kreuzkirche. Aber plötzlich schwoll die Zahl der Interessieren an. Ganze Gruppen, nicht nur aus Wittichenau, wollten wissen, was es mit dem Grabtuch von Turin, dem Grabtuch von Manoppello und dem Bluttuch von Oviedo auf sich hat.

Schier unlösbare Rätsel

Denn die Exponate, darunter Ergänzungen wie die erwähnte Geißel, eine Dornenkrone und authentische Münzen, werden nicht sprachlos dem Betrachter überlassen, sondern Wolfgang Kraus weiß in faszinierenden Vorträgen zu erzählen, was es damit auf sich hat. Welche schier unlösbaren Rätsel die Originale der Grabtücher („nicht von Menschenhand geschaffene Bilder Christi“) noch heute den Wissenschaftlern aufgeben. Warum „Gegenbeweise“, die die Grabtücher auf das 12./13. Jahrhundert (also weit nach Christi) datieren, falsch sein können: wurden doch die untersuchten Proben Bereichen entnommen, die durchaus in späteren Jahrhunderten hinzugefügt worden sein konnten, um schadhafte Stellen auszubessern. Warum an den Tüchern gefundene Pollen, die es so nur zur fraglichen Zeit gab, warum Gesteinsspuren, die vom Aufgang zu Golgatha stammen müssen und in den Knieabdrücken des Turiner Grabtuches gefunden wurden, für die Echtheit sprechen. Ebenso wie das nur bei einem bestimmten Lichteinfall zu sehende Antlitz Christi auf dem Manoppello-Tuch. Die plötzliche Negativ-Positiv-Umkehr der Fotografie des Turiner Grabtuches samt der unter Normalbedingungen unwahrscheinlichen weil unverzerrten Abbildung von Körper und Antlitz des Gottessohnes ...

Ausstellungszeit wurde verlängert

Der Geschichten, Anekdoten, Erzählungen und Überlieferungen sind es viele. Man muss sie nicht auf Anhieb glauben, aber zugeben, dass vieles dafür spricht, dass sie sich so zugetragen haben können. Dass es die biblischen Geschehnisse um Jesus Christus tatsächlich gegeben hat – ganz gleich, ob man ihn nun als Messias oder eine zur Legende verklärte Person sieht.

Wer diese Geschichte(n) selbst sehen und hören möchte: Dankenswerterweise wird die Ausstellung über den ursprünglichen Endtermin 31. August hinaus verlängert. Besichtigungstermine können vereinbart werden im Wittichenauer Pfarrbüro (Tel. 035725 7580). Wer eine unbedingt empfehlenswerte Führung mit Wolfgang Kraus buchen möchte, erreicht ihn unter Tel. 0152 22953103.

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