merken
PLUS Hoyerswerda

„Auf der Flucht sind alle gleich.“

Theaterstück „Mauerrisse“ will Menschen zusammenführen – heute um 18 Uhr ist es auf dem Schwarzen Markt zu sehen.

Probenszene im Saal der Hoyerswerdaer KulturFabrik. Heute ist das Stück unter freiem Himmel zu sehen.
Probenszene im Saal der Hoyerswerdaer KulturFabrik. Heute ist das Stück unter freiem Himmel zu sehen. © Foto: Katrin Demczenko

Von Katrin Demczenko

Hoyerswerda. Überall in der Welt stehen Mauern – unüberwindbare aus Steinen und Stacheldraht, aber auch Mauern aus Angst und Misstrauen in den Köpfen. Immer werden dadurch Menschen aus verschiedenen Ländern voneinander getrennt; erfahren kaum etwas voneinander und haben wenig Möglichkeiten, sich zwanglos kennenzulernen. Diese Situation will die bundesweite Aktion Interkulturelle Wochen (IKW) aufbrechen, die noch bis zum 4. Oktober auch in Hoyerswerda stattfindet.

Anzeige
Tipps für die Herbstferien in Sachsen, Thüringen und darüber hinaus
Tipps für die Herbstferien in Sachsen, Thüringen und darüber hinaus

Fast sechs Wochen ist das neue Schuljahr schon wieder alt – und damit möchten Kinder und Eltern ihre Herbstferien in ganz Sachsen und Umgebung genießen.

Die freie Theatergruppe „Teatro due Mondi“ („Theater zweier Welten“) aus Italien hat ihr Straßentheaterstück „Mauerrisse“ während der IKW schon in Nordrhein-Westfalen und Baden-Württemberg gezeigt, erzählt Tanja Horstmann, die einzige deutsche Schauspielerin. Am heutigen 1. Oktober um 18 Uhr findet ein Auftritt am Schwarzen Markt in Hoyerswerda statt, zu dem die Kulturfabrik (KuFa) die Schauspieler eingeladen hat, informiert deren Geschäftsführer Uwe Proksch. Die Finanzierung des Projekts gelingt mit Hilfe der Antonio-Amadeu-Stiftung und der Kulturstiftung der Ostsächsischen Sparkasse.

Es wird eine besondere Aufführung, denn nach einem Workshop treten hier mit den Italienern etwa 15 Menschen aus Tschetschenien, Liberia, Indien, Syrien und Deutschland auf. Unter Anleitung der italienischen Schauspieler erarbeiten sie an zwei Abenden im KuFa-Saal das Stück, das seine Aussagen über eine Symbiose aus Körpersprache, Musik und Gesang transportiert. Die Kurzeit-Schauspieler stellen eine entbehrungsreiche Flucht aus einem Kriegsgebiet und das Ankommen im zunächst fremden Deutschland dar, erklärt Tanja Horstmann. Sie übersetzt bei den Proben die italienischen Anweisungen des Regisseurs Alberto Grillis. Seine Zeichen, die die Gruppe zu synchronen Bewegungen anleiten, überwinden sowieso kulturelle und sprachliche Grenzen.

In Hoyerswerda angekommen

„Das «Teatro due Mondi» freut sich, über das Projekt mit Hoyerswerdaer Bürgern in Kontakt zu kommen und «Mauern in den Welten und den Köpfen» einzureißen“, sagt Tanja Horstmann.

Den Auftritt gestalten neben zwei indischen Familien und einer jungen Frau aus Liberia das Ehepaar Hoysack von der KuFa-Seniorentheatergruppe und Erfried Manka vom Bürgerbündnis „Hoyerswerda hilft mit Herz“ mit. Für die Inderin Priyanka Patel, ihren Mann und die Töchter ist das Theaterprojekt eine Abwechslung im Alltag und ein weiterer Baustein, besser in Deutschland Fuß zu fassen. Sie sind seit 2016 hier, haben endlich den Aufenthaltsstatus bekommen, wohnen aber noch im Asylbewerberheim, erzählt Priyanka Patel. Die Familie ist vor allem wegen ihrer Töchter geflüchtet, denn Mädchen haben es in Indien schwer. Erhard Hoysack denkt bei den Proben an Erzählungen von Menschen, die am Ende des Zweiten Weltkrieges flüchten mussten oder vertrieben worden sind. Bei dem Spiel kann er ihre Ungewissheit und Angst nachempfinden. Seine Frau Brigitte findet gut, dass Kinder, die Elterngeneration und Senioren gemeinsam auftreten. Jeder Mensch, egal welcher Hautfarbe und Religion, kann in die Situation kommen, seine Heimat aus triftigem Grund verlassen zu müssen. Brigitte Hoysack fasst ihr Erlebnis zusammen, indem sie sagt: „Auf der Flucht sind alle gleich.“

Mehr zum Thema Hoyerswerda