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Aus Bergen kommen auch Nudeln

Der für Spargel bekannte Landwirtschaftsbetrieb möchte sich künftig breiter aufstellen. Die haltbaren Produkte sind erst der Anfang.

Roland Nuck zeigt die Sorten, die es im Hofladen in Bergen gibt: Bärlauch-, Dinkel-, Kurkuma-, Spinat-, Vollkorn- und Schokonudeln sind unter anderem dabei.
Roland Nuck zeigt die Sorten, die es im Hofladen in Bergen gibt: Bärlauch-, Dinkel-, Kurkuma-, Spinat-, Vollkorn- und Schokonudeln sind unter anderem dabei. © Foto: Juliane Mietzsch

Bergen. Die Spargelsaison ist nun beendet. Die Bergener Landwirtschaftsgesellschaft mbH ist besonders für dieses Gemüse bekannt. Doch nur in einigen Wochen im Jahr ein Produkt anbieten zu können, schränkt die Möglichkeiten ganz offensichtlich ein. „Wir suchen immer neue Absatzmärkte“, erklärt der Geschäftsführer Roland Nuck die neuesten Produktideen aus Bergen.

Das Verlustgeschäft aufgegeben

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Vor einigen Jahren wurden noch Milchkühe gehalten. Doch das rentierte sich nicht mehr, aus einer Vielzahl an Gründen wurde die Herde abgegeben, die Muttergesellschaft Landwirtschafts-GmbH Bergen-Bluno entging der Insolvenz. Die Erträge der bewirtschafteten Felder wurden damals veredelt – zu Milch und Fleisch verarbeitet. Das ist so nun nicht mehr möglich. Die Böden sind vergleichsweise schlecht, lassen nicht viel Spielraum beim Anbau. Außerdem sind aus den Erlösen der Felder die Kosten für Maschinen, Dünger, Personal und die Pacht zu zahlen. Ökologischer Roggen, der als ziemlich robust gilt, wird angebaut, ist allerdings schon in großen Mengen auf dem Markt.

Also kam die Idee auf, diese Ernte anders höher zu veredeln und dann zu verkaufen. Kurzum wurde eine kleine Mühle angeschafft, das Getreide gereinigt und gemahlen. Doch feine Staubpartikel an winzigen Härchen waren mit der vorhandenen Technik nicht siebbar, landeten im Mehl. Bald fand sich mit Robert Bresan aus Sollschwitz ein Partner, der das Mahlen in einer neuen Größenordnung anbot. Seitdem gibt es im Bergener Hofladen auch Roggenmehl zu kaufen.

Langsames Wachsen

Doch die Suche nach einem haltbaren Produkt ging weiter. Und dank einer findigen Mitarbeiterin aus der Verwaltung des Landwirtschaftsbetriebes wurde schnell etwas gefunden. Fanny Nevoigt bekam den Einfall, Nudeln zu produzieren. Als Nächstes wurde also eine Nudelmaschine gekauft, und mit Gewürzen wurde der Teig verfeinert. Zu diesem Zweck konnte die Küche einer Bergener Gaststätte genutzt werden, lässt Roland Nuck wissen. Es wurde viel probiert, Testverkostungen gemacht. Und derzeit wird ein Raum auf dem großräumigen Hof für die Nudelproduktion umgebaut und hergerichtet. Zum Ende des Jahres wird mit der Fertigstellung gerechnet.

„Lieber alles langsam aufbauen“, ist dabei die Devise von Roland Nuck. Das bietet Raum und Zeit zum Probieren und „auch mal einen Schritt zurück“ machen zu können. Ebenso müssen weitere Strukturen im Unternehmen mitwachsen können. Da geht es auch um das Personal. Kurzfristige Einstellungen sind nicht der richtige Weg, wenn dann ein Versuch misslingt, sich ein Produkt nicht etabliert. Doch bei den Nudeln ist zuletzt sogar die Produktionskapazität an ihre Grenzen gestoßen. „Mit einer neuen Maschine sind wir nun auf der sicheren Seite.“

Der benötigte Weizengrieß wird regional zugekauft, weil er nicht selbst angebaut werden kann. So zeigt sich wieder, wie wichtig die Vernetzung auf regionaler Ebene ist, wie es Roland Nuck beschreibt. Und Dinkel wiederum kommt aus der Rätze-Mühle bei Göda. Bei all dieser Zusammenarbeit und dem Zukauf betont der Geschäftsführer den „Anspruch, immer ehrlich und durchschaubar“ zu sein.

Nun ist es denkbar, dass die Zeitspanne der Direktvermarktung im Hofladen erweitert werden soll. Da fällt der Blick auch auf den Tourismus. Es wird auf kaufkräftiges Klientel gehofft und dass eine weitläufigere Vermarktung möglich wird. Unter der neuen Marke „Seenland Farm“ sollen künftig auch weitere Produkte angeboten werden. Doch bis dahin gibt es die Bergener Nudeln und das Mehl bereits bei einer Handvoll Anbietern. Neben der örtlichen Marktschwärmerei und dem Rewe-Markt in der Hoyerswerdaer Altstadt, werden die Erzeugnisse in den Läden der Öl-Mühle und der Krabatmühle sowie beim Imbiss in der Käthe-Kollwitz-Straße vertrieben.

Qualität setzt sich durch

„Mein Eindruck ist, dass sich die Menschen wieder auf die Ursprünge besinnen. Schon in der letzten Saison war spürbar, dass besonderer Wert auf Ernährung und Regionalität gelegt wird.“ So ist Roland Nuck der festen Überzeugung, dass sich hohe Qualität in der Zukunft durchsetzen wird. Er sieht die Erweiterung des Portfolios auch als Angebot an die Kundschaft. Sie können diese Entwicklung „unterstützen oder eben nicht“.

Dass Landwirte in Generationen denken müssen, ergibt sich aus dem Jahreszyklus, der nicht besonders beweglich ist. „Wir sollten nicht alles Konventionelle über Bord werfen, können aber auch nicht alles wie bisher machen“, so Roland Nuck über die kommende Zeit. Es gilt, einfach im Geist flexibel zu bleiben.

Die neue Marke Seenland Farm bietet bisher Mehl und Nudeln, soll aber in Zukunft weiter ausgebaut werden.
Die neue Marke Seenland Farm bietet bisher Mehl und Nudeln, soll aber in Zukunft weiter ausgebaut werden. © Foto: Juliane Mietzsch

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